Extra Drei

Wer rastet, der kostet

Die Autobahnraststätten wandeln sich - vom Ekelpaket zum Event-Gasthaus. Das fühlt sich an wie Luxus-Urlaub. Besonders im Portemonnaie.

Und wieder verabschiedet sich ein Abenteuer aus unserer Welt. Früher musste jeder Urlauber auf dem Weg in die Berge oder ans Meer eine Mutprobe bestehen: Die deutsche Autobahnraststätte. Wer weiß, vielleicht liegt die Urangst vor der Fremde sogar in diesen monströsen Wirtshäusern begründet. Wo sich die sanitären Anlagen an den Sitten des Mittelalters orientierten. Wo man aus altem Paniermehl Brötchen-Attrappen formte, in denen kümmerliche Salami-Scheiben schwitzten. Wo dicke Eintöpfe und dünner Kaffee uns die stumpfe Melancholie im Blick der Fernfahrer verstehen ließen.

Vorbei! Das globale Styling hat die schmuddeligen Wegelagerer erfasst. Fast jede Raststätte spielt nun ein bisschen New York. Hippe Kaffeehaus-Ketten verkaufen Espresso, der eines George Clooneys würdig ist. Fastfood-Giganten bespaßen Kinder mit Burgern an Disney-Figürchen. Intellektuelle bekommen vegane Bagel. Die WC-Anlagen strahlen wie Bäder-Ausstellungen. Ein Besuch kostet 70 Cent. Die fair erstattet werden, wenn man Pappe voll Kaffeeschaum für 4,50 Euro kauft. Die Fruststätte von einst ist so teuer wie ein Erlebnispark. Aber auch so lustig bunt, bequem, perfekt.

Wenn jetzt noch das Mittelmeer gekachelt wird...

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