NRZ-Serie „Mein Fußabdruck“

Klimafreundlich pendeln: So klappt der Umstieg aufs Fahrrad

NRZ-Volontärin Friederike Bach macht den Selbsttest und fährt statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zur Arbeit. Nach sechs Kilometern und 25 Minuten Fahrtzeit erreicht sie die Funke-Firmenzentrale in der Essener Innenstadt.

NRZ-Volontärin Friederike Bach macht den Selbsttest und fährt statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zur Arbeit. Nach sechs Kilometern und 25 Minuten Fahrtzeit erreicht sie die Funke-Firmenzentrale in der Essener Innenstadt.

Foto: Julia Tillmann

Essen.   Das Fahrrad als umweltbewusste Alternative: Bei diesen alltäglichen Wegen kann man das Auto gut stehen lassen und spart dabei Zeit, Geld und Co2.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Am Abend vor meinem ersten Arbeitsweg auf zwei Rädern sitze ich auf dem kalten Kellerfußboden neben meinem Fahrrad und pumpe erstmal die platten Reifen auf. Seit Jahren habe ich mich nicht mehr in den Sattel geschwungen. Morgen früh will ich sechs Kilometer weit zur Arbeit fahren. Für mich ist das viel, sozusagen von Null auf Hundert. Für mein Tempo wird das morgen allerdings kaum gelten.

Im Kopf überschlage ich, wie lange ich wohl für sechs Kilometer brauche und frage mich, ob ich danach noch arbeitsfähig bin oder erstmal eine Dusche brauche. Dennoch will ich den Versuch wagen. Warum?

Jeden Morgen fahre ich vom Essener Norden aus in die Innenstadt zur Funke-Firmenzentrale. Mit dem Auto. Etwa zwanzig Minuten lang kämpfe ich mich durch den Stau in Bergeborbeck, Altendorf und auf der Bottroper Straße. Einen großen Teil des Weges bewältige ich nur in Schrittgeschwindigkeit, gefühlt sind grundsätzlich alle Ampeln rot und wenn ich in der Redaktion ankomme, ist meine Stimmung oft im Keller und mein Stresslevel auf Rekordniveau.

Bus und Bahn sind für mich keine Alternative

Außerdem quält mich das schlechte Gewissen: Immerhin trage ich mit der Wahl meines Transportmittels nicht unwesentlich zur schlechten Luft auf einer der Hauptverkehrsachsen im Ruhrgebiet bei. Klimafreundlich ist mein Weg zur Arbeit bislang wirklich nicht.

Bus und Bahn sind für mich im Alltag leider keine Alternative, obwohl ich keine fünf Minuten vom nächsten Bahnhof entfernt wohne und dem Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den letzten Jahren immer wieder eine Chance gegeben habe. Das Problem: Die S-Bahn, die an „meinem“ Bahnhof hält, kommt nur alle zwanzig Minuten – wenn sie denn kommt. Oft fällt sie aus oder hat Verspätung. Will ich also wirklich pünktlich sein, dann muss ich eine Bahn früher nehmen. Konkret bedeutet das zwanzig Minuten Zeitverzögerung. In Kombination mit den Kosten für ein Monatsticket, die etwa genauso hoch sind wie meine monatlichen Kosten für das Auto, scheidet Bahnfahren als Alternative im Alltag für mich aus.

Der perfekte Weg für den Umstieg auf’s Rad

Doch wie sieht es mit dem Fahrrad aus? Am nächsten Morgen um neun Uhr steige ich nicht wie sonst ins Auto, sondern setze meinen Helm auf und schwinge mich in den Sattel. Los geht’s. Knapp 300 Meter von meiner Wohnung entfernt kann ich auf den sogenannten „Radschnellweg“ fahren, eine Fahrrad-Trasse, die entlang der Bahnstrecke vom Essener Norden bis in die Innenstadt führt – seit kurzem bis vor die Haustür der neuen Funke-Zentrale. Sechs Kilometer weit kann ich also ausschließlich auf einem Rad- und Fußweg fahren.

Besser geeignet für den Umstieg auf’s Fahrrad kann ein Arbeitsweg eigentlich gar nicht sein. Warum bin ich nicht schon viel früher darauf gekommen? Ein kleiner Trost für mein Gewissen: Ich bin anscheinend nicht die Einzige, die bisher lieber ins Auto gestiegen ist als auf’s Rad. So richtig herumgesprochen hat sich die alternative Strecke über den Radschnellweg zumindest bei den Berufspendlern wohl noch nicht. Außer mir ist trotz des guten Wetters kaum jemand unterwegs, nur ab und zu überholt mich der ein oder andere trainierte Radler.

Kein Wunder, denn ich bin wirklich ziemlich langsam unterwegs. Beim einzigen kleinen Anstieg auf der ganzen Strecke muss ich sogar absteigen und schieben. Trotzdem fühlt es sich gut an, mit Bewegung und ganz ohne Stau und Stress in den Tag zu starten. Meine Stimmung steigt noch weiter, als ich über eine Brücke im Stadtteil Altendorf fahre, die direkt über die Straße führt, auf der ich sonst so oft im Stau stehe. Ich halte für einen Moment an und schaue hinab auf das Verkehrschaos, dem ich heute auf zwei Rädern entgehe. Ganz klar, von hier oben aus betrachtet, fühlt sich alles deutlich entspannter an.

Fazit: Das Fahrrad ist eine gute Alternative zum Auto

Gemütlich fahre ich weiter und erreiche die Funke-Zentrale um 9.25 Uhr. Ich kann kaum glauben, wie schnell das ging. Ich habe genauso lange gebraucht wie sonst für die Fahrt mit dem Auto und den Fußweg vom Parkplatz zur Redaktion. Wäre ich etwas fitter, dann wäre ich mit dem Rad vermutlich sogar schneller am Ziel als mit dem Auto. Hinzu kommt, dass ich heute mit deutlich besserer Laune in meinen Arbeitstag starte. Noch nicht einmal die Tatsache, dass ich heute Abend die sechs Kilometer auch wieder zurück radeln muss, trübt meine Stimmung.

Im Kopf gehe ich die typischen Wege in meinem Alltag durch: Zum Einkaufen, unterwegs zu Freunden, zum Shoppen in die Stadt... Mir fallen auf Anhieb gleich mehrere Gelegenheiten ein, bei denen ich ebenfalls gut auf’s Rad umsteigen könnte. Ich nehme mir fest vor, das in Zukunft auch zu tun. Aber ich muss auch ehrlich zu mir selbst sein: Ich glaube nicht, dass ich mich vor der Arbeit zu sechs Kilometern Radtour überwinden kann, wenn es in Strömen regnet oder bitterkalt ist.

Trotzdem: Wenn ich es schaffe, zumindest jeden zweiten Tag auf das Auto zu verzichten, dann könnte ich meinen Co2-Ausstoß beim Pendeln halbieren. Bedenkt man, wieviel Schadstoffe ein durchschnittliches Auto auf sechs Kilometern Fahrtweg in die Luft pustet, dann wäre das schon jede Menge wert! Und wer weiß, vielleicht sitze ich bald so fest im Sattel, dass mich auch Regenwetter und Kälte nicht mehr stören. Besser für das Klima wäre es!

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