Musikalische gesellschaft

Musikalische Gesellschaft Musik für Rheinberg und Umgebung

Täglich sitzt und spielt Lore Rabe an ihrem Klavier.

Foto: Volker Herold

Täglich sitzt und spielt Lore Rabe an ihrem Klavier. Foto: Volker Herold

Rheinberg.   Seit mehr als 35 Jahren prägt Lore Rabe das musikalische Leben in der Stadt. Besonders wichtig ist ihr: Kinder dürfen gratis in die Konzerte.

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Sie ist Herz, Motor und Seele der Musikalischen Gesellschaft in Rheinberg – auch wenn sie das so sicher gar nicht hören möchte. Seit mehr als 35 Jahren prägt Lore Rabe das musikalische Leben der Stadt. Und ihr Wohnzimmer ist Veranstaltungsbüro, Künstleragentur, Kartenvorverkaufsstelle und Konzertsaal... Wir haben ‘mal bei ihr vorbeigeschaut.

Frau Rabe, Sie haben gerade eine wunderbare Melodie an ihrem Klavier gespielt. Ich habe mich gar nicht getraut, auf den Klingelknopf zu drücken.

Hat es Ihnen gefallen, ja? Das ist im Moment mein Lieblingsstück. Das Ave Maria von Caccini.

Das berührt die Seele.

Oh ja, das soll es auch. Es ist immer wieder großartig, wie die Musik es schafft, Menschen zu bewegen, Gefühle hervorzuholen, die Seele zu berühren. Und dieses Ave Maria ist ja ganz einfach gesetzt, leicht zu spielen und doch so schön.

Ein Leben ohne Musik ist...

... für mich nicht denkbar. Die Musik gibt mir immer etwas. Man ist erfüllt, man bekommt Gänsehaut, man ist einfach glücklich.

Wir reden jetzt über klassische Musik.

Und die hat leider nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen. Dabei ist klassische Musik keine elitäre Musik. Jeder kann sie verstehen und von ihr berührt werden.

Sie haben Ende der 70er Jahre die Musikalische Gesellschaft mitgegründet.

Am 22. November 1979. Unser Ziel war, das Kulturleben in der Stadt zu erweitern. Und die klassische Musik in gewisser Weise populärer zu machen. Zu zeigen, dass es eben keine Musik nur für Menschen mit Hochschulabschluss ist, sondern alle Menschen erreichen kann und will. Wir wollten von Beginn an klassische Musik für alle erlebbar machen. Ohne die Mithilfe von Mitgliedern der Musikalischen Gesellschaft, die ehrenamtlich bei der Vorbereitung und Durchführung der Konzerte mithelfen, wäre das nicht möglich.

Und doch füllt Klassik nicht unbedingt die Konzertsäle.

Nun ja, bei den ersten Konzerten mit heimischen Künstlern, die noch teilweise im Alten Rathaus stattfanden, hatten wir viel Zuspruch. Wir haben da auch schon jungen Musikern die Gelegenheit gegeben, vor Publikum zu spielen. Wir sind dann schnell gewachsen, eigentlich erstaunlich schnell. Das liegt sicher zum einen an der Professionalität und dem Können der Künstler. Aber ich denke, auch die besondere Atmosphäre hier spielt eine Rolle. Die Nähe zum Publikum, das musikalische und dann auch menschliche Miteinander. Man plaudert nach dem Konzert miteinander, es gibt keine trennenden Schranken, das ist alles so wie in einer großen Familie.

Sie sind selbst sehr früh schon mit der Musik, nun, sagen wir mal, konfrontiert worden.

Das war so, ja. Mein Vater war Architekt, aber sehr musikengagiert. Und meine Zwillingsschwester und ich mussten schon als kleine Mädchen Klavier spielen lernen – da war der Vater sehr streng. Und wir haben dann bei Wettbewerben gespielt, haben da sogar Preise gewonnen.

Und dann ist es doch noch Liebe zur Musik geworden.

Eine große Liebe sogar. Dabei wollte ich eigentlich Pharmazie studieren, ich war eine Weile in Frankreich, um Sprachen zu lernen, bin dann an den Niederrhein gekommen und habe mich an der Musikhochschule Ruhr in Duisburg eingeschrieben.

Und mit dem Examen abgeschlossen. Dann waren Sie lange Mitglied im Konzertchor Duisburg, dem heutigen Philharmonischen Chor Duisburg, viele Jahre auch als Vorsitzende. Und in Rheinberg dürften Sie inzwischen so an die 300 Konzerte organisiert haben.

In all den Jahren kommt schon ‘was zusammen. Und wir haben viele herausragende Musiker kennengelernt, die wegen der besonderen Atmosphäre unserer Konzerte und der persönlichen Betreuung auch gerne immer wieder kommen. Mir ist auch wichtig zu sagen, dass wir von Beginn an für Kinder und Jugendliche freien Eintritt möglich machen. Ohne Sponsoren könnten wir das aber auch nicht schaffen. Unsere Zukunft ist nur gesichert, wenn sich möglichst viele engagieren.

Junge Leute hören eher selten Klassik.

Eben darum. Wir wollen ihnen den Zugang möglich machen. Wir fanden es von Beginn an wichtig, dass die Jugend an die klassische Musik herangeführt wird. Manche Kinder und Jugendliche bekommen nie die Chance, klassische Musik kennenzulernen - vielleicht, weil die Karten zu teuer sind. Das war für uns ein wichtiger Grund zu sagen, wir gewähren Jugendlichen und Kindern freien Eintritt. Wichtig ist auch, dass die Schulen darauf hinweisen.

Wie häufig setzen Sie sich selbst ans Klavier?

Täglich. Und ab und an gibt es ein bisschen Kammermusik hier im Haus. Das ist eine wunderbare Atmosphäre, ich liebe das sehr.

Pianistin wollten sie selber nie werden?

Nein. Ich habe auch viele Jahre Klavier unterrichtet – aber für eine Karriere in den Konzertsälen dieser Welt bin ich nicht geschaffen. Improvisieren ist auch nicht so mein Ding. Aber das gemeinsame Erleben von Musik, das gemeinsame Musizieren und Zuhören, das ist doch ein Geschenk. Für die Zuhörer – aber auch und besonders für einen selbst.

>> INFO: Die Konzertreihe 2017 der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg beginnt am Sonntag, 22. Januar, mit dem traditionellen Neujahrskonzert in der Stadthalle. Die Bergischen Symphoniker unter Leitung von Peter Kuhn sowie mit der Sopranistin Migena Gjata präsentieren „Wiener Bonbons“ – von Mozart zu den Sträußen. Beginn. 19 Uhr. Eintritt: 15 bzw. 20 Euro, aber: Jugendliche frei! Karten an den bekannten Vvk-Stellen. Weitere Konzerte: Duo-Abend „Classics meets Romantic“ 19. März; Amadeus Guitar Duo 7. Mai; Die Singphoniker 25. Juni.

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