Landwirtschaft

Hohe Nitratwerte - Gülle belastet Grundwasser am Niederrhein

An Rhein und Ruhr.   Die Qualität des Grundwassers hat sich in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens deutlich verschlechtert. Rund 40 Prozent der Vorkommen sind so stark mit gesundheitsgefährdenden Nitraten belastet, dass dort kein Trinkwasser ohne Aufbereitung gewonnen werden könnte. Vor allem in einigen Kreisen des Münsterlandes und am Niederrhein sind viele Böden durch zu viel Gülle und weitere Dünger überlastet.

Zu viel Dünger macht dem Grundwasser zu schaffen. 40% der Vorkommen in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Düsseldorfer Umweltministeriums bereits so stark mit Nitrat belastet, dass sie nicht oder erst nach teurer Aufbereitung als Trinkwasser verwendet werden können. Auffällig: Am Niederrhein und im Münsterland, wo Bauern besonders viel Vieh halten, immer häufiger auch in riesigen Ställen, wo auch viel Gülle aus den Niederlanden auf den Feldern landet – da sind die Werte besonders schlecht.

Für Minister Johannes Remmel, der gestern einen Nährstoff- sowie einen Nitratbericht vorlegte, liegt der Zusammenhang mit intensiver Landwirtschaft auf der Hand. „Ich halte es für erstrebenswert, dass auf einem landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr Gülle anfällt, als auf eigenen Flächen ausgebracht werden kann“, meinte der Grünen-Politiker. Die Lage beim Grundwasser habe sich in weiten Teilen des Landes in den letzten Jahren sogar noch verschlechtert. Remmel forderte eine neue Düngemittelverordnung, zuständig ist der Bund. Vor allem, so die Forderung aus Düsseldorf, sollten die Länder in besonders belasteten Regionen strengere Dünge-Vorgaben machen dürfen.

Nicht überall ist Gülle schuld

Nitrat gilt als gesundheitsgefährdend (siehe Box). 50 Milligramm sollte der Liter Trinkwasser höchstens enthalten. In Ackerbaugebieten mit Grundwasser nahe der Oberfläche haben die Behörden jetzt Werte von bis zu mehr als 300 Milligramm entdeckt. Werte von 150 Milligramm und mehr gab es u. a. in den Kreisen Wesel, Kleve, Viersen, Mettmann – aber auch im nahezu kompletten Münsterland, in Teilen der Aachener Bucht und Ostwestfalens. Gülle kann nicht überall die Ursache sein. Auch in starken Gemüseanbauregionen (z. B. Rhein-Sieg-Kreis) gab es hohe Werte. Remmels Experten gehen davon aus, dass es dort am Mineraldünger liegen könnte. Das Ministerium will dafür sorgen, dass die Landwirte dabei künftig besser beraten werden.

Ohnehin: Die Bauern haben sich an die gesetzlichen Vorgaben beim Düngen gehalten. Nur im Kreis Kleve wurde mit durchschnittlich 176 Kilo Stickstoff pro Hektar mehr Nährstoff tierischer Herkunft ausgebracht als die Düngeverordnung erlaubt (170 Kilo), was mit an den aus den Niederlanden importierten Champignonsubstraten liegen dürfte. Der Kreis Borken lag knapp unter dem Grenzwert.

Das Düsseldorfer Ministerium sieht das Problem in den Vorgaben. Sie seien zu lax, weil sich die Düngemittelverordnung bislang an den Pflanzen orientiere, aber nicht am Grundwasserschutz. Da müsse es ein Umdenken geben, heißt es im Hause Remmel. Die Experten im Ministerium haben ausgerechnet, landesweit müssten 27 300 Tonnen Stickstoff weniger auf die Äcker ausgebracht werden, um das Wasser im Boden zu entlasten. Am Niederrhein müssten die Einträge je Hektar sogar um mehr als 50 Kilo reduziert werden.

Und was sagen die Landwirte?

Sie sehen die Gülle vom grünen Minister zu Unrecht in Misskredit gebracht. „Gülle und Mist liefern einen wichtigen Beitrag zur Humusversorgung und können energieintensiv hergestellten Mineraldünger gut ersetzen“, heißt es beim Rheinischen Landwirtschaftsverband. Dass es ein Nitrat-Problem im Grundwasser gibt, sieht man dort auch. Striktere Regeln fürs Düngen lehnen die Bauern ab, zeigen sich aber offen für Gespräche und machen Vorschläge.

Einer davon: Das Ministerium solle die neue Technik zum bodennahen Ausbringen der Gülle finanziell fördern (macht Niedersachsen bereits). Das funktioniert durch Schläuche, ist nicht billig, sorgt aber für einen effizienteren Düngereinsatz als das althergebrachte Verspritzen der Gülle und diene so dem Gewässerschutz. Noch einen Vorteil gibt es: Es stinkt nicht so.

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