Solidaritätspreis

Jugendliche engagieren sich in Moers bei „Balu und Du“

Durch das Mentorenprogramm „Balu und Du“ haben sich der neunjährige Lenny (Pullover mit Sternen) und der 18-jährigen Erik (rechts) angefreundet.

Durch das Mentorenprogramm „Balu und Du“ haben sich der neunjährige Lenny (Pullover mit Sternen) und der 18-jährigen Erik (rechts) angefreundet.

Foto: Lars Heidrich

Moers.   Erik und Lenny führen eine Freundschaft wie aus dem Dschungelbuch – als ehrenamtlicher Balu ist Erik seinem Mogli Lenny ein bärenstarker Freund.

Freudestrahlend rennt der kleine Lenny auf seinen großen Freund zu. „Ich habe neue Lego-Figuren“, ruft er aufgeregt und zeigt sein neuestes Spielzeug. „Cool“, sagt Erik und lächelt. Den Neun- und 18-Jährigen verbindet eine Freundschaft wie aus dem Dschungelbuch – der eine ist Mogli, der andere Balu. Und zusammen erleben sie kleine Abenteuer im Alltag.

„Balu und Du“ heißt das bundesweite Mentorenprogramm, das Grundschüler wie Lenny mit Jugendlichen wie Erik Hasselbrink zusammenführt. Die Idee dahinter erklärt Monika Höfer vom gemeinnützigen Träger SCI:Moers: „Bei uns können sich Eltern, Lehrer oder Schulsozialarbeiter melden, die sich Sorgen um ein Grundschulkind machen.“ Dabei gehe es allerdings nicht darum, dass die Eltern nicht in der Lage seien, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. „Manchmal ist ein Kind einfach sehr schüchtern, in der Familie gibt’s ein neues Baby oder es fehlen Deutschkenntnisse“, sagt sie. In solchen Fällen sucht Höfer zum jeweiligen Mogli einen passenden Balu, der nach ihrer Aussage „keine Konkurrenz zu den Eltern“ darstelle. „Er ist ein großer Freund fürs Kind und kann ein gutes Vorbild sein“, betont sie. Und als solcher trifft sich der Balu ehrenamtlich ein Jahr lang einmal die Woche mit seinem Mogli und hat dabei selbst ziemlich viel Spaß.

Ein bärenstarkes Vorbild

Die gute Laune ist auch Erik deutlich anzumerken, wenn er mit Lenny die neuen Lego-Figuren bestaunt oder Fußball spielt. „Das ist eine sehr ehrliche Arbeit“, findet Erik, der bereits seit Jahren ehrenamtlich in der Kirche tätig ist. „Man kann den Erfolg direkt am Kind sehen.“ Denn neben Spiel und Spaß geht’s ganz nebenbei auch ums Lernen fürs Leben. So treffen sich die beiden schon mal in der Küche, um zu backen oder zu kochen. „Und letztens habe ich versucht, Lenny das Planetensystem zu erklären“, erzählt Erik. „Da geht’s aber vor allem um das spielerische Lernen, das einfach greifbarer als in der Schule sein soll.“ Der klare Vorteil ist dabei aus seiner Sicht das Alter: „Ich bin viel näher dran und weiß, wie man als Kind lernt.“

Doch auch die Großen lernen von den Kleinen, das betont zumindest ein anderer Balu. Lena Reips ist 16 Jahre alt, hat über das Projekt erstmals zum Ehrenamt gefunden und sagt selbst: „Ich kann viel aus den Treffen für mich selbst mitnehmen.“ Seit einigen Monaten trifft sie sich mit Lara und dass die beiden zusammengehören, stellt die Neunjährige auch ganz schnell klar. Voller Inbrunst umarmt sie ihre große Freundin und erzählt von den schönen Momenten, die sie bereits zusammen erlebt haben: „Schlittschuhlaufen, Inlinern, Basteln, Flohmarkt und Karneval.“ Lena lacht, dann erklärt sie: „Man ist quasi gezwungen, etwas zu unternehmen.“ Zehn Euro erhalten die Balus jeden Monat, um Eintrittskarten oder Bustickets kaufen zu können. Versichert sind die Gespanne ebenfalls, selbst wenn sie sich über die einjährige Patenschaft hinaus treffen möchten.

Gemeinsam die Welt entdecken

An Ideen für gemeinsame Aktionen mangelt es auch dem dritten Balu in der Runde nicht. Eigentlich wollte Lisa Schiller ehrenamtlich im Tierheim arbeiten, doch mit ihren 17 Jahren war sie dazu noch zu jung. Also entschied sie sich stattdessen für das Projekt „Balu und Du“ und lernte den zehnjährigen Maik kennen. Mit ihm hat sie bereits Spiele gespielt, Bücher gelesen oder eine Insektenausstellung besucht. „Es macht Spaß zu sehen, wie er Spaß hat“, sagt Lisa. Und was steht als nächstes an? „Am Wochenende wollen wir vielleicht ins Kino.“

Bei dem Stichwort werden schnell andere Moglis hellhörig. „Leni, wir waren noch nie im Kino“, ruft Lara. Kurzerhand entscheiden sie, sich alle zusammen den Film anzusehen. Oder vielleicht doch lieber in den Zoo? Egal, Hauptsache sie unternehmen etwas zusammen. Denn wenn es um seinen Balu geht, dann gilt wahrscheinlich nicht nur für den kleinen Lenny: „Der ist mein bester Freund.“

>>> Solidaritätspreis von NRZ und Freddy-Fischer-Stiftung

Der diesjährige Solidaritätspreis steht unter dem Motto „Jung, engagiert, hilfreich!“. Er richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter bis zu 25 Jahren, die sich für andere ehrenamtlich engagieren. Interessierte können sich selbst bewerben oder vorgeschlagen werden.

Der Preis ist mit insgesamt 7000 Euro dotiert. Bewerbungsende ist der 15. April 2019, anschließend wird eine Jury über die Bewerbungen beraten und die Preisträger auswählen. Die Preisübergabe soll im Juni stattfinden.

Bis zum 15. April können Vorschläge eingereicht werden per E-Mail mit dem Betreff „Solidaritätspreis“ an seitedrei@nrz.de oder auch per Post an die Freddy-Fischer-Stiftung, Severinstraße 20, 45127 Essen.

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