Coronavirus

Moerser Arzt über Corona-Spätfolgen: Müdigkeit bleibt Monate

Dr. Thomas Voshaar ist Leiter der Lungenklinik am Bethanien Krankenhaus in Moers. Mit seinem Weg der nicht-invasiven Beatmung hat er weltweit Aufmerksamkeit erregt.

Dr. Thomas Voshaar ist Leiter der Lungenklinik am Bethanien Krankenhaus in Moers. Mit seinem Weg der nicht-invasiven Beatmung hat er weltweit Aufmerksamkeit erregt.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Dr. Thomas Voshaar aus Moers untersucht Corona-Patienten nach der Erkrankung. Bleibende Lungenschäden stellt er nicht fest. Das hat einen Grund.

Viel ist noch nicht über Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bekannt. Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik am Bethanien Krankenhaus, legt deswegen besonders viel Wert auf die Nachuntersuchungen. „Das ist für die Patienten wichtig, aber auch für uns, damit wir Erkenntnisse über Spätfolgen gewinnen können“, sagt der Arzt. Alle Patienten, die auf der Intensivstation lagen und eine schwere Lungenentzündung hatten, werden sechs Wochen nach ihrer Entlassung nochmal untersucht. „Wir machen dann bei allen erneut eine Computertomographie sowie eine Lungenfunktionsuntersuchung“, erklärt Voshaar.

Das Krankenkassensystem sehe diese Art der systematischen Nachuntersuchung nicht vor, weil sie viel Geld koste. „Aber wir könnten uns beim Thema Spätfolgen sonst nur auf Studien verlassen“, so der Experte. Bei den Gesprächen werde auch besprochen, welche körperlichen Beschwerden die Patienten noch hätten. „Primär konzentrieren wir uns auf die Lunge, da sehen wir auch, dass sechs Wochen nach der Erkrankungen noch nicht alles wieder in Ordnung ist“, erklärt Voshaar. Die Leistungsfähigkeit der Lunge sei dann aber schon fast wieder normal. „Da haben wir derzeit glücklicherweise keine Hinweise auf bleibende Schäden.“

Manche Patienten haben ihren Geruchssinn verloren

Wichtig zu wissen: All diese Patienten – über 60 seit Mitte März – wurden nicht intubiert, haben demnach auch keine Schäden, die durch die künstliche Beatmung sonst häufig an der Lunge auftreten. „Das bestätigt uns gewissermaßen, dass es richtig ist, die Intubation zu vermeiden“, meint der Experte, der mit dieser Methode in den vergangenen Monaten weltweit Schlagzeilen gemacht hatte.

Andere gesundheitliche Probleme seien bei den Patienten auch Wochen nach der Erkrankung noch da. Einige hätten ihren Geruchssinn verloren oder Nervenschäden. „Das sind aber temporäre Beschwerden“, so der Facharzt. „So schlimm das jetzt ist, das geht vorüber.“ Es sei kein Fall bekannt, bei dem der Geruchssinn dauerhaft weg sei. Ein Teil der Patienten klage zudem über bleierne Müdigkeit und Abgeschlagenheit, die auch nach Monaten noch nicht verschwunden seien. „Sie erzählen dann beispielsweise, dass sie kaum spazieren gehen können“, berichtet der Arzt. Das sei auch bei anderen Viruserkrankungen zu beobachten, beim Coronavirus aber ausgeprägter.

Hygienemaßnahmen einhalten

Voshaar rät dazu, weiter vorsichtig zu bleiben. Jetzt gerade passiere genau das, womit man gerechnet habe, durch die Lockerungen und die Reiserückkehrer würden auch die Zahlen wieder steigen. Vor den Sommerferien seien keine Patienten mehr auf der Intensivstation gewesen, nun sei immer mindestens einer mit einer schweren Lungenentzündung da. „Es geht nur voran, wenn wir uns alle an die Hygiene- und Abstandsregeln halten“, so Voshaar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben