Literatur

Leiche auf Vlieland stört die Postkarten-Idylle

Kommisssarin Griet Gerrissen fahndet auf Vlieland nach dem Mörder eines Hoteliers. Doch die Inselbewohner sind verschlossen..

Kommisssarin Griet Gerrissen fahndet auf Vlieland nach dem Mörder eines Hoteliers. Doch die Inselbewohner sind verschlossen..

Foto: Bernd F. Meier / dpa-tmn

Aus den Niederlanden.  Im Interview mit der NRZ verrät Jan Frederic Wielpütz seine persönliche Holland-Geschichte

Und plötzlich liegt eine Leiche im Boot. Der Tote heißt Vincent Bakker, Hotelier auf Vlieland, er hat ein Einschussloch in der Brust. Wie es dazu kommen konnte, soll Griet Gerritsen ermitteln. Doch auf der kleinen Nordsee-Insel stößt die Kommissarin aus Leeuwarden auf eine Mauer des Schweigens.

So etwa in Kurzform geht „Mord auf Vlieland“, der erste Kriminalroman von Jan Jacobs. Der Autor, der eigentlich Jan Frederic Wielpütz heißt und aus dessen Feder unter dem Pseudonym Stefan Bonner Sachbuch-Bestseller wie unter anderem „Generation doof“ oder „Wir Kassettenkinder“ stammen.

Weil er aber seit Kindesbeinen ein großer Fan von Fällen ist, in denen es um Mord und Totschlag geht, wagt er sich nun an ein neues Genre. Durchaus erfolgreich, wie die Verkaufscharts des seit März im Buchhandel erhältlichen Niederlande-Krimis beweisen.

Im Interview mit dieser Zeitung verrät der Familienvater seine persönliche Holland-Geschichte.

Herr Wielpütz, eins vorweg: Warum heißen Sie auf einmal Jan Jacobs?

Jan Wielpütz: Jacobs ist der Familienname meines Vaters, von daher habe ich den nicht etwa erfunden, damit es in Bezug auf die Niederlande authentischer klingt. Aber natürlich passt Jacobs besser zum Buch als Wielpütz.

Warum spielt Ihr erster Krimi in den Niederlanden?

Weil ich seit meiner Kindheit eng mit dem Land verbunden bin. Als ich fünf war, ist meine Mutter aus beruflichen Gründen mit mir nach Moergestel, das liegt in Brabant zwischen Eindhoven und Tilburg, gezogen. Weil sie viel arbeiten musste, bin ich praktisch in einer niederländischen Großfamilie aufgewachsen, die mich wie einen Ziehsohn aufgenommen hat. Das war toll, dort gab es Tiere und viel Natur. Ich war mittendrin und habe mich nie wie ein Zugezogener aus einem anderen Land gefühlt. Außerdem habe ich in der Zeit natürlich die Sprache gelernt, was mir auch heute noch zugutekommt. Als ich elf war, sind wir dann zurück nach Bergisch Gladbach gezogen, aber der Kontakt zu meiner Stieffamilie ist nie abgerissen. Wir besuchen uns häufig gegenseitig, im Winter kommen sie zum Beispiel immer sehr gerne zu uns auf die Weihnachtsmärkte.

Und Sie selbst sind auch immer wieder in unser Nachbarland gereist?

Ja, das fing zu meiner Studienzeit an. Ich bin mit Freunden gerne zum Segeln gefahren, meistens ging es dann in den Norden nach Friesland. Die Region mag ich besonders gern, weil sie sehr ursprünglich und nicht so überlaufen ist wie zum Beispiel die bekannten Urlaubsregionen in den Niederlanden.

Wie kamen Sie auf Vlieland als Ort des Geschehens? Haben Sie eine besondere Beziehung zur Insel?

Ich habe vor etwa 15 Jahren mal einen Segeltörn dahin gemacht. Da habe ich die Insel direkt ins Herz geschlossen. Es gibt auf Vlieland keinen Autoverkehr, von daher hat man viel Ruhe. Es gibt nur ein Örtchen mit schönen Ferienhäusern und natürlich diesen wunderbar großen Strand. Das ist eine richtige Postkarten-Idylle.

Die Sie mit einem Mordfall zerstören…

Gestorben wird ja überall (lacht). Und jeder hat etwas zu verbergen, so unschuldig er auch tut… Ich sage es mal so: Auch in Deutschland gibt es sicher nicht so viele Morde, wie sie in Krimis behandelt werden, ob es jetzt im Fernsehen oder in Buchform ist. Bevor ich nun selber einen Krimi geschrieben habe, habe ich mich gefragt, was ich selber gerne lese. Schon als Kind oder eher Jugendlicher haben mich Klassiker wie Miss Marple, Maigret, Columbo und Hercule Poirot fasziniert, aber auch deutsche Serie wie Derrick. Später kamen dann Mankell und Wallander dazu. Eine Krimireihe, die ich auch immer gerne gelesen habe, ist die vom niederländischen Autor A.C. Baantjer. Das sind alles Figuren beziehungsweise Schriftsteller, die mich als Autoren beeinflusst haben. Deutschland ist nun einmal ein Krimiland, das kommt mir zugute.

Was gucken Sie sich im Fernsehen lieber an: den Tatort oder skandinavische Krimis?

Den Tatort schaue ich mir regelmäßig an, aber am liebsten die Storys, die einen klassischen Kriminalfall erzählen. Ausflüge in den Bereich der Fantasy oder der Comedy mag ich dort nicht so gerne, ich finde, das passt nicht. Ich bin ein Freund des klassischen Krimis: Was ist passiert, wer sind die Verdächtigen, wie wird ermittelt? Am besten finde ich aber zwei Krimireihen, die bei Streamingdiensten laufen: ‚Broadchurch‘ auf Netflix und ‚Bosch‘ auf Amazon Prime Video. Davon kann ich mich kaum losreißen.

Wie ist ‚Mord auf Vlieland‘ bisher bei der Leserschaft angekommen?

Das Buch ist ja seit März auf dem Markt, und sowohl der Verlag als auch ich selbst haben viele positive Reaktionen erhalten. Der Plot, die Figuren, das scheint den Lesern gut gefallen zu haben. Viele Deutsche sind ja sehr holland-affin, von daher scheine ich den richtigen Ort für Ermittlerin Griet Gerritsen getroffen zu haben. Die Verkaufszahlen sind bisher auch erfreulich.

Kommt ‚Mord auf Vlieland‘ denn auf Niederländisch heraus?

Das würde sich tatsächlich anbieten, ist bisher aber noch nicht geplant.

Und wann und wo löst Griet Gerritsen Ihren nächsten Fall?

Tatsächlich habe ich den zweiten Teil der Reihe gerade fertig geschrieben. Die Veröffentlichung ist für August beziehungsweise Oktober gedacht, das E-Book kommt zwei Monate früher als das gedruckte Werk auf den Markt. Es wird „Die Tote in der Gracht‘ heißen und spielt hauptsächlich in Leeuwarden. Es geht um eine Journalistin, die rund um die ‚Elfstedentocht‘ leblos aufgefunden wird. Die ‚Elfstädtetour‘ ist – oder besser gesagt: war – ein in den Niederlanden sehr populäres Rennen im Eisschnelllauf, das in Leeuwarden startet und 200 Kilometer lang über zugefrorene Kanäle und kleine Seen durch elf friesische Städte führt. Leider hat das Ereignis 1997 zum letzten Mal stattgefunden, weil es so lange keinen so strengen Winter mehr gegeben hat.

Über den Autor

Jan Frederic Wielpütz, geb. am 15. Oktober 1975 in Bergisch Gladbach, Magister in Anglistik, Germanistik und Neue Geschichte an der Uni Bonn. Nach Volontariat und Tätigkeit als Übersetzer für Bastei Lübbe dort Verlagslektor. Seit 2009 Buchveröffentlichungen, seit 2012 Leiter der Schreibschule Bastei Lübbe Academy (gemeinsam mit Ann-Kathrin Schwarz alias Anne Weis). Im April 2014 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit als Schriftsteller.

Werk: 2008 erstes Sachbuch gemeinsam mit Anne Weiss: „Generation Doof“2019 erschien als letztes Werk in dieser bisher siebenteiligen Reihe „Generation Weltuntergang.“

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