Niederrhein

HÖRNSEMA! Die Kultkolumne von Okko Herlyn nun auch als Buch

| Lesedauer: 5 Minuten
Okko Herlyn, seit vielen Jahren regelmäßig auf der Niederrheinseite der NRZ zu lesen.

Okko Herlyn, seit vielen Jahren regelmäßig auf der Niederrheinseite der NRZ zu lesen.

Foto: Marc Albers

Am Niederrhein.  50 Versuche Niederrhein zu verstehen… Die Kultkolumne „Hörnsema“ von Okko Herlyn gibt’s exklusiv auf der Niederrheinseite – und nun als NRZ-Buch.

Kennen Sie das? Sicher kennen Sie das! – Dieses wunderschöne Wort „rumkrosen“ – gibt’s ja nun wirklich nur an einem Ort auf der großen, weiten Welt, dem wir alle, Sie und ich, auf besondere Weise verbunden sind – freiwillig und unfreiwillig: dem Niederrhein. Nichts ist flacher als dieses Land außer vielleicht ein frisch aus der Pfanne gehobener Apfelpfannkuchen – gerne mit Rübenkraut drauf.

Und sicher haben Sie auch einen Onkel Horst in der Verwandtschaft und eine Tante Ruthild – die dann so herrliche Dinge sagen wie „Heut hätt ich ma echt Nerv auf’n lecker Teilchen“ oder „Da saren Se wat.“ Unvergleichlich diese Redseligkeit, Beispiel: „Na, wie isset?“ – „Wie sollet schon sein?“ – „Und sonst?“ – „Muss“. – „Und selbst?“ – „Auch“.

Pfarrer, Kleinkünstler, Niederrheiner

Nun, wer uns nicht kennt, wird dann vielleicht schon mal ein bissken rammdösig… Einer, der immer und immer wieder versucht, uns zu verstehen, ist Okko Herlyn. Theologie-Professor, Kabarettist und einer von uns, obwohl er in Göttingen auf die Welt kam und in Ostfriesland lebte – aber wir am Niederrhein sind tolerant und haben den kantigen Kerl mit der Tendenz zum ironischen-entlarvenden Hingucken lange schon adoptiert – und das liegt nicht nur daran, dass er fast 20 Jahre Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Duisburg-Wanheim war und stetig ausgebuchter literarischer Kleinkünstler ist.

Okko Herlyn schreibt so, wie wir sind – liebevoll und augenblinzelnd, herzlich böse und fröhlich verklärt, schonungslos entlarvend und sympathisch gemein… Seit vielen Jahren schon können Sie seine Kolumnen „Hörnsema“ auf unserer NRZ-Niederrheinseite „Wir am Niederrhein“ lesen.

Die Kultkolumne vom Niederrhein

Nun ist daraus ein Büchlein entstanden „Hörnsema. 50 Versuche, Niederrhein zu verstehen“.

Tach, Herr Herlyn, Versuch macht ja kluch. Sacht man so…

Tja, man sacht am Niederrhein so manches. Vor allem Sachen, die in gar keinem Wörterbuch zu finden sind. Da bleibt einem manchmal gar nichts anderes übrig, als eigene Erklärungen in die Welt zu setzen.

Jaja, man weiset nich. Wann ist Ihnen denn zum ersten Mal aufgefallen, dass wir am Niederrhein so’n bissken sprachmarottig sind?

Da war ich fünfzehn. Wir zogen damals nach Wesel. Ich war sofort verknallt. In die Landschaft mit ihrem verhaltenen Charme, in den Menschenschlag mit seinem oft unfreiwilligen Humor. Nicht zuletzt in die Sprache mit ihren vielen Rätselhaftigkeiten.

Näne?!

Doch, so waret. Und so isset bis heute. Ob an irgendeiner Käsetheke oder in der Heißmangel gegenüber – überall laufen sie mir über den Weg: Tante Ruthild, Onkel Horst, manchmal sogar Fräulein Frielinghaus.

Tante Ruthild und Fräulein Frielinghaus

Nunja, et is wie et is. Jeder hat wohl sone Tante Ruthild in der Verwandtschaft.

Und in der Nachbarschaft, im Ortsverein, beim Bäcker oder im Kirchenchor. Ich kenne Hundebesitzer, die jeden zweiten Satz mit „Hörnsema“ einleiten. Wenn ich mal nach Bochum-Langendreer komme, fehlt mir direkt was.

Worüber haben Sie sich denn am meisten beömmelt?

Vor allem über die geradezu aberwitzige Entstehungsgeschichte von „Schökes“. Da war richtiggehende Forschungsarbeit nötig. Zum Schluss bin ich bei Caterina Valente gelandet. Ein Wahnsinn. Doktorarbeit is nix dagegen.

Was ist denn nun Niederrhein? Eine Landschaft? Eine Gemütsverfassung, eine Philosophie?

Wenn man’s wüsste, wär man schlauer, wie man hier sagt. Ich vermute: alles zusammen. So wie „Endivien untereinander“.

Und nun?

Ich bin selbst gespannt. Ich meine: auf die nächste Folge von „Hörnsema“.

Na denn. Liest sich ja bei uns. An jedem 3. Samstag im Monat. Und im neuen Buch, versteht sich.

Theologe mit Witz und Humor - Zur Person Okko Herlyn

Okko Herlyn, Jahrgang 1946.

Er wurde in Göttingen geboren, „als zweiter Sohn des Pastors Edzard Herlyn und der Buchhändlerin und Schriftstellerin Rotraut Herlyn, geb. Strasser“. Er studierte Evangelische Theologie, war von 1977 bis 1994 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Duisburg-Wanheim; bis 2011 Professor für Ethik, Anthropologie und Theologie an der Ev. Fachhochschule Bochum und seit der Habilitation 1996 Privatdozent für Praktische Theologie an der Ruhruniversität.

Ab Mitte der achtziger Jahre ist er unterwegs als literarischer Kleinkünstler in Kulturzentren, Kleinkunstbühnen, politischen und kirchlichen Szenen. Seit 1996 schreibt er als Kolumnist für die Niederrheinseite der NRZ.

Live zu erleben gibt es Okko Herlyn – wenn alles nach Plan läuft – Sonntag, 19. Dezember, 15 Uhr, gemeinsam mit Heike Kehl und dem Programm: „Ach du liebe Weihnachtszeit“ – eine musikalisch-literarische Revue, mitunter wenig besinnlich. Ort: Christuskirche, Erzbischof-Philipp-Straße, Heinsberg.

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