Gastronomie

Im Gasthof Pannebäcker in Schermbeck gibt’s noch Karbonaden

Gemütlich, die Gaststube im Gasthof Pannebäcker in Schermbeck.

Gemütlich, die Gaststube im Gasthof Pannebäcker in Schermbeck.

Foto: Marc Albers

Wesel-Schermbeck.  Kennen Sie Karbonaden? Lecker. Die Moschürings im Gasthof Pannebäcker in Schermbeck machen sich noch die Arbeit. Typisch Niederrhein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Man muss Geduld haben. Und sich Zeit nehmen. Viel Geduld und viel Zeit. Vor allem muss man immer wieder umrühren und darf das, was da so verführerisch vor sich hin schmörkelt, nicht aus den Augen lassen. „Das Leckerste“, sagt Karin Moschüring mit einem Augenblinzeln, „das Leckerste ist dann die Soße.“

Im Gasthof Pannebäcker im Weselerwald findet man immer zu Beginn eines Jahres etwas Eigenartiges auf der Speisenkarte: „Karbenökes“. Übersetzt: Karbonaden. Nochmal übersetzt, in etwa: Geschmorte dicke Rippe, scharf angebraten, mit viel Zwiebeln und Gewürzen verfeinert und stundenlang schmurgelig auf dem Ofen lassen…

So viel Arbeit macht sich heute kaum noch jemand in der Küche

So viel Arbeit macht sich heute kaum noch jemand in der Küche – im Gasthof Pannebäcker gibt es das alte und einfache Gericht zum satt essen mit Rotkohl und Kartöffelkes und viel Soße immer dienstags ab 18 Uhr -- im den Monaten Januar, Februar und März. Rechtzeitig reservieren ist ratsam...

Gut bürgerlich ist die Küche im Gasthof Pannebäcker. „Wenn die Gäste sagen, es hat geschmeckt wie bei Oma – dann haben wir alles richtig gemacht“, sagt Karin Moschüring. Jürgen Moschüring ist gelernter Koch – da wird immer wieder einmal etwas Neues ausprobiert – aber wichtig ist den Moschürings, dass ehrliche, regionale Gerichte auf die Teller gezaubert werden. Mal geht es deftig her: gebratene Blutwurst mit Bratkartoffeln und Salat. Die Traditionalisten kommen auf ihre Kosten mit geschmortem Tafelspitz oder Panhas mit Rübenkraut.

Und jetzt ist natürlich Zeit für Wild. Hirschragout aus dem Dämmerwald mit gefüllter Rotweinbirne –Butterspätzle & Apfelrotkohl etwa. Oder Rote Beete Carpaccio und Wildschweinbraten. Alles handgemacht, versteht sich.

Achten Sie mal auf die Kartoffeln – die hat vermutlich Oma Hermine Moschüring geschält – ganz akkurat, gleichmäßig und rund – die Dame ist 84 Jahre alt und nach wie vor im Einsatz. „Andere Frauen stricken vor dem Fernseher, ich schäle kiloweise Kartoffeln“, sagt sie und guckt ganz schön verschmitzt.

Wenn man Gans gerne isst, sind „Pannebäckers ganze Gänse“ ein echter Tipp – die sind in der Nachbarschaft bei Bauer Schäfer in Dingden aufgewachsen – artgerecht, freilaufend, mit Weiden- und Wiesengang. „Für uns war es immer selbstverständlich, auf regionale Produkte zurückzugreifen“, so Karin Moschüring. Eier und Gemüse von den Bauern nebenan, das Wild aus den Wäldern vor der Haustüre. Das Brot wird auch selbst gebacken, das Gänseschmalz hat seinen Ursprung in einem alten Familienrezept.

Oma Hermine backt den Kuchen

Oma Hermine hat da noch eine ganze Menge in petto – ihr eigentliches Reich aber ist nach wie vor die Backstube. Man kann das ganze Jahr hindurch nachmittags nämlich auch Kuchen genießen – beliebt ist Hermines Bratapfeltorte – zugegeben, nichts für Kalorienzähler...

Zwei Besonderheiten gehören unbedingt erwähnt. Erstens: In der Brunftzeit der Hirsche im Dämmerwald kann man das Röhren der Hirsche von der Terrasse aus gut verfolgen. Sehr beeindruckend. Zweitens: Der Gasthof Pannebäcker liegt wunderbar ländlich am Waldrand – und das Internet funktioniert in aller Regel – nicht. Deshalb ist es ratsam für Reservierungen und/oder Anfragen das Telefon zu benutzen. Das ist ja ohnehin geselliger.

Rezept: Pannebäckers Gänseschmalz:

Die Zutaten:
– 2 klein gewürfelte Äpfel (vorzugsweise Boskop)
– ½ klein gewürfelte Metzgerzwiebel (große
Zwiebel)
– 100 g Gänsefett
– 50 g Schweineschmalz
– 50 g Butter
– kleiner Bund gehackte Petersilie
– Salz & Pfeffer

Die Zubereitung:
– Äpfel und Zwiebel fein reiben und zusammen mit der Butter goldgelb in einem Topf andünsten.
– Gänsefett & Schweineschmalz dazu geben und auf niedriger Flamme schmelzen lassen.
– Alles gut verrühren, die gehackte Petersilie hinzufügen und mit Salz und Pfeffer würzen.
– Zum Schluss das Schmalz in ein hitzebeständiges Gefäß umfüllen und kaltstellen.

In der Kühlung wird es fest und hält sich wochenlang.
– TIPP: Das Gänseschmalz dünn auf frischem Landbrot genießen oder bei uns auf unserem hausgebackenen Schwarzbrot!

Mehr Infos zum Gasthof Pannebäcker gibt es hier

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben