Geld

Großaktion gegen Geldschieber - viele Razzien in NRW

Mit einer Großaktion geht die Polizei am Dienstag in mehreren Bundesländern gegen mutmaßliche Geldschieber vor. In Duisburg war die Polizei in Marxloh und in der Altstadt in mehreren Objekten im Einsatz.

Mit einer Großaktion geht die Polizei am Dienstag in mehreren Bundesländern gegen mutmaßliche Geldschieber vor. In Duisburg war die Polizei in Marxloh und in der Altstadt in mehreren Objekten im Einsatz.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Düsseldorf/Duisburg.  Über 200 Millionen Euro sollen Geldschieber illegal transferiert haben. Polizei startet bundesweit Razzien, auch in Duisburg und Düsseldorf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit bundesweit mehreren Hundert Kräften ist die Polizei am Dienstag gegen eine kriminelle Vereinigung mutmaßlicher Geldschieber vorgegangen. Insgesamt 62 Privatwohnungen, Juweliergeschäfte und Metallfirmen sollten durchsucht werden, davon ein Großteil in Nordrhein-Westfalen, teilte das Landeskriminalamt NRW am Morgen mit.

Hintergrund der Ermittlungen, die vom LKA und von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geführt werden, ist das illegale sogenannte Hawala-Banking. Dabei wird mutmaßlich illegal erworbenes Vermögen am legalen Bankensystem vorbei in andere Staaten transferiert, etwa in die Türkei.

Mehrere Durchsuchungen in Duisburg

Durchsuchungen gab es am Morgen unter anderem in Duisburg, wo die Polizei mehrere Juweliergeschäfte im Stadtteil Marxloh an der Weseler Straße durchsuchte. In der der Duisburger Altstadt war die Polizei mit gut drei Dutzend Einsatzkräften aus unter anderem Kriminalpolizei und Einsatzhundertschaften in einem türkischen Juweliergeschäft an der Kühlingsgasse im Einsatz, berichtete ein Augenzeuge. Seit 6 Uhr waren Beamte aktiv, berichtete eine Polizeisprecherin auf Nachfrage.

Bei den Razzien sollen Beweismittel und „Vermögenswerte“ entdeckt und gesichert werden, berichtete das LKA. Die Beamten verschaffen sich zur Not auch mit Gewalt Zugang zu den Objekten, sagte eine Polizeisprecherin. Türen werden aufgebrochen oder Rolläden durchgeschnitten, Fenster würden, wenn nötig, auch zerschlagen.

Auch in Düsseldorf gab es am frühen Morgen Durchsuchungen, bei denen auch Spezialeinsatzkräfte zum Einsatz gekommen sind. Details waren bei der dortigen Polizei jedoch nicht zu erfahren.

Ermittlungen bis nach Berlin und in die Niederlande

Der Schwerpunkt der Durchsuchungen liegt laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung in NRW. Es soll um insgesamt mehr als 200 Millionen Euro illegal transferiertes Geld gehen, berichtete dazu am Dienstag der WDR. Im LKA mochte man sich dazu auf Nachfrage am Dienstagmorgen nicht näher äußern.

Insgesamt wird gegen 2 7 Beschuldigte im Alter von 23 bis 61 Jahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ermittelt, teilte das LKA mit. Der Hauptbeschuldigte soll laut Süddeutscher Zeitung in Duisburg leben.

Durchsuchungen gab es auch in Hessen, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und in den Niederlanden, teilte das LKA mit. Gegen sechs Beschuldigte lagen Haftbefehle vor, „die zum Teil unter Einsatz von Spezialeinsatzkräften der Polizei vollstreckt werden“, berichtete das LKA am Morgen.

Insgesamt 850 Polizei- und Vollzugsbeamte im Einsatz

Bei den Durchsuchungen waren insgesamt 850 Polizei- und Vollzugsbeamte und elf Staatsanwältinnen und -anwälte im Einsatz, hieß es beim LKA. Die Ermittlungen sind so umfangreich, dass dazu beim LKA eine „Task-Force“ aus Polizei, Steuerfahndung und Justiz gebildet worden ist.

Wieviel der Durchsuchungen in NRW sind und in welchen Orten die Polizei tätig ist, mochte man beim LKA am Dienstagmorgen nicht sagen. Die Durchsuchungen laufen seit dem frühen Morgen und würden noch den Tag über weitergehen, sagte ein Sprecher.

Hawala-Banking ist ein System für Geldtransfers, das laut Süddeutscher Zeitung traditionell in muslimischen Ländern angewandt wird. Das System ermöglicht Geldtransfers, ohne dass Bargeld über Landesgrenzen transportiert werden muss. Transaktionen laufen komplett verdeckt, werden elektronisch nicht erfasst und hinterlassen keine Spuren, ist auf der privaten Webseite Cyberfahnder.de zu erfahren.

Wie das Hawala-System funktioniert

Laut Cyberfahnder.de basiert das Hawala-System auf Vertrauen und involvierte Gewährsleute, die Hawaladar genannt werden: „Ich wende mich an meinen örtlichen Hawaladar, übergebe ihm das Geld für einen ausländischen Zahlungsempfänger und nenne ihm womöglich noch ein Kennwort, mit dem sich der Zahlungsempfänger authentifizieren muss. Der Hawaladar nimmt dann den Kontakt zu seinem Gewährsmann im Zielgebiet auf, der entweder direkt oder über einen weiteren Gewährsmann die Auszahlung vornimmt. Die Einnahmen und Ausgaben werden zwischen den beteiligten Hawaladaren verrechnet oder bei Gelegenheit ausgeglichen.“

In Deutschland ist Hawala-Banking verboten, weil bargeldlose Bankgeschäfte nur mit staatlicher Banklizenz erlaubt sind. Verstöße werden mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben