Leben auf der Brücke

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WOHNHEIM. Im neuen Bültenhaus residieren Senioren mitten auf der Grenze zwischen Dinxperlo und Suderwick.

DINXPERLO/SUDERWICK. Hier auf dem Ledersofa im gemeinsamen Wohnzimmer des neuen Bültenhauses sitzt sie besonders gerne. Über die Kanten der aneinander gestellten Tische hinweg, die in etwa einen ehemaligen Schlagbaum symbolisieren könnten, hat sie durch die großen Glasfenster alles im Blick. Zur Rechten, die niederländischen Nachbarn, links liegt Deutschland, unter ihr mischt sich der Grenzverkehr. Maria Kock schwebt in ihrem neuen Zuhause über dem Geschehen. Und zwischen den Ländern.

Die 78-Jährige ist eine der ersten Bewohner des neuen grenzüberbrückenden Wohn- und Pflegehauses zwischen Dinxperlo (NL) und Bocholt-Suderwick. "Jetzt habe ich mich schon ein bisschen eingelebt", meint Kock, die gerade eingezogen ist. Aus Anholt kam sie in die Wohngruppe, die zum Europaprojekt "Grenzüberbrückendes Leben im Alter Dinxperlo-Suderwick" gehört. Hauptträger des 3,8 Millionen Euro teuren und von EU, Land NRW, Provinz Gelderland, Kreis Borken und den Gemeinden finanzierten und bisher einmaligen Konzeptes, sind das Evangelische Johanneswerk e.V. der Diakonie in Deutschland und Careaz Dr. Jenny in den Niederlanden.

Die niederländische Organisation unterhält ein Pflegeheim und betreutes Wohnen auf der einen Straßenseite des Hellwegs, das Johanneswerk das Bültenhaus mit zwölf betreuten Wohnungen, einem Kompetenzzentrum, einer Sozialstation sowie einer Wohngruppe auf der anderen, der deutschen Straßenseite. Verbunden sind beide Gebäudekomplexe durch eine bewohnbare Brücke, in der auch das Wohnzimmer von Maria Kock liegt.

Wohnzimmer in der Brücke

Mit acht pflegebedürftigen Senioren soll sie hier bald zusammen leben, essen und gesellig beieinander sitzen. Momentan sind sie nur zu Dritt, alles Deutsche. "Aber wenn wir auch Niederländer unter uns hätten, wäre mir das durchaus recht", sagt Kock. Und was ist mit der Verständigung? Kein Problem für die Anholterin, denn wie viele Menschen in der Grenzregion, spricht sie beide Sprachen. Das gilt auch für das Personal. "Versorgung und Pflege wird sowohl von deutschen, als auch von niederländischen Fachkräften übernommen", erklärt Helmut Dessecker, Projektleiter des Ev. Johanneswerks.

Das gemeinschaftliche Engagement sei aber nicht nur grenzüberschreitend zu verstehen, sondern auch Generationen übergreifend und ehrenamtlich. "Wie es der niederländischen Tradition der freiwilligen, bürgerschaftlichen Arbeit entspricht, sollen sich die Bürger der Ortschaften mit Angeboten im Haus einbringen", wünscht sich Dessecker. Spielangebote, Kurse oder Hilfe beim Kaffeeausschank in der ebenfalls über dem Hellweg schwebenden "Taverne" wünscht er sich. "Denn das Bültenhaus soll ein Ort der Begegnung für alle sein", sagt der Projektleiter.

Gemeinschaftshaus auch für Vereine

Auch Vereine und Gruppen aus der Region Dinxperlo-Suderwick sind im Gemeinschaftshaus willkommen. "Wir haben extra einen Raum, der für kleines Geld angemietet werden kann", so Dessecker, "denn hier soll sich auch das kulturelle Leben abspielen".

Aktuell sind knapp die Hälfte der zwölf betreuten Wohnungen an Senioren vermietet. Menschen, die auf Rollstuhl oder andere Hilfsmittel angewiesen sind, und Ehepaare können noch einziehen. Die sechs noch unbesetzten Plätze in der Wohngemeinschaft sind ausschließlich Senioren mit Pflegebedarf vorbehalten. Die Leistungen werden von der Gruppe bei einem Pflegedienst geordert, den sich die Bewohner selbst aussuchen können. Abgerechnet wird über die entsprechenden Versorgungsstellen, je nach Nationalität, entweder in den Niederlanden oder in Deutschland. Die Wohnungen können auch privat angemietet werden.

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