Buchhandlung

Mit einem Kofferraum voller Bücher...

Matthias und Sigrun Hintzen. Lieben und leben Bücher.

Matthias und Sigrun Hintzen. Lieben und leben Bücher.

Foto: Kleve

  Matthias und Sigrun Hintzen aus Kleve sind Glücksbringer mit Tradition. Seit drei Generationen verkaufen die Hintzens Bücher, Gefühle, Abenteuer und Sachkunde. Ein Schwerpunkt: niederländische Literatur

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Bücher sind Partituren, Buchhandlungen sind Glücksquellen.

(Arnold Stadler)

So gesehen, sind Sigrun und Matthias Hintzen so etwas wie Glücksbringer. Das kommt davon, wenn man selbst gern liest, wenn man mit und zwischen Büchern aufgewachsen ist, wenn das Rascheln der Buchseiten beim Umblättern einem das Gefühl von Behaglichkeit, Ruhe, ja, vielleicht auch so etwas wie stilles Glück schenkt.


Seit 1925 verkaufen die Hintzens Bücher. Die Großeltern von Matthias Hintzen haben die Familientradition begründet. Sie überstanden die Wirren des 2. Weltkriegs, erlebten Plünderung durch die Nazis, Bombenangriff auf die Stadt Kleve, Verlust des Hauses und Neuanfang mit Wiederaufbau. Von den zehn Kindern wurden zwei Söhne und drei Töchter im elterlichen Betrieb ausgebildet. Seit 1995 führt als dritte Generation Matthias den Familienbetrieb – und kann sich das anders irgendwie auch gar nicht vorstellen.

Im Geschäft an der Hagschen Straße hat man 30.000 mal die Möglichkeit, sich wegzulesen. Belletristik, Sachbücher, Krimis und immer wieder spannende Entdeckungsreisen in das Programm kleinerer Verlage, Bücher, die nicht auf der Spiegel-Bestseller-Liste stehen und man sich fragt, warum eigentlich nicht.

Einer, der den Klevern das Lesen immer wieder neu beibringt, arbeitet schon seit mehr als 30 Jahren mit den Hintzens: Eckhard Erdmann. Der liest vermutlich in einer Woche so viel Bücher wie manch anderer in einem Jahr nicht – und hat dabei das wunderbare Talent, auch den leseabstinentesten Zeitgenossen zumindest ein keines bisschen neugierig zu machen. Einer aus der immer kleiner werdenden Zunft derer, die wissen, was Ihre Seele berührt, was im Grunde nur für Sie geschrieben sein kann. Einer der, während Sie den Buchladen betreten, schon ins Regal greift und Ihnen lächelnd ein Büchlein in die Hände drückt, während Sie noch gar nicht wissen, was Sie eigentlich wollten…


Und noch etwas ist besonders: Die Buchhandlung Hintzen denkt und fühlt auch Oranje. „1950 schon hat mein Vater die Geschäftsbeziehungen zu den Niederlanden aufgenommen und begonnen, unter anderem Institute, Professoren und Studenten der Uni in Nimwegen zu beliefern.“ Seitdem prägen die niederländischen Nachbarn das literarische Sortiment. Bis heute fährt traditionell freitags das Geschäftsauto mit einem Kofferraum voller Buchbestellungen über die Grenze. Und wenn Sie mal an dem Geschäft vorbeibummeln, dürfen Sie sich auf eines auf jeden Fall freuen: auf den Blick ins Schaufenster. Sigrun und Matthias Hintzen haben eine Idee aus den frühen 50ern wieder aufleben lassen: die thematische Gestaltung ihres Schau-Fensters. Bis in die 60er Jahre war das immer ein Hingucker: Josef Hintzen und der junge Grafiker Walter Flinterhoff haben gestaltet, Fritz Getlinger hat alles ins professionelle Licht gesetzt und nachts fotografiert – so beeindruckend, dass zahlreiche Wettbewerbe gewonnen werden konnten.

Heike Waldor-Schäfer

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