Volksläufe

Helmut Buteweg überlebt schweren Sturz - und startet durch

In seiner Altersklasse M70 ist Helmut Buteweg einer der besten Läufer am Niederrhein.

In seiner Altersklasse M70 ist Helmut Buteweg einer der besten Läufer am Niederrhein.

Foto: Lars Fröhlich/ Funke Foto Services

Volksläufe über zehn Kilometer sind für den Mann aus Hamminkeln kein Problem. Der 71-Jährige war bereits auf dem höchsten Berg der Welt.

Es ist ein Bild in seinem Hausflur, das Helmut Buteweg (71) an einen der schönsten Momente in seinem Leben erinnert. Darauf zu sehen ist der Hamminkelner mit zwei Bekannten im Arm – Zigarre rauchend, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Das Foto ist 2014 auf dem Kilimanjaro entstanden“, sagt er stolz. Sein Alter damals: 66 Jahre.

Helmut Buteweg hat in seinem Leben schon vieles erlebt. Er war überall auf der Welt wandern und klettern und wäre einmal beinahe ums Leben gekommen. 22 Jahre ist es her, dass er beim Wandern auf einem Gletscher in eine Spalte abrutschte und siebeneinhalb Meter in die Tiefe stürzte.

Er riss sich den unteren rechten Brustmuskel und hatte Glück, dass ihn seine Freunde noch befreien konnten, obwohl er nicht angeseilt war. „Ich dachte eigentlich, heute sterbe ich“, blickt er zurück. Doch er überlebte und ließ den Schock hinter sich.

Vom Gletscher auf die Rennbahn

Anstatt danach auf das Wandern und Klettern zu verzichten, stieg er bei den Bergsteigern ein. Kurz darauf wurde er pensioniert. Doch die frei gewordene Zeit nutzte er nicht etwa, um sich zu entspannen. Stattdessen ging er ins Fitnessstudio und arbeitete zunächst als Trainer. Als er 55 Jahre alt war, entdeckte er die Liebe zum Laufen. Anfangs lief er in Hamminkeln viel hinterher, denn in der Altersklasse ab 50 gab es noch viele gute Läufer am Niederrhein. Doch dann, rund ein Jahr nach seinen ersten Läufen, schaffte er es erstmals „mehr oder weniger zufällig“ in seiner Altersklasse aufs Podium, erinnert sich der Niederrheiner. Der Einsatz hatte sich ausgezahlt und die nächsten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten.

38 Laufveranstaltungen in einem Jahr

Heute: 15 Jahre später ist er stolz auf das, was er erreicht hat. Buteweg sitzt in seinem Wohnzimmer, legt einen Zettel auf den Tisch. Und fängt an zu lächeln. Auf dem Zettel ist eine Tabelle mit vielen Zahlen zu sehen. Vorne steht das Datum, dahinter die Platzierung, der Ort, die Distanz und die gelaufene Zeit. „Die Läufe bin ich im letzten Jahr gelaufen“, sagt er stolz und zeigt auf die 38 in der unteren Ecke – so viele Wettkämpfe bestritt er 2018. Und das immer mit großem Erfolg in seiner Altersklasse. Bei 24 Läufen wurde er Erster. Einzig in Venlo landete der 71-Jährige in seiner Altersklasse M70 nicht auf dem Podium. Da belegte er Platz 4. „In Venlo hätte ich es auch auf das Podium geschafft“, ist er sich sicher. Doch beim Venloop messen die Veranstalter nur die Brutto-Laufzeit. Wer weiter hinten im Feld startet, verliert am Ende Zeit.

Seine Frau, sagt er, muss ihn manchmal bremsen. Zum Beispiel, wenn er wieder den Urlaub bucht, um eigentlich nur an einem Wettkampf teilnehmen zu können. Wie im vergangenen Jahr. Da ging es für den Niederrheiner nach Nepal. Aber nicht, um Urlaub zu machen. Das Ziel war der Mount Everest. Hoch ging es bis zum Basislager auf eine Höhe von 5380 Metern. Und das mit 70 Jahren. Buteweg ist eben ehrgeizig.

Es wird nie ruhig...

Und deshalb lief er im vergangenen Jahr bei einigen Laufveranstaltungen nicht nur die Distanz über fünf Kilometer, sondern direkt auch noch den Zehn-Kilometer-Lauf – und das an einem Tag. „Das mache ich je nach Form. Aber wenn ich konditionell auf der Höhe bin, werde ich dieses Jahr bei einigen Läufen auch wieder so machen.“ Darüber hinaus hat er aber noch weitere Ziele: „Ich habe in Finnland und Österreich schon einmal Touren mit Huskys gemacht. Das würde ich gerne mal in Alaska machen, das wäre noch ein Traum.“ So richtig ruhig wird es bei Helmut Buteweg wohl auch in der Zukunft nicht werden…

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