Friedhofskonzept

Kompakte Friedhöfe sollen Kosten sparen

Friedhof Speldorf

Friedhof Speldorf

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Unter dem Konkurrenzdruck im Bestattungswesen bietet die Stadt kleinere Grabflächen an. Zahl der Beerdigungen auf städtischen Friedhöfen sinkt.

In der Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Nach wie vor gibt es klare Regeln im Umgang mit toten Menschen. Wer aber wie und wo bestattet werden kann, dafür ist das Feld heute (fast) grenzenlos. Mit der Liberalisierung dieses Marktes ist der Tod zu einem guten Geschäft geworden. Entsprechend viele Unternehmen konkurrieren auf diesem Sektor. Städte und Gemeinden haben dabei oft das Nachsehen und müssen deshalb darüber nachdenken, wie sie ihren Einwohnern bessere Angebote machen.

Dazu liegt in der städtischen Friedhofsverwaltung jetzt ein Konzept vor, das zahlreiche Möglichkeiten aufzeigt, Angehörigen wohnortnahe Grabstellen zu vermitteln, deren Pflegekosten zu senken und die Gebühren möglichst lange stabil zu halten. Der Plan zeigt dazu verschiedene Chancen auf. Welche die Stadt nutzt, wird in den kommenden Jahrzehnten ein fortlaufender Prozess an Entscheidungen und Projekten sein. Das Ergebnis werden viele nicht mehr erleben.

Von 2000 Verstorbenen im Jahr auf 1500 gesunken

„Die Zahlen bei den Beerdigungen auf unseren acht städtischen Friedhöfen gehen zurück. Von den mehr als 2000 Verstorbenen im Jahr werden immer weniger auf den städtischen Friedhöfen bestattet. Ihre Zahl ist auf rund 1500 gesunken“, beschreibt Sylvia Waage. „Daher müssen wir jetzt überlegen, wie wir zukünftig mit den frei werdenden Flächen umgehen“, fügt die Leiterin des Amtes für Grünflächenmanagement und Friedhofwesen hinzu. Einschneidende Veränderungen werde es in naher Zukunft allerdings nicht geben.

„Wir haben auf allen Friedhöfen noch Belegungszeiten von mindestens 25 Jahren. Daher sind Veränderungen nur in Absprache mit den Angehörigen möglich“, erläutert Rainer Stobbe. „Natürlich können Lebenspartner noch neben ihren verstorbenen Frauen oder Männern beerdigt werden“, sagt der Leiter der Friedhofsverwaltung. Die Kinder könnten jedoch nicht mehr die gleiche Grabstelle nutzen. „Wir bieten dazu allen eine Beratung an. Wir finden eine gute Lösung.“

Hauptfriedhof reicht für alle

Fest steht: Alle Mülheimer könnten auf dem Hauptfriedhof ihre letzte Ruhe finden. Dort hat die Stadt ausreichend Flächen in der Reserve. „Wir wollen aber keinen städtischen Zentralfriedhof“, stellt Sylvia Waage klar. Die Angehörigen seien oft nicht gut zu Fuß, weshalb die städtischen Friedhöfe wohnortnah in den Stadtteilen bestehen bleiben sollen.

Gleichzeitig brechen der Stadt auf ihren acht Friedhöfen seit Jahren die Einnahmen weg, weil sich Angehörige für Bestattungen auf privaten Friedhöfen oder in Kolumbarien (Urnenhäuser) von Beerdigungsunternehmen entscheiden. Weil aber die Pflege der Flächen und Wege auf den Friedhöfen in den nächsten Jahren nicht weniger werden kann, weil die Gräber über das gesamte Areal verteilt liegen, müssen die Kosten auf alle Grab-Belegungsgebühren umgelegt werden. „Erst wenn alle Gräber auf einem Feld abgelaufen sind, können wir entscheiden, ob wir die Wiese dort seltener mähen“, beschreibt Rainer Stobbe. Schon heute gäbe es große Freiflächen mit wenigen Gräbern oder nur noch einem Grab als Insel. „Die Wege dorthin müssen wir dennoch begehbar halten.“

Stadt muss ausreichend Bestattungsflächen vorhalten

Die Kommune muss als Daseinsvorsorge Bestattungsflächen in ausreichender Größe verfügbar halten. Private Beerdigungsfirmen brauchen das nicht. Auch Friedhofsgärtner spüren die Veränderungen. Die Flächen, die sie für Angehörige pflegen, werden kleiner – nicht nur wegen zunehmender Urnenbestattungen. Nach einer Bestandsaufnahme aller Friedhöfe werden Stobbe und seine Kollegen nun Vorschläge erarbeiten, wie die städtischen Friedhöfe nach 2039 aussehen könnten. Das Friedhofskonzept, das Dr. Martin Venne vom Fachbüro „Plan-Rat“ in Kassel mit der Stadt erstellt hat, zeigt Möglichkeiten und Vorgehensweisen auf. Ob sie zu Mülheim passen, werden Bezirksvertreter und Ratsmitglieder entscheiden.

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