Waldschäden

Förster in NRW fürchten weiteres schlimmes Borkenkäfer-Jahr

Ein vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald (Archivfoto). In den Wäldern auch in NRW haben Trockenheit, Stürme und eben Käfer größere Schäden angerichtet als bisher angenommen.

Ein vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald (Archivfoto). In den Wäldern auch in NRW haben Trockenheit, Stürme und eben Käfer größere Schäden angerichtet als bisher angenommen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

An Rhein und Ruhr.  Nirgendwo in Deutschland sind die Waldschäden so groß wie in NRW. Rund 68.000 Hektar sind betroffen. 2020 könnten große Flächen hinzukommen.

Förster befürchten, dass das angebrochene Jahr 2020 in Nordrhein-Westfalen ein weiteres verheerendes Borkenkäfer-Jahr werden könnte. Im bisher milden und insgesamt vergleichsweise trockenen Winter sind kaum Schädlinge kaputt gegangen. Nach Stichproben in Lieberhausen im Bergischen Land und in Petershagen in Ost-Westfalen gehen Fachleute vom Landesbetrieb Wald und Holz davon aus, dass dort pro Hektar hochgerechnet zehn Millionen Käfer in der Fichtenrinde überwintert haben.

Um diese Zahl einzuordnen: „200 Käfer genügen, um eine Fichte zu töten“, erklärte Wald-und-Holz-Sprecher Michael Blaschke auf Nachfrage der Redaktion (26. Februar 2020). Im Raum Lützel bei Hilchenbach im Siegerland wird in der Fichtenrinde von 300.000 Borkenkäfern je Hektar ausgegangen. Hinzu kommt eine allerdings deutlich kleinere Anzahl von Borkenkäfern, die im Boden überwintert.

Entwicklung hängt vom Wetter ab

„Wenn die im Frühjahr alle ausfliegen, wird es nochmal richtig ernst“, meinte der Wald-und-Holz-Sprecher. Die Hoffnung, dass Pilzbefall während des Winters einen großen Teil der Käfer dahinrafft, habe sich bisher nicht erfüllt. Untersuchungen des Landesbetriebs hatten ergeben, dass sich 75% der Käfer in der Fichtenrinde guter Gesundheit erfreuen. Die weitere Entwicklung hängt vom Wetter ab, das bis Mitte Februar in Sauer- und Siegerland, dem Bergischen Land und der Eifel zu trocken war.

In NRW wird für 2020 infolge von Schädlingen, Krankheiten und Stürmen nochmal von rund 15,6 Millionen Kubikmeter Schadholz ausgegangen, nach 16,1 Millionen in 2019 und 3,35 Millionen in 2018. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundeslandwirtschaftsministerium an diesem Mittwoch veröffentlichte. Die Zahlen betreffen vor allem Nadelbäume, und da die von Borkenkäfern dahingerafften Fichten. Sie betreffen aber auch Laubbäume; Schäden gibt es insbesondere bei Buchen. Das Ausmaß ist jedoch deutlich geringer als bei den Fichten.

Hoffnung für Fichten in höheren Lagen

Den Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge sind die Waldschäden größer als bisher angenommen und nirgends so groß wie in NRW. 68.000 Hektar sind im größten Bundesland aktuell geschädigt – das ist mehr als ein Viertel der Schadensfläche deutschlandweit. Weitere Schwerpunkte sind Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen. Das Ministerium wies daraufhin, dass bei Bund und Ländern 800 Millionen Euro an zusätzlichen Hilfen bereitstehen.

Hoffnung gibt es in NRW für Fichten in höheren Lagen, etwa im Sauer- oder Siegerland. Laut aktuellen Stichproben haben Fichten oberhalb von 400 Metern über NN deutlich mehr Harz als Bäume in Niederungen, weshalb sie Schädlingen besser widerstehen. Ein neuer Leitfaden legt fest, dass sich die Forstleute in nächster Zeit auf die Rettung dieser Bestände konzentrieren sollen. Sie stehen unter besonderer Beobachtung, größere Schutzzonen sollen angelegt und befallene Bäume sofort rausgezogen werden.

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