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Fernsehturm Büderich: rot-weißer Mast mit viel Ausstrahlung

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Der rot-weiß gestreifte schmale Fernsehturm ist ein Erkennungszeichen für die Stadt Wesel.

Der rot-weiß gestreifte schmale Fernsehturm ist ein Erkennungszeichen für die Stadt Wesel.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Wesel.  1968 wurde der Sender Büderich, der heute Sender Wesel heißt, eingeweiht. 320,8 Meter ist er hoch - und damit das höchste Bauwerk in NRW.

Immer wenn der rot-weiß gestreifte schmale Mast nach einer Reise am Horizont auftaucht, wissen die Weseler, dass sie wieder zu Hause sind. Kein Wunder, der Sender Wesel ist schon von Weitem unweit der in Blau und Violett beleuchteten Niederrheinbrücke zu sehen - auch abends, wenn rote Lichter anzeigen, dass Flugzeugen hier etwas im Wege steht.

Gut 320 Meter ist er hoch, der Fernsehturm, wie ihn die meisten hier am Niederrhein nennen. Ganz genau gemessen sind es sogar 320,8 Meter, was ihn zum höchsten Bauwerk in Nordrhein-Westfalen macht. Ja, der Sender Wesel, der 1968 als Sender Büderich mit viel Brimborium eingeweiht wurde und eigentlich in der Bauerschaft Perrich am Perricher Weg steht, bringt es sogar auf die doppelte Höhe des Kölner Doms, der mit seinen 157 Metern schon extrem gen Himmel ragt.

Seine Geschichte begann 1961 in Stockholm. Dort wurde im Rahmen des regionalen Abkommens für die Europäische Rundfunkzone beschlossen, einen Grundnetz-Fernsehsender in der Nähe von Wesel zu bauen. Damit setzte sich das ländliche Areal auf der linken Rheinseite gegen 30 weitere Standorte durch - sehr zur Freude der Büdericher. Ziel war es, die Versorgungslücke am Niederrhein und im Ruhrgebiet zu schließen. Und so konnte man dort nach der Inbetriebnahme das Zweite Deutsche Fernsehen und das 3. Programm störungsfrei empfangen.

Sonderstempel und Bierdeckel zur Einweihung

Bundespostminister Werner Dollinger ließ es sich am 23. September 1968 nicht nehmen, den Sender anzuschalten. Es war eine Art Volksfest, mit dem dies begangen wurde. Die Post reagierte auf die Neuerung mit einem Sonderstempel, die Brauerei Hardering, die es damals noch in Büderich gab, mit einem speziellen Bierdeckel. Und der rot-weiße Sender selbst dankte mit richtig viel Ausstrahlung, die er auch heute noch hat. Er verbreitet mit seinen Sendeanlagen neben Fernsehprogrammen auch UKW- und Digitalradio. Dafür verantwortlich ist die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm.

Die Antennen für den Deutschlandfunk sind in 265 Metern Höhe angebracht, die für den lokalen Radiosender KW in 150 Metern. Beide Programme betreibt die Uplink Network GmbH Düsseldorf.

In 13 Minuten von 0 auf 320,8 Meter

Für die Öffentlichkeit ist der Sender, der seit 1978 nicht mehr Büderich, sondern Wesel heißt, nicht zugänglich, so dass dort nur dann Betrieb herrscht, wenn eine Wartung ansteht. Dafür gibt es extra einen kleinen Aufzug, der sich mit einer Geschwindigkeit von 0,3 Metern pro Sekunde nach oben schiebt. 13 Minuten dauert es deshalb, bis man vom Erdboden in Wolkennähe gelangt.

Höhenangst sollte man hier besser nicht haben, denn der Ausblick auf den Rhein, seine Auen und die Stadt Wesel ist zwar gigantisch, aber aus der Perspektive nicht Ohne. Sollte der Aufzug ausfallen, was etwa bei bestimmten Windbedingungen möglich ist, muss nämlich geklettert werden. Über die dafür extra angebrachte Außenleiter sollte man von oben bis unten satte anderthalb Stunden einplanen - fast wie bei einer Hochgebirgsexpedition.

Zum 50. Geburtstag kam auch der Bauleiter

Die 18 Stahlseile, die insgesamt 4200 Meter lang sind und 85 Tonnen wiegen, sorgen zwar für Stabilität, doch Schwankungen sind keinesfalls ausgeschlossen. Bis zu einem halben Meter geht es, wenn es ordentlich weht, hin und her. Und zum Schwanken gesellt sich manchmal noch ein Drehen. Dabei steht der Mast auf einer Fläche, die so groß ist, wie es ein Fünf-Mark-Stück war. Und das bei einem Gewicht von 513 Tonnen. Für Laien, die zum Beispiel die Niederrheinroute in unmittelbarer Nähe beradeln, beinahe unvorstellbar.

Vor zwei Jahren stand der Sender Wesel noch einmal so richtig im Mittelpunkt. Da wurde er 50 Jahre alt und das wurde gefeiert. Neben Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, vielen Büderichern und Ginderichern sowie anderen Besuchern war auch der damalige Bauleiter Stefan Lange im Alter von 94 Jahren dabei. Er kann sich darüber freuen, bei der Errichtung des höchsten nordrhein-westfälischen Bauwerks dabei gewesen zu sein. Auf die Höhe des Senders Wesel haben es selbst die Nina Towers in Hongkong mit 319 Metern nicht gebracht, genauso wenig wie der 2007 erbaute New York Times Tower, das Chrysler Buildung in New York von 1930 und das 321 Meter hohe, viel gepriesene Hotel Burj al Arab in Dubai.

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