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Nach dem Krieg bauten Klever ihre Schwanenburg wieder auf

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Die Schwanenburg in Kleve ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden

Die Schwanenburg in Kleve ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden

Foto: Stadt Kleve

Kleve.  Die Schwanenburg in Kleve wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Mit Hilfe der Bürger konnte das Wahrzeichen schnell wieder aufgebaut werden.

Innerhalb weniger Minuten war alles zerstört. Gegen 13.40 Uhr flogen die Lancaster und Halifax-Maschinen der britischen Luftwaffe über Kleve und warfen zahlreiche Spreng- und Brandbomben ab. Es dauerte nur eine halbe Stunde dann war vieles zerstört: Bomben vielen auf die Stiftskirche, auf die Minoritenkirche und die Schwanenburg, die zudem auch noch von einem herabstürzenden Flugzeug schwer getroffen wurde: die obersten drei Geschosse wurden in die Tiefe gerissen.

Das Wahrzeichen der Stadt Kleve lag am 7. Oktober 1944 in Schutt und Asche. Die Klever ohne ihre Schwanenburg - das geht gar nicht. In der niederrheinischen Stadt kursiert ein geflügeltes Wort, dass ein Klever nie länger als zwei Wochen Urlaub machen kann, weil er sonst Heimweh zur Schwanenburg bekommt. Von nahezu jedem Punkt der Innenstadt kann man die herzogliche Burganlage erblicken. Die Schwanenburg ist der ganze Stolz der Klever: Sie ist altes Machtsymbol, Identifikationspunkt und Heimatliebe zugleich.

Die Klever wollten ihre Schwanenburg so schnell wie möglich wieder

Ende 1944 war es mit der Herrlichkeit allerdings vorbei. Nur noch ein riesiger Schutthaufen lag im Zentrum der Stadt, der langsam abgetragen wurde. Die Klever Historikerin Wiltrud Schnütgen berichtet von 800.000 Kubikmeter Schutt, der sich türmte. In der Not entschieden die Stadtväter, gut 250.000 Kubikmeter entlang des Burghanges abzukippen und mit Erde zu bedecken. Hauptsache der Schutt ist weg.

Der Wiederaufbau der Schwanenburg zog sich nicht allzu lange hin: Nach dem Krieg fehlte es zwar an Geld, an Arbeitskräften und vor allem an Baustoffen. Aber die Klever wollten ihre Burg so schnell wie möglich wieder auferstehen lassen. Viele Steine der Schwanenburg wurden daher wiederverwendet und für den späteren Aufbau genutzt. In den ersten beiden Nachkriegsjahren aber brauchten die Menschen dringend ein Dach über dem Kopf.

Der Wiederaufbau der Schwanenburg konnte Ende 1948 starten

Häuser und Wohnungen mussten gebaut werden, die Schwanenburg als Wahrzeichen musste erst einmal warten. Aber die Klever hätten den zerstörten Anblick ihrer Burg kaum ertragen können, schreibt Wiltrud Schnütgen. Schnell hätte sich daher in der Bevölkerung ein Engagement für den Aufbau gefunden. Besonders Rechtsanwalt Dr. Heinz Will hatte das Mammutprojekt in die Hände genommen. Die „Bauhütte Schwanenburg“ wurde 1947 gegründet und warb viele Spenden ein, um zunächst den Spiegelturm zu rekonstruieren. Bereits Ende des Jahres 1948 konnte der Wiederaufbau starten.

Die Handwerker hatten ihn innerhalb von zwei Jahren wieder aufbauen können. Am 1. Oktober 1950 feiert man das Richtfest, bei dem der Schwan, der noch aus dem 15. Jahrhundert stammte, wieder auf die Spitze gesetzt werden konnte. Erst sieben Jahre später sollte der Turm seine Fenster erhalten. Maßgeblich für den Wiederaufbau der Burg sei die Entscheidung des Oberlandesgerichtspräsidenten Baerns gewesen, das Landgericht auch künftig in Kleve zu belassen und nicht nach Moers zu verlagern, schreibt der ehemalige Beigeordnete der Stadt Kleve, Bernhard Baak, in seinem Werk „Zerstörung, Wiederaufbau und Verwaltung der Stadt Kleve“.

Nach dieser grundsätzlichen Festlegung habe dann die Justiz die finanzielle Hauptlast für den Wiederaufbau gestemmt. Die die privat finanzierte „Bauhütte Schwanenburg“ hat nach Baaks Berechnungen immerhin 157.000 Euro beisteuern können.

Der Aufbau der Burg wurde vom Staatshochbauamt Kleve geleitet. Der Schwanenturm wurde vom Architekten Sauren entworfen und lehnte sich an die frühere Gestalt des Turmes an. „Der Schwanenturm ist heute schöner, als er je zuvor gewesen ist“, schreibt Bernhard Baak.

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