Wildtiere

Einzelne Luchse streifen immer wieder mal durch NRW

Luchse sind scheue Einzelgänger. Sie stehen wie Wölfe unter strengem Naturschutz und dürfen nicht bejagt werden.

Luchse sind scheue Einzelgänger. Sie stehen wie Wölfe unter strengem Naturschutz und dürfen nicht bejagt werden.

Foto: Holger Hollemann / dpa

An Rhein und Ruhr.  Kommt nach dem Wolf auch der Luchs zurück? Einzelne Tiere durchqueren immer wieder mal Teile NRWs, zuletzt im vergangenen Jahr.

Mittlerweile drei Wölfe sind nach Nordrhein-Westfalen gekommen, um zu bleiben. Ein Weibchen hat sich bekanntlich bei Schermbeck am Niederrhein niedergelassen, ein weiteres in der Senne in Ostwestfalen und ein Rüde in der Eifel. Unter anderem im Kottenforst bei Bonn streifen Wildkatzen durch die Wälder. Und auch einzelne Luchse streifen immer mal durch das größte Bundesland.

Wie das Landesumweltamt (Lanuv) auf Nachfrage der Redaktion bestätigte, durchquerte ein mit einem Halsbandsender ausgestattetes, männliches Tier im vergangenen Jahr die Kreise Lippe und Höxter. Seit gut dreißig Jahren gibt es in NRW immer wieder einzelne Hinweise auf Luchse, mal im Teutoburger Wald, mal in der Eifel. Beim Lanuv gibt es eigens ausgebildete Luchsberater, die die Hinweise nach bundesweiten Standards dokumentieren. Stets zogen die Tiere aber weiter - oder es verlor sich ihre Spur. Auch das Luchsmännchen 2018 lief weiter nach Hessen.

Rückkehr schwieriger als beim Wolf

NRW wartet auf den Luchs. Die scheuen Räuber waren bis ins 18. Jahrhundert in hiesigen Wäldern weit verbreitet, ehe sie durch Jagd und den Verlust ihrer Beutetiere ausstarben. Naturschützer würden eine Rückkehr sehr begrüßen: „Der Luchs ist Teil unserer biologischen Artenvielfalt“, sagt Holger Sticht vom Umweltverband BUND. Allerdings dürfte die Rückkehr ungleich schwieriger sein als beim Wolf.

„Luchse wandern nicht wie Wölfe mal eben viele hundert Kilometer durch die Landschaft und warten dann, ob zufällig ein Artgenosse vorbeischaut“, erklärte Sticht im Gespräch mit der Redaktion. Luchse seien bei ihrer Ausbreitung sehr auf zusammenhängende Lebensräume angewiesen. Einwanderer nach NRW seien denkbar über Niedersachsen, wo eine Wiederansiedlung im Harz erfolgreich war: „Der Harz ist aber eine ganze Ecke weg von uns“, sagt Sticht. Ein anderes Wiederansiedlungsprojekt gibt es im Pfälzerwald. Auch über Belgien und das Hohe Venn könnten Luchse kommen.

Reviere sind bis zu 400 Quadratkilometer groß

Die zu den Katzen zählende Luchse brauchen große Waldgebiete, gern möglichst abwechslungsreich mit Lichtungen, Totholz-Flächen, moorigen Bereichen und auch mal Felsen. Ihre Reviere sind zwischen 50 und 400 Quadratkilometer groß. BUND-Landesvorsitzender Holger Sticht sieht in der Eifel geeigneten Lebensraum für den Luchs, ebenso im Teutoburger Wald oder der Senne.

Konfliktpotenzial wie beim Wolf sieht Sticht nicht. Luchse ernähren sich von Mäusen, Nagern und Rotwildnachwuchs. Übergriffe auf Schafe, Ziegen oder Gehegewild seien nur „sehr selten“, sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Betroffene würden dann aber auch - genau wie beim Wolf entschädigt. Dass Spaziergänger einen Luchs (Schulterhöhe 50 bis 70 cm) zu Gesicht bekommen, gilt als ausgeschlossen: „Keine Chance“, sagt Holger Sticht.

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