Braunkohle-Tagebau

Greenpeace-Studie: Hambacher Forst braucht dringend Hilfe

Der Hambacher Forst leidet einer Studie im Auftrag von Greenpeace zufolge schwer unter den Folgen von Hitze und Trockenheit.

Der Hambacher Forst leidet einer Studie im Auftrag von Greenpeace zufolge schwer unter den Folgen von Hitze und Trockenheit.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Im Rheinland.  Der benachbarte Braunkohle-Tagebau verschlechtere die Situation des umkämpften Hambacher Forstes „eklatant“, so eine Studie von Greenpeace.

Der Erhalt des Hambacher Forst ist trotz politischer Willensbekundungen kein Selbstläufer. Einer Studie im Auftrag von Greenpeace zufolge leidet der Restwald im Rheinischen Braunkohlenrevier besonders stark unter Hitze und Trockenheit. Die Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung machen dafür wesentlich die teils bis auf 50 Meter herangerückten Tagebau-Bagger verantwortlich.

Greta im Hambacher Forst

Ausgehend von der Analyse, welche der Redaktion vorliegt, fordern die Wissenschaftler eine 500-Meter-Pufferzone zwischen Wald und Tagebau. Warme Luft aus dem riesigen Tagebau-Loch heize den Wald auf und trockne ihn aus. Ein sofortiger Stopp des Abbaggerns in Richtung Hambacher Wald sei nötig. Zudem seien Rekultivierungen erforderlich; zumindest in der Vegetationsperiode müssten die Wiederbewaldungsflächen bewässert werden. Und über Hecken und mindestens 100 Meter breite Gehölzkorridore solle der Forst an andere Waldgebiete in der Region angebunden werden.

RWE lehnt Forderung nach Pufferzone ab

Ein Sprecher von Tagebau RWE, dem auch der Wald gehört, erklärte auf Nachfrage der Redaktion, dass man die Studie noch prüfen müsse. Einen Kausalzusammenhang des Temperaturunterschiedes zwischen Wald und Umgebung und resultierenden Waldschäden sehe man aber als nicht belegt an. Beim Abstand zwischen Wald und Tagebau richte man sich nach den Vorgaben der NRW-Bergbaubehörde. Die Forderung nach einem größeren Puffer sei nicht nachvollziehbar.

„Klar ist jedoch, dass der Hambacher Forst derzeit - wie alle anderen Waldgebiete in Deutschland auch - unter der derzeitigen Trockenperiode leidet“, so der RWE-Sprecher weiter. Borkenkäfer und Russrundenpilz setzten Fichten und Ahornbäume zu.

„Unsere Forstleute können den Wald nicht überall gefahrlos betreten“

Zu einer „normalen Bewirtschaftung“ gehöre, dass befallene beziehungsweise abgestorbene Bäume aus dem Wald geholt und durch andere, robustere Arten ersetzt werden – Stieleiche, Hainbuche oder Winterlinde. .Das sei im Hambacher Forst aber nicht vollumfänglich möglich. „Unsere Forstleute können den Wald nicht überall gefahrlos betreten“, sagte der Sprecher mit Blick auf mögliche Angriffe durch militante Kohlegegner.

Auf ausdrückliche Nachfrage der Redaktion, ob RWE auch im Hambacher Forst aufforsten würde, sagte der Sprecher: „In Teilen des Forstes wie dem Rindenburger Altwald tun wir das bereits. Das ist ja unser Wald.“ Vorschläge aus der Studie wie die Wiederbewaldung der früheren Verkehrsflächen bezeichnete der Konzernsprecher als „prüfenswert“. Eine Bewässerung hält man bei RWE angesichts der speziellen Böden im Hambacher Forst für nicht zielführend. „Für diese Böden ist eine starke jahreszeitliche Schwankung im Wasserhaushalt typisch“, meinte Sprecher.

Mittelalte Buchen erleiden plötzlichen Trockentod

Die Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und des Potsdam-Institutes waren im Juni vor Ort gewesen und hatten schwere Waldschäden vor allem an den Rändern zum Tagebau hin ausgemacht. Nicht nur Fichten, auch mittelalte Buchen seien abgestorben. Letztere teilweise sogar mit noch grünen Blättern – was für einen sehr plötzlichen Trockenheit- und Hitzetod stehe. Gerade am Tagebaurand seien auch viele Bäume durch Windwurf umgestürzt worden.

Die Wissenschaftler warnen vor einer nachhaltigen Schädigung des Forstes und drängen auf die Einrichtung eben jener thermischen Pufferzone von 500 Metern, auf die es wesentlich ankomme. Die Experten sehen aber auch Perspektiven für den Wald: Eichen würden sich wohl weiter halten. zudem könnten andere Arten wie die Hainbuche die Entwicklung des Forstes weiter prägen.

Grüne sehen Landesregierung gefordert

Monika Düker, Fraktionschefin der Grünen im Düsseldorfer Landtag, sieht die NRW-Landesregierung gefordert: „Wenn der Ministerpräsident seine Bekenntnisse zu Wald und Kohlekompromiss ernst meint, muss er RWE in die Schranken weisen und ein weiteres Vorrücken der Bagger in Richtung Wald verhindern.“ Düker erinnerte daran, dass das Oberverwaltungsgericht Münster in seiner Entscheidung vom 5. Oktober 2018 nicht nur die Rodung vorläufig verboten, sondern jegliche Gefährdung des Hambacher Waldes untersagt habe.

Landesregierung und RWE müssten die Empfehlungen der Greenpeace-Studie umsetzen, forderte Düker. Für den Erhalt des Hambacher Forstes müsse eine dichtbewachsene Schutzzone angelegt und die ehemalige A4-Trasse wieder aufgeforstet werden.

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