Schule

Lehrermangel: Wie Seiteneinsteiger in Schulen helfen

Die Grundschullehrerin Barbara Bergner-Finck unterrichtet als Seiteneinsteigerin an der Gemeinschaftsgrundschule Lilientahlstrasse in Duisburg. Vorher hat sie Musik studiert. Foto: Kai Kitschenberg / FUNKEFotoServices

Die Grundschullehrerin Barbara Bergner-Finck unterrichtet als Seiteneinsteigerin an der Gemeinschaftsgrundschule Lilientahlstrasse in Duisburg. Vorher hat sie Musik studiert. Foto: Kai Kitschenberg / FUNKEFotoServices

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

An Rhein und Ruhr.  Barbara Bergner-Fink unterrichtet in einer Duisburger Grundschule. Sie nutzte den Seiteneinstieg, der seit 2017 auch in Grundschulen möglich ist.

Barbara Bergner-Fink hat kein Lehramtsstudium absolviert. Sie ist Musikpädagogin. Aber die konkrete Ausbildung scheint den Kindern in einem Klassenraum der Duisburger Grundschule Lilienthalstraße egal zu sein. Im Vordergrund stehen Unterricht und Hausaufgaben, nicht der Seiteneinstieg der Düsseldorferin. Über zehn Jahre hatte die Musikpädagogin bereits Unterricht durch ein Kooperationsprojekt an zwei Schulen gegeben. Dort wurde ihr klar: „Ich möchte an einer Grundschule unterrichten.“ Und an keiner anderen Schulform. Dafür nochmal an die Uni? „Ich war Ende dreißig.“

Also wartete sie lieber, bis 2017 „endlich“ auch die Grundschulen für Seiteneinsteiger geöffnet wurden. „Darauf hatte ich schon lange gewartet.“ Dass ihr Umfeld bei Duisburg Bedenken hatte, hielt sie nicht ab. „Es heißt oft, die meisten Kinder könnten kaum Deutsch und würden einen überhaupt nicht verstehen.“ Doch sie wollte Stadt und Schule eine Chance geben. Beim Bewerbungsgespräch auf der anderen Seite des Tisches: Rektorin Anke Rieke mit Fragen an die Bewerberin und auch an sich selbst. Wie kann der Seiteneinstieg gelingen, so dass alle – Kollegium, Kinder und die Quereinsteigerin – davon profitieren?

Weiterbildungsmöglichkeiten fehlen

Mitunter ist das ein Balanceakt. Einerseits seien die Einsteiger willkommen, andererseits fürchteten Kollegen auch Mehrarbeit, weil sie die Quereinsteiger in den Schulalltag einführen müssen, sagt GEW-Sprecher Berthold Paschert. Er bezeichnet die einjährige pädagogische Einführung, mit der sich die Seiteneinsteiger qualifizieren, als „völlig unzureichend“. Ebenso fehlten Weiterbildungsmöglichkeiten. „Viele Seiteneinsteiger wären durchaus für weitere Fächer geeignet.“

Für Barbara Bergner-Fink eine Enttäuschung: „Ich sollte lediglich für Musik qualifiziert werden.“ Einmal pro Woche ging es ins Zentrum für Schulpraktische Ausbildung zu den Referendaren. Eigentlich sollte auch eine Musiklehrkraft Barbara Bergner-Fink an der Schule einführen. „Aber wir hatten ja gar keine“, sagt Rieke. „Sondern haben Frau Bergner-Fink auf die Stelle für dieses Fach eingestellt.“

Was sagen die Eltern dazu? Hauptsache, der Unterricht laufe und alle Stunden werden erteilt, so die Rektorin. „Sie wollen, dass ihre Kinder eine gute Bildung bekommen“, ergänzt Barbara Bergner-Fink.

Keine Verbeamtung für Seiteneinsteiger

Das beobachtet auch Birgit Völxen von der Landeselternschaft Grundschulen. Die pädagogische Ausbildung müsse ergänzt werden, etwa um eine theoretische Vorqualifizierung vor Einsatz in der Praxis. „Es muss immer ausreichend qualifiziertes Personal an den Schulen sein. Sonst bekommen die Kinder nicht die Ausbildung, die sie verdienen.“

Verbeamtet werden die Seiteneinsteiger nicht. „Finanziell darf ich mich mit meinen Kolleginnen gar nicht erst vergleichen“, sagt Barbara Bergner-Fink. Lieber mit den alten Verdienstmöglichkeiten für Freiberufler. Generell müsste die Arbeit an Grundschulen attraktiver gemacht werden, sagt GEW-Sprecher Berthold Paschert. Etwa indem die Besoldung der Grundschullehrkräfte an die der anderen Schulformen angeglichen wird. Es müsse auch dringend mehr Studienplätze geben, sagt Völxen. Denn der Lehrermangel bleibt.

Keine Bewerbungen auf drei Ausschreibungen

Derzeit arbeiten an der Duisburger Grundschule Lilienthalstraße fünf Personen ohne abgeschlossene Lehrerqualifikation. Auf ihre letzten drei Ausschreibungen hat die Schule keine Bewerbungen erhalten. Aber Anke Rieke lehnt auch Kandidaten ab, die sich schon im Vorstellungsgespräch nicht qualifiziert zeigen. Barbara Bergner-Fink habe sich dagegen theoretisch mit Lehrplänen, pädagogischen Konzepten und der Unterrichtspraxis beschäftigt. „Sehen Sie?“, sagt die Rektorin. „Wie gemacht für die Grundschule.“

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