Reiten

Mia und ihre neuen Freunde

Foto: NRZ

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Therapeutisches Reiten - für die sechsjährige Mia ist das ein besonderes Glück.

Am Niederrhein. Es ist kein Wiesel, es ist Mia. Immer in Bewegung, immer fröhlich und interessiert. Was auf dem Papier über das sechsjährige Mädchen geschrieben steht, mag man zunächst kaum glauben: geistig-seelische Beeinträchtigungen, hochgradige Sprachentwicklungsstörung, psychomotorische Einschränkungen.

Gemischte Gefühle

Mia, ihre gesunde zweijährige Schwester Selma und ihre Eltern erlebten jetzt eine ganz besondere Woche. Eine Intensivtherapie im Amistad-Zentrum für Therapeutisches Reiten in Straelen.

Für ein vierköpfiges Reitpädagogen-Team, eine Logopädin (Sprach-Heilkundlerin) und die vier Therapie-Pferde Santos, Rambo, Cajol und Finja gab es sechs Tage lang nur eines: das Wohl der Essener Familie Soytetir. Für Diplom-Reitpädagogin Ute Slojewski, Leiterin vom Amistad (spanisch = Freundschaft) ist das aufwändige Unterfangen Neuland. In einem Schreiben an die Borgmann-Stiftung in Kamp-Lintfort, die das Pilotprojekt finanziell erst möglich machte, formulierte sie so: „Allen Familienmitgliedern wird die Möglichkeit gegeben, individuelle positive Entwicklungsschübe zu erfahren und die Familie als Ganzes zu stärken. Wir setzen auf die bewiesene Wirkung der ausgebildeten Therapiepferde, auf Naturerlebnisse und die fachliche Kompetenz eines größeren Teams."

Und siehe da, nicht nur die Familie „als Ganzes" profitiert, auch das Pädagogenteam selbst. Meike van Bühren, Diplom-Sozialpädagogin: „Durch die neuen Erfahrungen in der Arbeit mit einer ganzen Familie und der intensiven Zusammenarbeit im Team sind wir enger zusammengerückt. Es war auch für uns ein voller Erfolg, wir fühlen uns bestätigt!"

Bülent Soytetir ist Tischler, seine Frau Nicole Kinderkrankenschwester. Aus beiden sprudelt es nur so heraus, wenn sie über die Woche in Straelen berichten. Erfolg? Ja, auf jeden Fall, und eben nicht nur für das behinderte Kind. Nicole Soytetir: „Ich hatte sehr gemischte Gefühle, stand Pferden ängstlich gegenüber. Aber es war dann total super, ich hätte nie gedacht, zu Cajol (ein Camargue-Pferd) eine solch enge Beziehung gewinnen zu können. Ich konnte in der Woche sehen, was Mia und die anderen erlebten, habe aber auch für mich selbst Ruhe finden können – so was kannte ich in den letzten Jahren gar nicht mehr."

Selbstbewusst

Bülent Soytetir spricht dankbar von einem gewissen Luxus, der seiner Familie (die während der Therapiewoche in einem Bauernhaus unweit von Straelen untergebracht war), widerfahren sei. Bei Mia, so räumte ihr Vater ein, habe man bei der speziellen sprachlichen Förderung keine Berge versetzen können, allerdings habe sie beim Reiten verstärkt „lautiert" und ihre Freude geäußert. Insgesamt gesehen zeige sich das Mädchen seit der Therapiewoche „ungewöhnlich selbstbewusst und total ausgeglichen". Mit Ross und Reiter war das Amistad-Zentrum, 1997 von Ute Slojewski gegründet, vor einem Jahr von Kamp-Lintfort nach Straelen umgezogen. Auf Adjims Ranch an der Broekhuysener Straße 1, wird die Arbeit fortgesetzt. Amistad betreut zur Zeit rund 100 Menschen mit körperlichen und seelischen Handicaps aus der Region, von Emmerich über Kleve und Wesel bis Moers und Duisburg. Der Förderverein, jetzt mit der Rheinbergerin Anke Sczesny und der Kamp-Lintforterin Andrea Hendrix an der Spitze, setzt seine Tätigkeit uneingeschränkt fort. Dort hofft man auf weitere Sponsoren, um erneut Projekte für Familien anbieten zu können.

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