Kultur in Duisburg

Kulturlinie 1

Mitten in Marxloh.

Mitten in Marxloh.

Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg.   Mit der Straßenbahnlinie 901 führt Klaus Brüggenwerth Touristen und Einheimische ab heute wieder durch Duisburg – vom Rathaus über Ruhrort bis nach Marxloh.

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Altes und Neues, deutsche und türkische Kultur, übers Wasser und unter die Erde, zu Fuß und mit der Bahn – wie ein roter Faden schlängelt sich die Kulturlinie 901 durch Duisburg. „Mit einem Bus kann man so etwas nicht erleben“, sagt Klaus Brüggenwerth. Dann schaut er aus den großen Fenstern der Straßenbahn, die gerade gemütlich über die Ruhrbrücke ruckelt. Seit drei Jahren führt der 66-jährige Stadtführer Touristen und Einheimische mit der Linie 901 durch Duisburg – vom Rathaus über Ruhrort bis nach Marxloh.

Los geht’s am Mercator-Brunnen vor dem Rathaus. „Jahreszahlen werden Sie bei mir nicht hören – also kaum“, sagt der Neudorfer. Natürlich weiß er, dass das Rathaus 1902 fertig gestellt wurde, die Salvatorkirche aus dem 15. Jahrhundert stammt und der Burgplatz bereits ein mittelalterlicher Handelsplatz war. „Klar, ein wenig Stadtgeschichte gehört auch dazu.“ Und dann geht’s hinab – zur U-Bahn-Haltestelle „Rathaus“.

Sehenswerte Seiten der Stadt

Riesige, dreifarbige Wandgemälde mit versteckten Motiven, wie dem Rheinverlauf, einem Flügel der Nana aus dem Lifesaver-Brunnen oder Schiffe im Hafenbecken, zieren die Haltestelle. „Das ist Kunst von Manfred Vogel“, erklärt der Stadtführer. Kurz darauf rollt die 901 in Richtung Obermarxloh auch schon ein – und weiter geht’s auf Schienen durch die Stadt.

Wer mit Klaus Brüggenwerth unterwegs ist, sieht Orte, die einem nicht als erstes in den Sinn kommen, wenn man an die sehenswerten Seiten Duisburgs denkt. Und gerade deshalb ist die Kulturlinie 901 irgendwie auch Kult. Sie führt durch verschiedene Stadtteile, Kulturen und zu unterschiedlicher Kunst. Unterwegs sind die Teilnehmer dabei „im ganz normalen Alltagsverkehr der Straßenbahn. Nicht im Sonderzug oder so. Das ist schon außergewöhnlich, denn die Teilnehmer müssen sich irgendwo zwischen den anderen Fahrgästen platzieren“, sagt Klaus Brüggenwerth.

Vorbild für seine Tour durch Duisburg ist die Kulturlinie 107 in Essen. „Ich dachte, dass man so etwas auch in Duisburg machen kann. Die Bahn ist der rote Faden und ich nehme die Leute an die Hand und zeige ihnen Seiten von Duisburg“ – jenseits der Innenstadt. Leuten, die sowohl von Außerhalb kommen, aber auch aus der Stadt sind. Denn auch darum geht es ihm: „Die Duisburger anzuregen, auch mal woanders hinzugehen. Alleine tun sie das ja nicht unbedingt, vielleicht, weil sie nicht sicher sind, ob sie in Ruhrort oder Marxloh auch einen Kaffee trinken können...“, scherzt Brüggenwerth.

Die Bahn rattert über Hafenbecken und Ruhr auf den Schienen. Erster Halt: das Tausendfensterhaus. Ab hier geht’s erst mal zu Fuß weiter – durch den Hafenstadtteil, vorbei an der „Felicitas Publica“, die Glück, Segen und Wohlstand für das Gemeinwohl über Ruhrort ausgießt, zur Filmsäule am Gildeplatz, weiter zum Haniel-Museum, zur Schifferbörse – wo der Zusammenfluss von Rhein und Ruhr, alte Schiffe und neue Guerilla-Strickkunst bestaunt werden können – durch hübsche, schmale Gassen, vorbei an historischen Gebäuden und Bäumgärtelschen Bananen-Fassaden, und wieder hin zur Straßenbahn, die sich hier durch die engen Straßen windet. In Richtung Marxloh.

Vorbei an der König-Brauerei in Beeck, der Hochofen-Kulisse bei Bruckhausen und entlang des Firmengeländes von Thyssen-Krupp-Steel ruckelt die Bahn über die Kaiser-Wilhelm-Straße bis zur Pollmann-Kreuzung (Ecke Weseler Straße). „Diese Kreuzung gibt es wohl schon seit dem 11. Jahrhundert, als Marxloh noch eine kleine Bauernschaft war“, erzählt Klaus Brüggenwerth. Damals trafen hier wichtige Handelsrouten aufeinander. Der Handel prägt auch heute die Gegend rund um die Kreuzung, die ihren Beinamen einem gleichnamigen Gasthaus verdankt, das hier einst einlud. Über die Weseler Straße, vorbei an rund 50 Brautmodengeschäften, einem besonderen Nuss-Spezialitäten-Geschäft und vielen anderen Waren, schlendern die Teilnehmer durch den türkisch geprägten Stadtteil, über den Skulpturenweg mit Werken internationaler Künstler auf der Wolfsbahntrasse bis zur Merkez-Moschee – „die größte und schönste Moschee Deutschlands, die wir natürlich auch besichtigen“, sagt Klaus Brüggenwerth. Und vielleicht entdecken die Teilnehmer bei dieser spannenden Führung mit der Kulturlinie 901 so nicht nur einen in Verruf geratenen Stadtteil neu, sondern auch die vielen interessanten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten einer vielfach unterschätzten Stadt.

INFOS: Bei der Führung „Kulturlinie 901“ geht es mit der Straßenbahn vom Rathaus über Ruhrort bis nach Marxloh und zwischendurch zu Fuß durch die Stadtteile. Die Touren finden von April bis Oktober jeweils am 2. Freitag des Monats, um 11 Uhr statt. Dauer: Fünf Stunden. Teilnehmerzahl: maximal 18 Personen. Preis: 23 Euro pro Person inklusive Getränk und Gebäck im Teehaus Pera in Marxloh sowie Fahrtticket.

Weitere Infos unter 0203/ 28 54 40 oder im Netz: www.kulturlinie901.wordpress.com

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