Hambacher Forst

Hambacher Forst: Waldbesetzer kündigen weitere Aktionen an

Foto: David Young

Kerpen.   Der Konflikt um den Hambacher Forst gewinnt im letzten Baumhaus-Dorf noch einmal an Dramatik. Polizei meldet vor allem passiven Widerstand.

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Während die Räumung des letzten bekannten Baumhaus-Dorfes im Hambacher Forst am Freitag fortgesetzt wurde, haben Aktivisten, Initiativen und Umweltverbände weitere Proteste angekündigt. Unter anderem wird die erneute Besetzung des Waldes geplant. Außerdem sollen RWE-Bagger blockiert werden.

Schon an diesem Wochenende werde es einen weiteren Waldspaziergang mit Tausenden Teilnehmern geben. Für den 6. Oktober, an dem auch eine große Demonstration der Umweltverbände angekündigt ist, planen die Initiativen eine „Massenaktion des zivilen Ungehorsam“. An diesem Tag soll ein rotes Band, bestehend aus Hängematten mit Protestierenden darin, geknüpft werden.

Ende Oktober will das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ zudem die Infrastruktur des Tagesbaus Hambach „komplett stilllegen“ und mehrere Bagger besetzen.

Auch am Freitag war die Räumung von heftigen Protesten begleitet. Die befürchtete Gewalteskalation ist nach Angaben der Polizei bisher aber ausgeblieben. „Bei den Räumungen selbst sind die Kolleginnen und Kollegen überwiegend auf passiven und technischen Widerstand gestoßen“, sagte Aachens Polizeichef Dirk Weinspach.

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Volker Huß, sagte: „Was jetzt hier stattfindet, ist ja erst einmal das Vorspiel für die eigentliche Rodung. Das Fanal ist die Rodung.“ In den Baumhäusern gebe es einen harten Kern von Extremisten. Der Start der Rodung könne möglicherweise das Signal sein, dass weitere Kräfte aus der Szene anreisen.

Als parlamentarische Beobachterin war am Freitag die Grünen-Europaabgeordnete Terry Reintke im Hambacher Forst unterwegs. „Deutschland galt in Europa lange als Vorreiter in der Klimapolitik“, sagte sie der NRZ. Nach dem massiven Einsatz der letzten Wochen werde dieser Ruf nun in Frage gestellt. „RWE hat sich mit dem rabiaten Vorgehen keinen Gefallen getan.“

Bislang 66 Hütten geräumt

Noch ist nicht klar, wann das letzte Baumhaus geräumt sein wird. Ursprünglich war die Polizei von bis zu 60 Hütten ausgegangen, Freitagmittag waren aber schon 68 geräumt. Die Zahl der Platzverweise erhöhte sich auf 722; 40 Personen erhielten ein Betretungsverbot.

Sollte der Wald vor Beginn der Rodung für baumhausfrei erklärt werden, dann wäre die Sicherung des Waldes Sache des Energiekonzerns RWE. Der werde mit personellen und technischen Maßnahmen Aktivisten davon abhalten, neue Baumhäuser zu errichten, sagte RWE-Sprecher Guido Steffen: „Wir können eine stärkere Umfeldsicherung machen durch Posten und Streifen. Wenn es Betretungs- oder Besetzungsversuche geben sollte, dann werden wir einschreiten und die Polizei um Hilfe bitten.“

Worum geht es im Konflikt um den Hambacher Forst?

Darum geht es im Streit zwischen RWE und den Umweltschützern.
Worum geht es im Konflikt um den Hambacher Forst?

Am Donnerstag (27.09.2018) mussten 14 Menschen ärztlich behandelt werden. Sie klagten über Atemwegs- und Augenreizungen sowie Brechreiz, so die Polizei. Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte ein Greifer einer Baumaschine beim Abbau einer Baumhütte offenbar einen Behälter mit reizender, bisher unbekannter Flüssigkeit beschädigt. Die Flüssigkeit tropfte auf die Einsatzkräfte.

Am Donnerstagmorgen war eine Umweltaktivistin aus fünf Metern Höhe von einer Leiter gefallen und dann ins Krankenhaus gekommen. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung handelt es sich um eine Tochter des Musikers Leslie Mandoki ("Dschinghis Khan"). Sie zog sich Prellungen und Rippenbrüche zu. (cfs und dpa)

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