Kindeswohl

Kinderschutzbund Essen:1000 Kinder in Not brauchten Hilfe

In den beiden Essener Notaufnahmen fanden im vergangenen Jahr 59 Kinder Schutz. 258 mussten abgelehnt werden.

Foto: Jan Dinter

In den beiden Essener Notaufnahmen fanden im vergangenen Jahr 59 Kinder Schutz. 258 mussten abgelehnt werden. Foto: Jan Dinter

Essen.   Der Kinderschutzbund legt seine Bilanz für 2017 vor. 59 Ein- bis 15-Jährige fanden Schutz in den beiden Essener Notaufnahmen, die durchweg voll belegt sind.

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Gesund und beschützt groß zu werden ist kein Kinderspiel: In einer Stadt, in der ein Drittel des Nachwuchses in relativer Armut aufwächst, der Anteil verzweifelter Alleinerziehender groß ist und die Versorgung mit Ärzten als auch das Angebot an Vorsorgeterminen ausgerechnet in den so problematischen wie kinderreichen Stadtteilen am meisten zu wünschen übrig lassen, gerät das Kindeswohl allzu oft in Gefahr.

1000 Mädchen und Jungen in Not benötigten deshalb im vergangenen Jahr die Unterstützung des Essener Kinderschutzbundes. Die Hilfen reichten von Beratungen der Eltern bis hin zu Aufnahmen in Schutzhäusern, die nach wie vor dauerbelegt sind. Trotz einer zweiten Notaufnahme stoßen die Einrichtungen des Vereins an ihre Kapazitätsgrenzen. Und trotz aller vorbeugenden Angebote des Kinderschutzbundes und anderer Institutionen landeten 59 Kinder in den beiden „Spatzennestern“.

Trotz akuter Not keine Schutzplätze in Essen gefunden

Ein Drittel der Kleinen, die in Obhut genommen werden mussten, waren jünger als drei Jahre, rund die Hälfte von ihnen nicht älter als sechs Jahre. „Die Brutalität gegenüber immer jüngeren Kindern nimmt zu“, sagt Ulrich Spie, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Essen, der „eine erschreckend hohe Zahl“ nennt: 258 Anfragen auf Unterbringung seien in 2017 allerdings nicht möglich gewesen, weil die Plätze in Essen schlicht und einfach fehlten – nicht selten blockiert durch Schützlinge, die in den Häusern bis zu einem halben Jahr untergebracht sind, weil die behördlichen Verfahren sich in die Länge, bis ein Richter über die Zukunft eines Kindes entscheidet. 96 Babys und Kleinkindern im Alter von bis zu drei Jahren konnten keine Schutzplätze in dieser Stadt angeboten werden – trotz einer akuten Notsituation.

460 Mal wurden Auffälligkeiten bei Kindern festgestellt

Auch im Kinderschutz-Zentrum und in der Erziehungsberatungsstelle pendelten sich die Fallzahlen auf ähnlich hohem Niveau wie in den Vorjahren ein: 979 Beratungen und weitergehende Hilfen für Familien mit Kindern waren notwendig.

In 833 Fällen benötigten die Eltern Unterstützung, weil sie nicht mehr weiter wussten. 460 Mal wurden Auffälligkeiten bei der Entwicklung oder im sozialen Verhalten des Kindes festgestellt. 146 Kindeswohlgefährdungen – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr – wurden aufgedeckt, nachdem sich Mitarbeiter der Essener Jugendhilfe an das Kinderschutz-Zentrum gewandt haben, um abzuklären, wie die betroffenen Kinder am besten zu schützen sind. In 54 dieser Fälle wurden Anzeichen für Vernachlässigung diagnostiziert, 34 sexuelle Missbräuche standen im Raum. 57 Mal gab es den Verdacht einer körperlichen oder psychischen Misshandlung.

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