Gartenleben

Neue Studie sieht Schrebergärten bundesweit im Wandel

Gerade in großen Städten wächst das Interesse am Gärtnern

Gerade in großen Städten wächst das Interesse am Gärtnern

Foto: Oliver Mengedoht

An Rhein und Ruhr.   Kleingartenanlagen werden öffentlicher, internationaler und ökologischer, sagt eine Untersuchung – und das ist auch gut so.

Eine neue Studie sieht Schrebergarten stark im Wandel – und auf einem richtigen Weg. Das Kleingartenwesen werde öffentlicher, internationaler und ökologischer, stellt eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Auftrag gegebene Untersuchung fest. Gerade in großen Städten wachse das Interesse am Gärtnern. Dort drohe aber auch Konkurrenz, weil Flächen für den Wohnungsbau benötigt werden.

Den Angaben zufolge hat sich der Bestand an Kleingärten seit 2011 nur leicht verringert (bundesweit -25.000). Von den aktuell rund einer Millionen Gärten in Deutschland stünden derzeit rund 65.000 leer – und die vor allem in den ländlichen Gegenden im Osten der Republik, wo der demographische Wandel und Strukturprobleme auch vorm Kleingartenwesen nicht Halt machen.

Solche Probleme kennt man im Rheinland nicht: „Der Leerstand beträgt bei uns 0,1% - höchstens“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Gartenfreunde, Hans-Jürgen Schneider, im Gespräch. Von Emmerich bis zum Rhein-Sieg-Kreis zählt der Verband 48.000 zahlende Mitglieder in 900 Vereinen. Leerstand in dem Sinne, dass Gärten nicht mehr vergeben werden könnten, kenne man nicht.

Echtes Interesse am Gärtnern

„Die Weitergabe einer Parzelle kann sich aber mal ein oder zwei Monate ziehen, weil die Wertermittlung etwas dauert“, sagte Schneider. Die Werte seien sehr unterschiedlich, je nach Lage und Zustand. In der Regel müsse man für einen Garten aber schon 4000 bis 5000 Euro mitbringen, mitunter deutlich mehr. Laut Schneider interessieren sich verstärkt junge Familien mit kleinen Kindern für Parzellen. Diese wollten auch nicht nur die Sonne genießen, sondern hätten echtes Interesse am Gärtnern.

Dazu passt, dass das Durchschnittsalter der Kleingärtner laut Studie des BBSR sinkt – auf jetzt 56 Jahre. In Großstädten liege der Anteil der Unter-50-Jährigen bei 14%, in Mittelstädten bei 7%. Immer mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft nutzten die Angebote der Gartenvereine. Diese öffneten sich aber auch im Wortsinne, indem Zäune zur Nachbarschaft hin abgebaut würden und Bildungsarbeit bei Schulen und Kindergärten betrieben werde.

Platz für alternative Gartenkonzepte

Laut Untersuchung bekommt ökologisches Gärtnern mehr Gewicht. Um die Nachfrage nach Gärten zu befriedigen, würden große Parzellen zu Flächen von 150 bis 300 Quadratmeter geteilt – was auch den Pflegeaufwand für den Einzelnen klein hält. Es würden aber Flächen gemeinschaftlich genutzt oder für feste Gruppen oder alternative Gartenkonzepte angeboten

Ausdrücklich lobt die BBSR-Untersuchung, dass Kleingärten in Städten immer mehr Teil der „grünen Infrastruktur“ werden – also etwa als Grünanlagen in öffentliche Wegenetze eingebunden werden. Die Autoren empfehlen, die Öffnung der Anlagen noch weiter voranzutreiben – etwa durch einladende Eingangsbereich, Spielflächen und Lehrpfade sowie Gastronomie. Um die Kleingärten in hochverdichteten Städten zu sichern, müssten diese „mehr sein als vorrangig individuell nutzbare Gartenflächen“.

Ministerium: „Gärten werden immer wichtiger“

Nach Ansicht des NRW-Umweltministeriums wird die Bedeutung von Kleingärten für die städtische Grünflächenplanung zunehmen. „Ihre positiven Auswirkungen auf das Stadtklima und ihre Bedeutung als Lebensraum im städtischen Umfeld - vor allem für Insekten“ wird immer wichtiger“, sagte eine Sprecherin von Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU). Sie betonte zudem, dass Kleingärten Orte biologischer Vielfalt seien, wichtig für gärtnerische Kulturarten und -sorten.

Das Land stellt für Investitionen in den Kleingartenanlagen sowie für die Landesverbände der Gartenvereine jährlich 550.000 Euro bereit. Diese Förderung war in den vergangenen Jahren erhöht worden. Für die Jahre 2018 und 2019 wurde zudem das Förderprogramm „Kinder schaffen insektenfreundliche Kleingärten“ aufgelegt. Verbandschef Schneider wünscht im Gespräch mit der Redaktion, dass die Investitionsförderung - also etwa für WC-Anlagen, Wege oder Leitungserneuerungen - noch weiter erhöht wird: „Die Mittel sind doch knapp.“

>>>>> HINTERGRUND

Für die Studie des BBSR befragte ein Forscherteam Landesministerien, kommunale Verwaltungen, Landesverbände des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde e. V., Stadt-, Bezirks- und Regionalverbände sowie Kleingärtnervereine. Fallstudien in Dortmund, Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Jena, Münster und Regensburg dienten der vertiefenden Untersuchung.

Für die Fallstudie Dortmund wurden den Angaben zufolge 119 Kleingartenanlagen mit 8.200 Gärten und 420 Hektar betrachtet. Die Kleingartendichte lag bei 1,4 Gärten je 100 Einwohner. Seit dem Jahr 2011 hatte es einen Zuwachs von 57 Gärten gegeben. Für die Fallstudie Münster wurden den Angaben zufolge 64 Anlagen mit 3900 Gärten und 173 Hektar Fläche betrachtet. Die Kleingartendichte lag bei 1,2 Gärten je 100 Einwohner. Die Entwicklung seit 2011 war unverändert.

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