Fußball

Ex-Bochumer und -Essener Neitzel trainiert jetzt in Malaysia

Karsten Neitzel bei seinem ersten Arbeitstag für den malaysischen Erstligisten Selangor FC mit einem seiner Co-Trainer.

Karsten Neitzel bei seinem ersten Arbeitstag für den malaysischen Erstligisten Selangor FC mit einem seiner Co-Trainer.

Foto: www.facebook.com/selangorfc

Selangor/Malaysia.  Karsten Neitzel hat es mal wieder nach Fernost gezogen. Der früherer Bochum- und RWE-Trainer, st nun Chefcoach beim Selangor FC in Malaysia.

Sieben Stunden beträgt der Zeitunterschied zwischen Malaysia und Deutschland. Hier ist es 17.29 Uhr, als Karsten Neitzel zurückruft, bei ihm vor Ort also kurz nach halb eins nachts. „Noch habe ich viel Zeit“, erklärt der 52-Jährige gut gelaunt.

Der frühere Trainer unter anderem des VfL Bochum und von Rot-Weiss Essen ist gut 10.000 Kilometer von seinem letzten Einsatzort im Fußball entfernt. Bis Ende Oktober war als Sportlicher Berater und Jugendcoach Essener beim Oberligisten ETB Schwarz-Weiß tätig. Nun ist er Cheftrainer beim Selangor Football Club, den „Roten Riesen“ aus Malaysia.

Weil die Saison in dem südostasiatischen Land erst im Februar 2021 beginnt, kann Karsten Neitzel also auch noch nachts ganz gut Fragen von Journalisten aus der Heimat beantworten.

Herr Neitzel, wie kam der Kontakt nach Malaysia und zum Selangor FC zustande?

Karsten Neitzel: Seit meiner Tätigkeit bei den Urawa Red Diamonds in Japan habe ich immer die Verbindung nach Asien gehalten und konnte mir immer vorstellen, noch einmal in der Region zu arbeiten. Vor einigen Jahren war ich auch schon einmal als Nationaltrainer der Philippinen im Gespräch, aber das hat sich dann doch nicht ergeben. Der Draht zu Selangor ist entstanden, weil Michael Feichtenbeiner, mein ehemaliger Trainer bei den Stuttgarter Kicker, dort Sportlicher Leiter ist. Als der Verein auf der Suche nach einem Chefcoach für die neue Saison war, hat er bei der Vereinsführung meinen Namen genannt, allerdings war es damit längst noch nicht getan.

Was mussten Sie denn tun, um den Job zu bekommen?

Es gab ein relativ hartes Auswahlverfahren, das man sich wie eine Bewerbung für einen internationalen Job in der Wirtschaft vorstellen kann. Ich habe mir extra bei einer Privatlehrerin Englisch-Unterricht genommen, damit ich mich in den Videotelefonaten mit der Vereinsführung gut verständigen konnte. Außerdem musste ich ein Spiel analysieren, in dem ich unter anderem Stärken und Schwächen der Mannschaft beschreiben sollte.

Das scheint gut funktioniert zu haben, Sie haben den Posten!

Ich bin am 23. Oktober angekommen und musste aufgrund der Einreisebestimmungen erst einmal 14 Tage in Quarantäne. So konnte ich leider noch nicht auf Entdeckungstour durch dieses wunderschöne Land gehen, habe aber seit dem Ende meiner Isolation jetzt zumindest schon einmal die Strukturen im Verein und die Mitarbeiter in meinem Staff kennengelernt. Nächste Woche werde ich aus dem Hotel aus- und in meine neue Wohnung einziehen. Außerdem sind noch einige Formalitäten zu erledigen, ein Bankkonto einrichten und solche dinge. Bis zum ersten Training haben wir zum Glück noch Zeit, die Mannschaft wird erst Anfang Januar komplett zusammenkommen, ehe ab Mitte Februar die neue Saison startet.

Wie ist das Niveau in der ersten malaysischen Liga und bei Ihrem neuen Klub einzuschätzen?

Wir bewegen uns zwar hier auf Profiniveau, aber im Vergleich zum Beispiel mit Deutschland wäre Selangor vielleicht in der 3. Liga anzusiedeln. Wenn aber hier der Pokal ausgespielt wird, dann sind beim Finale 80.000 Zuschauer im Nationalstadion von Kuala Lumpur. Leider musste der Malaysia-Cup im Oktober wegen Corona nach dem Achtelfinale abgebrochen werden. In der Malaysian Super League ist Johor DT der dominierende Klub der , die sind in den letzten sechs Jahren immer Meister geworden. Wir kommen dahinter und wollen auch im nächsten Jahr oben mitspielen.

Wie setzt sich der Kader Ihrer Mannschaft zusammen? Nur aus einheimischen Spielern oder wollen Sie auch Spieler aus Deutschland nach Malaysia locken?

Die meisten Jungs stammen von hier, weil es auch klare Beschränkungen für Spieler aus anderen Ländern, vor allem nicht-asiatischen gibt. Da unser Kader zu 95 Prozent steht, wird sich da auch nicht mehr viel tun, aber ein, zwei Spieler aus Europa und vielleicht einen deutschen Co-Trainer wollen wir noch dazu holen.

Halten Sie denn noch den Kontakt nach Essen, zum Beispiel zum ETB?

Natürlich! Ich habe gerade noch mit einem Spieler geschrieben und werde auch von hier aus der Ferne weiter beobachten, was sich am Uhlenkrug tut. Das war dort für mich eine zwar nur kurze, aber schöne Zeit. Ich konnte mit dem Rad zum Platz fahren und habe in vielen Bereichen, ob bei der ersten Mannschaft oder bei der A- und B-Jugend, mithelfen. Das war ein Freundschaftsdienst für meinen Kumpel Jürgen Lucas, der mich vorher schon zu Rot-Weiss geholt hatte und mich davon überzeugen konnte, beim ETB mitzumachen. Ich habe aber von Anfang an gesagt, dass ich nicht sagen kann, wie lange ich bleiben werde.

Das heißt, man wird Sie irgendwann in Deutschland, möglicherweise auch in Essen wiedersehen?

Jetzt bin ich erst einmal in Malaysia. Das ist für mich wieder ein ganz neues, sehr spannendes Kapitel, auf das ich mich sehr freue. Die ersten Eindrücke sind überragend, allein schon von der Lebensqualität. Ich wusste schon, warum ich wieder nach Asien zurückwollte...

Interview: Heiko Buschmann

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