Gedanken zum Frieden

Lasst uns alle Friedenstauben fliegen lassen…

Lasst uns alle Friedenstauben fliegen lassen…

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Frieden fällt nicht vom Himmel. Als „Friedensbotschafter“ der Kevelaerer Aktion pro Humanität sprach Weihbischof Rolf Lohmann im Dom zu Xanten.

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Frieden posaunen – hinausposaunen können, das wünscht man sich wirklich zunehmend öfter in unserer Welt von heute. Dazu nur drei tagesaktuelle, kurze Nachrichtenschlagzeilen aus den letzten Tagen:

1. Rechtsradikaler und antisemitischer Angriff auf die Synagoge in Halle. 2. Militärischer Überfall der Türkei auf Nordsyrien. 3. Friedensnobelpreis für äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed für den Friedensvertrag mit Eritrea. Frieden hinausposaunt, das haben viele weise und kluge Menschen getan. Appellativ - auf sehr unterschiedliche Arten. Immer und immer wieder. Musik, Gedichte, Parabeln, Legenden. Sie alle wollten und wollen die Menschen überzeugen von diesem Weg, dass sich eben nicht immer mehr Kriege entwickeln, sondern immer mehr Frieden. Dass wir nicht immer und immer wieder in den Krieg ziehen als Menschen, sondern endlich mehr und mehr in den Frieden.

„Das große Karthago führte drei Kriege“, so Bertolt Brecht. „Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden“.

Gedenken wir der Opfer und Familien in Halle, der jüdischen Mitbürger/innen, die während des Angriffes in der Synagoge an ihrem höchsten Feiertag, Jom Kippur, beteten und an alle Mitmenschen jüdischen Glaubens, die sich bei uns derzeit nicht mehr sicher fühlen können. Angst haben müssen. Denken wir an die Menschen in Syrien und überall auf der Welt, wo Terror, Gewalt und Krieg herrschen.

Um Himmels willen, allmächtiger Gott, hilf uns, freimütiger, solidarischer, konkreter einzustehen gegen rechte Parolen, Antisemitismus, Fremdenhass, Menschenverachtung. Hilf, dass wir begreifen lernen, dass interreligiöser Dialog, dass Kennenlernen der Religionen untereinander und das miteinander auf dem Weg sein deutlich mehr ist als nur eine populäre Zeiterscheinung. Auch hier wird Dialog immer essenzieller und wahrscheinlich auch existenzieller.

In einer immer vielfältiger werdenden Welt hinsichtlich der Religionen, Kulturen, Nationen. Auch in unserer Gesellschaft in Deutschland. Zum Einstieg in unsere Gedanken gibt es eine sehr schöne Parabel von zwei Wölfen, die in unterschiedlichsten Versionen erzählt wird.

Die Parabel von den zwei Wölfen

„Ein Großvater sitzt mit seinem Enkelsohn am Fluss. Der Großvater sinniert über Gott und die Welt, während sein Enkel die Angel ins Wasser hält und fischt. Es ist still, die Geräusche der Natur werden hörbar. Doch dann, nach einer Weile des Schweigens, sagt der Großvater unvermittelt zu seinem Enkel: “Weißt du, mein Junge, wie ich mich manchmal fühle in dieser Welt? Es ist, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv, grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanftmütig und mitfühlend.“„Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf um dein Herz?“ fragt der Junge und schaut auf seinen Großvater. „Der Wolf, den ich füttere,“ antwortet der Alte.“

Von Frieden und karierten Maiglöckchen

Jetzt sind wir mittendrin im Thema. Krieg und Frieden. Wobei wir dem Frieden heute Abend Priorität geben wollen. Ein Begriff, von dem wir heute mehr und mehr denken, das sei etwas wie karierte Maiglöckchen. Ausgefallen, aus der Realität gefallen, irreal, ja schon fast exotisch. Mehr etwas Anschauen als zum Realisieren. Viele denken heutzutage - aus Bequemlichkeit oder Resignation - was sollen wir schon ausrichten hinsichtlich dieses Themas?

Erheben wir einen aktuellen Status unserer Welt zum Thema Frieden, so wie man einen Status bzgl. der Wirtschaftlichkeit in Unternehmen erhebt, so kommt man unzweifelhaft zu dem Ergebnis: die Welt lebt in zunehmendem Unfrieden.

Dort wo nicht Krieg und Terror herrschen, nehmen Spaltung und nationalistische Denkweisen mehr und mehr Raum ein. Sogar an uns selbst können wir bemerken, wie das Kreisen unserer Gedanken, unseres Handelns um uns selbst, um unsere Gesundheit, unsere Fitness, um Wellness immer größer werdenden Raum einnimmt. Oder Coolness als ein Ideal gilt. Wie wir in einem schleichenden Prozess radikalisierte Gedanken oder Sprache übernehmen.

Frieden ist kein statisches Geschehen – wie viele Menschen nach 60 Jahren in Europa vielleicht meinen. Kein verbürgtes Recht aus Tradition. Weil es die letzten Jahrzehnte so war, ist der Frieden auch in Europa nichts Unerschütterliches. Mahatma Gandhi sagt zu recht: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg“. Frieden ist etwas Dynamisches, für das man sich engagieren muss.

Es wird keinen easy-going-Frieden geben

Das wohl meinte Jesus mit seinen Worten: Ich bin nicht gekommen, um Frieden auf diese Welt zu bringen, sondern Feuer und ich wollte, es würde schon brennen....“ Eine seltsame Redewendung von jemandem, den wir sonst ganz anders über Frieden sprechen hören… Er meint damit wohl, dass es nicht diesen „easy-going-Frieden“ von ihm gibt, der mit einem Fingerschnipsen vom Himmel fällt und alles ist gut. Rosarot oder kariert wie die Maiglöckchen vom Anfang unserer Gedanken. Er will sein Feuer, seine Liebe zu den Menschen bringen, seine Überzeugungen, seine Dynamik, seine ganze Leidenschaft auf die Welt und unter uns Menschen werfen, damit wir diesen Frieden in seinem Sinne er-wirken können. Er wünscht, dass wir von diesem Feuer des Mitwirkens schon erfasst sind, dass wir schon „brennen“ für ihn und seinen Frieden! Es ist kein zerstörerischer, vernichtender Feuerball, sondern ein entzündender Prozess, eine Initialzündung sozusagen für den Frieden auf der Welt.

Das ist sein Auftrag an uns, im Sinne seines immer wieder gesprochenen: “Der Friede sei mit Euch!“ Wenn man an eine Trilogie des Friedens denkt, an drei essenzielle Voraussetzungen für Frieden, dann fallen mir derzeit spontan drei Komponenten ein:

die Ehrfurcht vor jedem Leben und der Schöpfung

die Überwindung von vielen unterschiedlichen Ängsten in der Welt von heute und damit die Bahnung von Dialogfähigkeit

der Einsatz für gerechte Lebens- und Wirtschaftsbedingungen aller Menschen, für faire Teilhabe aller Menschen an den Gütern dieser Welt.

Martin Luther King: I have a dream

Klare Gedanken des US-amerikanischen Baptistenpastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King passen in diesen Kontext. Er wurde am 4. April 1968 in Memphis ermordet. Von ihm stammt die berühmte Rede „I have a dream“. Seine Gedanken zum Thema „Frieden“: Alles leben steht in einer Wechselbeziehung zueinander. Wir sind in einem unentrinnbaren System der Gegenseitigkeit gefangen, in ein einzigartiges Netzwerk des Schicksals eingebunden. Was immer den einzelnen direkt betrifft, betrifft indirekt auch alle anderen. Die ineinandergreifenden Strukturen der Wirklichkeit erfordern unser Zusammenleben. So ist unsere Welt geschaffen,das ist ihr auf Wechselbeziehungen beruhendes Wesen.

Wir werden keinen Frieden auf Erden haben,ehe wir nicht diese gegenseitige Abhängigkeit allen Seins begreifen. Papst Franziskus betonte bei seiner Reise nach Südostafrika im letzten Monat, dass Frieden „ein hartes Stück Arbeit“ sei. „Mit Entschiedenheit, doch ohne Fanatismus, mit Mut, doch ohne Hysterie, mit Beharrlichkeit, doch auf intelligente Weise“ gelte es, weiter zu verkünden: “Nein zur Gewalt, die zerstört, ja zum Frieden und zur Versöhnung!“ Auch wenn wir mehrheitlich den Eindruck haben, die Welt zerstöre sich immer mehr durch Kriege, so gibt es auch Entwicklungen, die anderes aufzeigen. Die Versuche, Frieden zu initiieren im Sudan, auch in Mosambik, im Sahel z.B. mit den Tuareg.

Der Friedensnobelpreis für den äthiopischen Präsidenten

Und ganz aktuell eben der Ministerpräsident Äthiopiens. Ihm wurde letzten Freitag der Friedensnobelpreis zugesprochen. Damit wird sein Bemühen um Frieden in dem 20 Jahre währenden Konflikt mit dem Erzfeind und Nachbarn Eritrea honoriert. Im Juli 2018, kurz nach seinem Amtsantritt, unterzeichnete er gemeinsam mit dem eritreischen Präsidenten das Friedensabkommen. Gefangene wurde freigelassen, verbotene Parteien wieder erlaubt. Er bekämpft die Korruption in Äthiopien und ernannte eine Oppositionelle zur Vorsitzenden der Wahlkommission. Noch gilt dieser Friede als fragil, doch der erste wichtige Schritt ist getan. Ist gemacht worden. Von ihm.

Aber solche beeindruckenden Handlungsweisen sind noch nicht viral, wie man heute zu sagen pflegt. Sie sind noch nicht „ansteckend“ genug im positiven Sinne. Demut zu entwickeln, die Fähigkeit, hinzugehen und um Begegnung zu bitten. Dann: sich auf den Stuhl des Anderen setzen zu wollen, die Welt und die Situation aus der Perspektive des Gegenübers zu betrachten, dabei auch Fehler klar zu benennen, es jedoch nicht bei Vorwürfen zu belassen, sondern Lösungen finden helfen, das alles ist für ein Friedensengagement unverzichtbar. Erst dann vermag man in einen wirklichen Dialog einzutreten, bei dem es um das Finden eines Weges und nicht um das Erreichen vorgedachter diplomatischer und strategischer Ziele geht.

Das Sich-auf-den-Stuhl-des-Anderen-Setzen, aus seiner Perspektive die Dinge und Zusammenhänge betrachten, hat etwas damit zu tun, was der Heilige Augustinus „Pax est tranquilitas ordinis“ bezeichnet. Der Friede ist die Ruhe in der Ordnung. Hier kommt Gott ins Spiel. Er möchte uns helfen, den rechten Platz einzunehmen, den Stuhl des Anderen zu suchen und zu finden. Und zwar nicht nur demonstrativ und äußerlich, sondern auch in unserem Verstand, in unserem Herzen, mit unserem Willen. Gott hat in seiner Weisheit und Liebe alles für uns geordnet und bereit gestellt. Allem, was er geschaffen hat, wies er den rechten Platz zu. Menschen haben es verrückt. Es begann bereits im Paradies mit den Früchten des Baumes der Erkenntnis. Bis heute schaffen wir Menschen es, die Welt, seine Welt immer verrückter zu machen. Schauen wir auf Klimawandel, Hunger, Armut, Terror, Kriege. Menschen gemacht. Nicht Gott gemacht. Und immer wieder die Frage der Menschen: „Wie kann Gott das alles zulassen?“

Wir müssen unsere Selbstüberschätzung aufgeben

Schwer zu findende Antworten. Doch ein Weg kann es sein für uns Menschen in unserer heutigen Zeit, in unserer Welt und auch in unserer Kirche, mit unserem Verstand diese, jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigende Weisheit Gottes anzuerkennen, damit wir von Neuem in seine Ordnung hineinkommen. Wir müssen die hypertrophe Selbstüberschätzung aufgeben, dass einzig wir die Macher der Welt sind, dass wir es schon regeln werden. Nur wenn wir das erkennen, uns darauf einzulassen bereit sind, können wir uns mit unserem Willen hin zu dieser von Gott gewollten Ordnung lenken. Ohne diese Prämisse wird es schwer gelingen, denn wir werden dominiert werden von den Göttern unserer Welt und ihnen weiter folgen: Ego, Macht, Konsum, Profit, Gleichgültigkeit für das Leid anderer, Spaltung, Nationalismus, Hass, Gewalt.

Gott hat uns seinen Sohn, diesen Jesus von Nazareth gesandt, als Menschen. Damit wir an seinem Weg sehen, zu wem er sich setzt. Zu wem er sich hingezogen fühlt, an wen er seine liebende, nicht seine vernichtende Hand, anlegt. Dass er nicht exklusiv, also ausschließend nur im Kreis seiner Gefährten wirkt, sondern inklusiv, d.h. alle Menschen einbezieht. Den Kontakt zu allen sucht, auch zu seinen Gegnern. Das kann er, weil er nicht im Menschen den Feind sieht, wohl jedoch im Bösen, gegen das es anzugehen gilt. Er wendet sich auch denen zu, die nicht seinen Glauben vertreten; besonders die Armen und Kranken berühren sein Herz. Empathie, das moderne Wort für Nächstenliebe. Alles liegt für uns auf der Hand! Er zeigt uns mit seinem Lebensbeispiel, wie wir alles in die göttliche Ordnung zurückführen können.

Wenn wir alle radikale Jesuaner werden...

Wenn wir alle viel mehr radikale Jesuaner werden, wie der Journalist Franz Alt es einmal formulierte: Von der Wurzel her denken, fühlen und handeln wie dieser Jesus von Nazareth. Aufgeschlossen, achtsam, respektvoll, emphatisch. Es ist also die Frage an mich und an jeden Einzelnen von uns: will ich mich diesem aufgezeigten Weg anschließen? Es ist meine und Ihre Freiheit, zu entscheiden, was unsere Lebensprojekte in unserer Zeit sein sollen. Soll das Leben des Jesus von Nazareth für mich eine Festlegung mit hoher Priorität für mein Leben sein? Ein Gestaltungsmerkmal für mich und meine Gegenwart und Zukunft mit einer Entschiedenheit, die nicht in einer Möglichkeitsform bleibt im Sinne des „Man könnte überlegen, ob...“ sondern die Ernstfall wird für meinen Lebensalltag – mit dem Anspruch, dass ich auch anderen davon berichte, andere über-zeuge, durch das, was mich antreibt.

Jesus ist mit allen Menschen unterschiedlichster Denk- und Handlungsweisen in einen Dialog getreten und hat sie damit aufgewertet. Sie Wert geschätzt. Prof. Reinhard Haller (Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe sowie einer der renommiertesten europäischen Gerichtsgutachter, z.B. Amoklauf Winnenden) hat ein beeindruckendes Buch zu diesem Thema geschrieben: Das Wunder der Wertschätzung.

Wir wissen, wie gut uns allen Anerkennung und Wertschätzung tut. Gesellschaftlich jedoch hat das Thema der Wertschätzung einen Kurssturz hingelegt. Momentan könnte man in Anbetracht von Populismus, Beleidigung, Bloßstellung, Ausgrenzung und Shitstorms fast sagen, es ist zu einem Crash von Werten wie Toleranz und Solidarität in unserer Gesellschaft gekommen.

„Wertschätzungsblockade“ nennt Haller das einprägsam. Wer beobachtet, wie mangelnde Wertschätzung, das unbeachtet oder abgelehnt bleiben, Menschen zerstört, sie zu für uns sinnloser Gewalt entkoppelt, versteht vielleicht viel spontaner, woher die Zunahme von Aggression in unserer Welt rührt. Woher Brutalität und Menschen missachtender Terror kommt. Entwertung zerstört – Menschen und Gesellschaften. Kurz: weniger Wertschätzung – mehr Aggression.

Wertschätzung schafft Frieden

Wirkliche Wertschätzung jedoch bewirkt wunderbare Veränderung. Sie aktiviert unser Belohnungs- und hemmt unser Angstzentrum im Gehirn. So entfalten sich in kürzester Zeit Kreativität, Motivation und Beziehungsfähigkeit. Denn jede Geste echter Wertschätzung wird erfahrungsgemäß mit vielen ähnlichen Gesten beantwortet. So kann diese gelebte jesuanische Radikalität der Wertschätzung eines jeden Menschen auch ein denkbares Friedensprinzip für unsere Welt, unsere Politik, unser Verhalten werden. In Dialog treten und damit Menschen, Gruppen, Völker achten und aufwerten. Möglich war es ein solcher Weg, den Papst Franziskus mit „auf intelligente Weise“ Frieden gestalten meinte.

Wenn wir diesen Weg der Wertschätzung von Menschen, Schöpfung und der Welt als unserem gemeinsamen Haus (Papst Franziskus) beschreiten lernen, ergeben sich alle drei oben genannten Punkte der Trilogie für den Frieden nahezu von selbst: die Ehrfurcht vor jedem Leben und der Schöpfung die Überwindung von vielen unterschiedlichen Ängsten in der Welt von heute und damit die Bahnung von Dialogfähigkeit der Einsatz für gerechte Lebens- und Wirtschaftsbedingungen aller Menschen, für faire Teilhabe aller Menschen an den Gütern dieser Welt. Und noch ein wesentlicher Punkt bliebe zu ergänzen: Wertschätzung lindert Angst. Wie es zuvor schon kurz anklang.

Angst zersetzt aktuell ja bekanntlich mehr und mehr unsere Gesellschaft. Angst vor Überfremdung, vor Islamisierung, Angst vor Spaltung von Gesellschaft und Kirche, vor Verlust von Wohlstand etc. Die Beherzteren, furchtlos Zupackenden verurteilen in ihrer Dynamik die Angstbesetzten, Stagnierenden, Sicherheit in traditionalistischen Denkweisen Suchenden – und umgekehrt. Wenn wir derzeit die großen Ängste unserer Gesellschaften lindern durch Wertschätzung, werden wir Frieden gewinnen! So wird bis hierher -im Blick auf die einleitende Geschichte- deutlich klar, welchen Wolf wir füttern sollen als Christen, als Menschen guten Willens, damit unser Herz liebevoller, sanftmütiger und mitfühlender wird und es damit dem Frieden näher bringt.

So gilt es, dass wir, wenn wir nun hier von diesem Ort Xanten, aus diesem Dom fortgehen, etwas mitnehmen. Es gilt einen Moment inne zu halten an diesem besonderen Ort eines großen römischen Heerlagers, an diesem besonderen Ort des Grabes des Heiligen Viktor und seiner Gefährten, die den Märtyrertod starben. Ganz nahe der Krypta von Karl Leisner, der sich freimütig, kurz, klar und laut gegen Hitler aussprach.

Kommt, wir ziehen in den Frieden!

Es gilt zu überlegen, was unser Bekenntnis in unserer Zeit ist? Weitermachen wie bisher ist in den absehbaren Entwicklungen kaum angezeigt. Auch Stammtisch-Parolen und politisches Gezänk um Rang und Position werden nicht helfen. Ebenso bewirkt das Zurückblicken nichts, was nach vorn bringt. Es geht um klare Ansagen, geradliniges, Wert schätzendes und empathisches Handeln unsererseits im Hier und Jetzt, um einer besseren Zukunft den Weg zu bereiten. „Komm wir ziehen in den Frieden. Wir sind mehr als du glaubst. Wir sind schlafende Riesen. Aber jetzt stehen wir auf...“ Hören wir auf das eindrucksvolle Lied von Udo Lindenberg und Kids on stage.

Die sieben Stufen der Wertschätzung können einen Weg eröffnen in eine friedvollere Welt, weil dann keiner mehr fast zu Tode geschlagen wird und schwer verletzt am Wegesrand liegen bleiben muss, wie es im Gleichnis des barmherzigen Samariters beschrieben ist. Mit den Augen und der Wahrnehmung des Samariters, eines von den Juden eher verachteten Menschen, ist in der Beispielerzählung Jesu alles o.k. - im Gegensatz zu der Reaktion von Priester und Levit, die zuerst an ihre Gesetze und Verbote denken, sich davon dominieren lassen. Der Samariter reagiert Leben erhaltend, er stellt keine Fragen. Er reanimiert, belebt einen halbtoten Menschen wieder, indem er ihn wahrnimmt, ihm empathisch und fürsorglich begegnet - ohne als Erstes nach Zusammenhängen, Herkunft, Recht, Schuld etc. zu fragen.

Die sieben Stufen der Wertschätzung

Die sieben Stufen der Wertschätzung : Beachtung, Achtsamkeit, Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, Vertrauen und Empathie oder Liebe werden jedem Einzelnen und unseren Gesellschaften, die gerade emotional verhungern, zu neuen Entwicklungen verhelfen. Werden wir Radikale. Nicht verbissen und hart, sondern lachend und froh. Gehen wir an die Wurzel der Menschenliebe als radikale Jesuanerinnen und Jesuaner. Komm, wir zieh´n in den Frieden! Hand in Hand.

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