Ausstellung

Galerie unter freiem Himmel

Foto: NRZ

Ein Garten so groß wie die Welt: In Nimwegen stellen neun Künstler den ganzen Sommer über ihre Skulpturen aus

Nimwegen. Alle 15 Minuten rattert ein Zug am Paradies vorbei. Es ist das einzige Geräusch, das die Ruhe im Botanischen Garten, dem Hortus Arcadië, im Süden Nimwegens stört. Das Auge hat hier Vorrang und blickt auf eine Galerie aus Blumen, in der neun Künstler einen Sommer lang ihre Werke ausstellen.

Neun Künstler – das macht neun Arbeitsweisen, 27 Werke, verschiedenste Themen und unterschiedlichste Materialien von Bronze bis Eisendraht, von Basalt bis Kunststoff. Tajddin Özen, selbst einer der neun, hat diese Ausstellung zusammengestellt. Es ist die vierte ihrer Art im Hortus Arcadië. „Natur und Kunst sollen sich hier gegenseitig verstärken”, sagt Özen. Nicht etwa weil die Natur zwingend Thema der Werke sein müsste, sondern durch ihre Platzierung im Garten.

Bronze im Beet

So ergänzen beispielsweise die rot-weißen hohen Pappfackeln, eine Installation Imke Beeks, die Halbkreise, in denen der Hortus Arcadië angelegt ist und fügen sich gleichzeitig zwischen die vereinzelt gepflanzten Bäume. Ein Stück weiter sprießen Beeks große rotlackierten Eisendrahtblüten aus der Wiese. Bevor er die Skulpturen im Garten aufgestellt hat, hat Tajddin Özen mit den 15 Gärtnern des Hortus gesprochen. Wann blüht welche Blume, wollte er wissen. Wie hoch wird welcher Strauch?

Damit so manches Werk der Künstler, die hauptsächlich aus Nimwegen und Arnheim stammen, im Blumenmeer nicht ertrinkt, stehen sie auf filigranen Tischen. Die jeweiligen drei Werke eines Kunstschaffenden hat Özen in Sichtweite voneinander platziert, wie die Bronzeskulpturen von Babette Degraeve. Die belgisch-niederländische Künstlerin hat einen überdimensionalen Ahornsamen gegossen. Ihr zweites Werk, zwei zierliche Bronze-Füße, wirkt daneben noch kleiner.

Küssende Vögel

Özen selbst hat ebenfalls mit Bronze gearbeitet und sich von der Mythologie beeinflussen lassen. Seine beiden sich küssenden Vögel haben Hände statt Flügel, ihre durchlöcherten Körper haben etwas geisterhaftes. Mehr am Weltlichen orientiert hat sich dagegen der Arnheimer Wim Roding. Der Rhein ist die Quelle, die ihn zu Holzbrücken und Booten inspiriert hat, die sich erst auf den zweiten Blick als Bronzeskulpturen entpuppen.

Jede der ausgestellten Skulpturen bleibt in einem bestimmten Größenformat. Mit Absicht, wie Tajddin Özen erklärt. Die Werke würden auch in einem Privatgarten nicht überproportioniert wirken. Und wer bei einem Rundgang eines für sich entdeckt, kann es kaufen – auch schon vor dem Ende der Ausstellung am 4. Oktober. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei, wie es auch sonst im Hortus Arcadië üblich ist. Ausnahme: Die Musiksonntage, die im Sommer in regelmäßigen Abständen Natur-, Kunst- und Musikfreunde vereinen (siehe Infobox).

Eine Stiftung kümmert sich seit zehn Jahren um Erhalt und Pflege des Botanischen Gartens. Angelegt wurde er in den 1970er Jahren von der Katholischen Universität Nimwegen. Tajddin Özen ist einer der vielen ehrenamtlichen Helfer.

Schnell erkannte er das Potenzial des Hortus Arcadië als Galerie unter freiem Himmel. Und auch wenn er von Galerieräumen in der benachbarten alten Reithalle träumt, so plant er doch gedanklich bereits die nächste Gartenausstellung. Dann vielleicht zum ersten Mal auch mit deutschen Künstlern.

Hortus Acardië, d'Almarasweg 22d , Nijmegen

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