TV-Sendung

Ende einer TV-Ära: Ein Fan verabschiedet die Lindenstraße

Lindenstraße-Fan André Weber hat eine große Sammlung von Fanartikeln und Requisiten.

Lindenstraße-Fan André Weber hat eine große Sammlung von Fanartikeln und Requisiten.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Wenn am Sonntag die Serie "Lindenstraße" in der ARD endet, dann schauen viele Fans wehmütig zurück. Auch Fanclub-Gründer André Weber aus Essen.

Für André Weber wird der kommende Sonntag ein besonderer Tag. Aber kein besonders schöner. Zum letzten Mal wird der große Lindenstraßen-Fan dann eine neue Folge seiner Lieblingsserie sehen können: "Es ist schon traurig, ich bin ja damit aufgewachsen."

Die Lindenstraße – das ist wahrscheinlich die bekannteste Straße im deutschen Fernsehen. Seit über 34 Jahren hat die WDR-Serie, die in München spielt aber in Köln-Bocklemünd gedreht wird, einen festen Platz im Sonntagabend-Programm der ARD und in den Wohnzimmern der Republik. Am kommenden Sonntag ist damit Schluss. Nach 7032 Drehtagen und 52.740 Sendeminuten läuft mit Folge 1758 die letzte Ausgabe der Kult-Serie – der Titel: "Auf Wiedersehen".

Abschiedsfeier fällt wegen Corona aus

Eigentlich wollte André Weber die Folge mit 50 anderen Fans der Sendung in Köln verfolgen. Gemeinsam Abschied nehmen von Helga Beimer, Anna Ziegler, Carsten Flöter und den anderen Figuren der Serie und dann zusammen feiern. Als Gründer und Vorsitzender des einzigen "stationären" Lindenstraßen-Fanclubs in NRW ist er in der Fan-Gemeinschaft gut vernetzt, hat über die gemeinsame Leidenschaft viele Bekannte, Freunde und sogar die persönliche Liebe gefunden. Doch auch dem Essener macht die aktuelle Coronakrise einen Strich durch die Pläne: "Dann wird halt zuhause geguckt."

Weber kann getrost als einer der größten Fans der Sendung bezeichnet werden. Seit Folge 1 (ausgestrahlt am 8. Dezember 1985) ist er dabei, hat in seinem umfangreichen Archiv jede Folge gesichert, zahlreiche Fan-Artikel und Requisiten gehören zu seiner Sammlung und in der Seifenoper ist er auch schon aufgetreten: neben einigen Komparsenauftritten hatte er sogar mal eine Sprechrolle – vor mehr als 20 Jahren in Folge 603. Als das Ende der Serie im Herbst 2018 verkündet wird, ist es ein Schock für ihn. Mittlerweile scheint er sich damit aber abgefunden zu haben: "Wir konnten uns lange auf das Ende vorbereiten." Damals hatte er noch um seine Lieblingssendung gekämpft: gemeinsam mit anderen Fans protestierte Weber im Schatten des Kölner Doms gegen die Absetzung. Schlussendlich vergebens.

Lindenstraße lebte von ihrer Aktualität

Kurz vor dem Ende zeigt sich die Sendung aber noch ein letztes Mal in Höchstform: "In den vergangenen Wochen hatte die Lindenstraße sehr starke Folgen", sagt Weber, "sie ist nochmal sehr aufgeblüht." Eine Stärke der Sendung war immer ihre Aktualität. Obwohl Folgen schon längst abgedreht waren, schafften es die Macher immer wieder, aktuelle Ereignisse in den Folgen zu platzieren. Und das bis zum Schluss: "Im Dezember wurde das letzte Mal gedreht, trotzdem wurde das Coronavirus noch eingebaut."

Obwohl die Sendung abgesetzt wird, wird sie im Leben von André Weber weiterhin eine große Rolle spielen: "Die Serie wird nie aus meinem Leben verschwinden." Sein Fanclub, der "Kölner Kult-Treff", soll bestehen bleiben. Auch regelmäßige Treffen soll es weiterhin geben, zu denen dann auch Ensemblemitglieder der Sendung eingeladen werden. Und seine Wohnung will der Essener in ein kleines Privat-Museum verwandeln. Requisiten und Devotionalien hat er dafür genug.

Das Türschild der Familie Beimer und der Grabstein von Egon Kling

Erst vor kurzem konnte Weber gemeinsam mit einigen anderen Fans der Serie nach Abschluss der Dreharbeiten auf einem kleinen Flohmarkt übrig gebliebene Requisiten erwerben. Für kleines Geld und den guten Zweck hat er dort so einiges gekauft, was bislang in der Lindenstraße hing oder stand. Etwa eine der wenigen Hausnummern oder ein Stuhl aus dem Lokal "Akropolis". Aber auch einmalige Schätze, wie das Türschild der Familie Beimer oder der Grabstein von Egon Kling.

Für das Ende seiner geliebten Lindenstraße wünscht sich André Weber nun einen ruhigen Schluss. Ein spektakulärer Abgang würde einfach nicht zur Serie passen, sagt er. "Ich wünsche mir, dass es ruhig und schön endet und nicht mit einem Schlussstrich." Was dann bleiben wird – bei André Weber und bei vielen anderen Liebhabern der Lindenstraße – sind ein weinendes, aber auch ein lachendes Auge. Wehmut und Trauer. "Ich bin dankbar für fast 35 Jahre Lindenstraße. Die Serie ist ein Gesamtkunstwerk."

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