Zölibat

Katholischer Priester aus Xanten gibt aus Liebe sein Amt auf

Pater Jeremias Michael Kehren verlässt Xanten – aus Liebe.

Pater Jeremias Michael Kehren verlässt Xanten – aus Liebe.

Foto: Archivfoto: Fischer, Armin

Xanten.  In einem offenen Brief erklärt Pater Jeremias, dass er Xanten verlässt. Er hat sich für die Liebe und gegen sein Priesteramt entschieden.

Pater Jeremias Michael Kehren ist verliebt. Das schreibt der 30-Jährige selbst in einem offenen Brief und gibt damit die Erklärung, auf die sicher viele Mitglieder der Propsteigemeinde gewartet haben. Denn bereits seit einiger Zeit ist er nicht mehr in Xanten und Marienbaum zu sehen, wo er zuvor zwei Jahre lang als Seelsorger tätig gewesen war.

„Als katholischer Priester ist es mir nicht möglich, eine persönliche Beziehung zu führen“, erklärt Pater Jeremias in dem Brief. „Das habe ich auch gewusst, als ich mich in jungen Jahren für diesen Weg entschieden habe.“

Die Liebe hat das Leben von Pater Jeremias verändert

Doch dann kommt das große Aber: „Der Mensch denkt und Gott lenkt – und so habe ich vor einiger Zeit einen ganz besonderen Menschen kennengelernt, der mein Leben verändert hat. Um es kurz zu machen: Ich habe mich verliebt und bin eine Beziehung eingegangen.“

Pater Jeremias habe in „intensiven Gesprächen und geistlicher Begleitung“ seinen Entschluss geprüft. Auch wenn ihm die Entscheidung nicht leichtgefallen sei, so habe es sich schließlich doch dazu entschlossen, „ein neues Kapitel in meinem Lebensbuch aufzuschlagen und in einer Beziehung ein neues Leben zu beginnen – und das mit aller Konsequenz.“

Die Propsteigemeinde respektiert die Entscheidung

In einer ebenfalls öffentlichen Stellungnahme schreibt Kaplan Christoph Potowski: „Wir haben größten Respekt und Hochachtung vor seiner Entscheidung.“ Leider sei eine persönliche Verabschiedung so schnell nicht mehr möglich gewesen. „Wir sind aber mit Pater Jeremias im Gespräch darüber, wie sich dies künftig gestalten lässt.“

Auf Nachfrage der Redaktion erklärt Christoph Potowski, dass er sich mit Pater Jeremias seit längerer Zeit in einem Beratungs- und Besprechungsprozess befunden habe. Am vergangenen Mittwoch habe Pater Jeremias ihm dann seine Entscheidung mitgeteilt, am Freitag habe ihn Abt Albert Dölken aus dem Kloster Hamborn von seinem Amt entpflichtet.

Das Zölibat stellt Menschen auf den Prüfstand

„Ich bin sehr traurig darüber, weil Pater Jeremias ein super Seelsorger war“, betont Christoph Potowski. Allerdings sei es auch nicht das erste Mal, dass er diese Situation erlebe. „Ohne eine Statistik anführen zu können, ist die Liebe einer der Hauptgründe für das Aufgeben des Priesteramtes.“

Das Zölibat kritisiert Christoph Potowski zwar nicht, für ihn steht allerdings fest: „Das ist ein Lebensentwurf, der Menschen auf den Prüfstand stellt.“ Für ihn sei es die richtige Lebensform. Wenn sich dagegen jemand wie Pater Jeremias gegen das Zölibat stelle, dann verdiene das ebenfalls Hochachtung.

Die Propsteigemeinde muss erst einmal auf Ersatz warten

Für Pater Jeremias beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. „Er ist aber beruflich abgesichert“, sagt Christoph Potowski. Weitere Informationen sollten jedoch zu dessen Schutz nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Für die Propsteigemeinde gehe es erst einmal ohne Ersatz für Pater Jeremias weiter. „Wir besprechen aber mit dem Bistum Münster, ob ein anderer Priester oder Pater kommen wird“, so Christoph Potowski.

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