Umwelt

Ministerium: Vieles deutet auf den nächsten Wolf in NRW hin

Wilde Wölfe: So verhalten sich die Tiere in freier Wildbahn

Der Wolf sorgt immer wieder für Diskussionen. Die einen begrüßen seine Rückkehr nach NRW, die anderen halten ihn für zu gefährlich. Ein Porträt.

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Düsseldorf.  Das NRW-Umweltministerium wird ein neues „Wolfsverdachtsgebiet“ ausrufen. Der vierte Wolf könnte sich im Bergischen Land niedergelassen haben.

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Die nordrhein-westfälischen Umweltbehörden vermuten, dass sich mindestens ein weiterer Wolf in Nordrhein-Westfalen niedergelassen hat. Nachdem sich seit dem späten Frühjahr Nutztierrisse im Oberbergischen sowie Rhein-Sieg-Kreis mehren, werde man dort noch in dieser Woche ein sogenanntes „Wolfsverdachtsgebiet“ ausweisen, kündigte Staatssekretär Heinrich Bottermann am Dienstag in Düsseldorf.

Nutztierhaltern wird diesem Gebiet die Anschaffung von Herdenschutzzäunen erstattet. Genetische Spuren legten nahe, dass es bei dem Tier im Bergischen Land jetzt um die Wölfin mit der wissenschaftlichen Kennung GW1433f handelt, die auch schon im Landkreis Neuwied im benachbarten Rheinland-Pfalz aufgetreten war.

Drei Wölfe leben bisher in Nordrhein-Westfalen

Auf NRW-Seite habe es in besagtem Gebiet in diesem Jahr 15 Nutztierrisse gegeben, von denen 12 aber noch nicht abschließend untersucht seien. Das geplante Wolfsverdachtgebiet umfasst eine Fläche von 902 Quadratkilometern zwischen Engelskirchen, Teilen von Gummersbach bis hin nach Bad Honnef und Königswinter. Im Westen wird das Gebiet von der A 3 begrenzt; mit Overath und Rösrath gehören auch Teile des Bergischen Landes dazu.

Sollten sich über einen Zeitraum von sechs Monaten wiederholt genetische Nachweise der Wölfin finden, gilt sie als tatsächlich ansässig. Aus dem Verdachtsgebiet würde ein Wolfsgebiet. GW1433f wäre der vierte ansässige Wolf in NRW. Zwei weitere Weibchen haben sich bei Schermbeck am Niederrhein sowie in der Senne in Ostwestfalen niedergelassen, ein Rüde durchstreift die Eifel bei Monschau. Wölfe stehen unter strengem Naturschutz.

Beim Landesumweltamt gehen viele Hinweise aus der Bevölkerung ein

Die Bevölkerung ist sensibel. Im laufenden Jahr seien beim Landesumweltamt bereits 474 Wolfshinweise – also etwa Fotos oder Videos, welche Wölfe zeigen sollen oder Nutztierrisse, die auf Wölfe zurückgehen sollen. Bislang 40 Hinweise hätten sich nach Prüfung bestätigt, berichtete Thomas Delschen, der Präsident des Landesumweltamtes. Über aktuelle Entwicklungen informieren die Behörden im Internet, Meldungen zu Wolfsnachweisen können übers NRW-Umweltportal fürs Smartphone abonniert werden.

Über die vermutete neue Wölfin GW1433f ist wenig bekannt (‘GW“ steht für „german wolf“, das „f“ für female, also: weiblich). Genspuren von ihr waren im Oktober nach einem Wildtierriss bei Engelskirchen gefunden worden. Einem Herkunftsrudel konnte die Wölfin bisher nicht zugeordnet werden. Ihr genetisches Profil passe jedoch zu den restlichen Wölfen der mitteleuropäischen Flachlandpopulation, heißt es bei den Umweltbehörden. Ebenfalls im Oktober war bei Engelskirchen zwei mal ein Wolf von Wildkameras fotografiert worden.

Naturschützer loben das frühzeitige Handeln der Behörden

Nach ebenfalls einem Wildtierriss Ende Mai diesen Jahres in Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis war auch noch ein weiterer Wolf identifiziert worden – ein Männchen mit der Kennung GW1258m, das einen Rehbock verschleppt hatte. Dieses Männchen scheint bisher aber in der Region nicht mehr aufgetaucht zu sein.

„Uns war es wichtig, Tierhalter frühzeitig und umfassend in die Lage zu versetzen, sich zu schützen“, begründete Staatssekretär Bottermann die Ausweisung des Verdachtsgebietes im Bergischen Land. Umweltschützer begrüßen das Vorgehen ausdrücklich.

Herdenschutz-Förderung in weiten Teilen von NRW

„Das ist der richtige Weg hin zu einem flächendeckenden Herdenschutz, den sich sowohl Weidetierhalter als auch Naturschützer wünschen würden“, sagte Experte Thomas Pusch vom Umweltverband Nabu auf Nachfrage der Redaktion. Auf diese Weise lerne der Wolf „gar nicht erst Schafe und andere Weidetiere als leicht zugängliche Nahrungsquelle zu sehen“.

Das Verdachtsgebiet ist – wie auch schon die bestehenden Wolfsgebiete – bewusst großzügig geschnitten, wie Bottermann betonte. Im Westerwald in Rheinland-Pfalz ist am Stegeskopf eine weitere Wölfin ansässig. Rechnet man die von dort weit nach NRW hineinragende Pufferzone mit, so werden jetzt auf 30 Prozent der NRW-Landesfläche Herdenschutzmaßnahmen wie die Anschaffung von Zäunen gefördert.

Antrag bei der EU gestellt: Förderdeckel soll weg

Die Förderung ist für einzelne Tierhalter bisher auf 20.000 Euro für drei Jahre gedeckelt. Auf NRW-Initiative habe Deutschland aber bei der EU einen Antrag gestellt, diesen Deckel aufzuheben, berichtete Staatssekretär Bottermann. Insgesamt seien in NRW im laufenden Jahr 885.000 Euro ausgezahlt worden – für Wolfsprävention, also für Zäune, aber auch als Entschädigungen für gerissene Tiere.

Vor allem das „Gloria“ genannte Tier am Niederrhein mit der Kennung GW 954f fällt immer wieder durch Nutztierrisse auf. Bottermann wie auch Landesumweltamtspräsident Delschen machten an diesem Dienstag deutlich, dass noch in keinem Fall bislang endgültig bewiesen sei, dass Gloria vorschriftsmäßig aufgestellte, unter Strom stehende Herdenschutzzäune von 1,20 Meter Höhe überwunden hat.

Mehrere Nutztierrisse am Niederrhein werden geprüft

Allerdings würden am Niederrhein aktuell mehrere Nutztierrisse überprüft. Erst wenn mehrfach ein vorschriftsmäßiger Herdenschutz überwunden sei, könne – unter bestimmten Bedingungen – eine Ausnahmegenehmigung für „die Entnahme“ eines Wolfes erteilt werden, sprich für einen Abschuss. „Wir werden uns ganz genau an die Normen des Naturschutzgesetzes halten“, betonte Staatssekretär Bottermann.

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