NRZ-Bankgeheimnis

Nicht nur vom Brot allein … Der Blick des Bäckers

Klaus Peter und Matthias Maruhn.

Klaus Peter und Matthias Maruhn.

Diesmal setzt sich Kolumnist Matthias Maruhn mit Bäcker Klaus Peter auf die Bank. Ihr Thema: das Elend der Flüchtlinge – und was das uns angeht.

Zum ersten Mal wahrgenommen habe ich den Mann vor fünf Jahren, als Deutschland schwankte, weil Hunderttausende auf der Flucht vor Krieg und Hunger über die Grenze kamen. Eine größere Bäckerei in Essen, so las ich, machte kurze 15 und stellte einige der Flüchtlinge umgehend ein. Lösungsorientiert nennt man das wohl. Ende letzten Jahres traf ich den Mann persönlich. Kleidung für das Lager Moria auf Lesbos wurde gesammelt, ich brachte zwei Säcke mit Hemden und Hosen, aus denen mich meine „Plötzlich-Nichtraucher-Wampe“ herauskatapultiert hatte, als Klaus Peter mit einem Bäckerei-Laster vorfuhr und sich mit einem lapidaren „Ich helfe euch beim Transport“ dem Zug der weißen Ritter nach Griechenland anschloss; wir verabredeten für demnächst ein Interview, das aber durch Corona auf die lange Bank geschoben wurde. Bis eben jetzt.

Wer es nicht weiß: Die Bäckerei Peter ist keine Klitsche. 49 Filialen in und rund um Essen, über 400 Angestellte, Familienbetrieb in vierter Generation. Klaus und sein Bruder Bernd rocken den Laden, wie er es selbst nennt. Und sie schnüren die Hilfspakete. Eins packen wir hier aus: Da wird vier Wochen in den Filialen ein bestimmtes Produkt angeboten, die Einnahmen daraus kassieren Schulen, Spielplätze, Senioren oder Vereine aus der Nachbarschaft. Das Beispiel erklärt es besser: Im September gibt es den Schoko-Schiri zu kaufen, ein Quarkgebäck. Das Geld daraus geht an den Schiedsrichterkreis Essen, der mit einem Magazin Werbung für das schwarze Amt machen möchte, es fehlt an Nachwuchs.

Er ist katholisch erzogen worden

Warum hilft der Bäcker? Religiöse Gründe? „Auch. Wir sind klar katholisch erzogen worden. Meine Eltern haben es vorgelebt. Wo Not ist, musst du helfen. Das hat also Tradition. Mit Dorothée, meiner Frau, kamen ganz neue Ideen hinzu.“ Und die Backstube in Gambia? „Da war ich vor Jahren mit dem Motorrad in Afrika unterwegs. Ich bin mit meiner KTM neben der Dakar-Rallye hergefahren. Ein fantastisches Erlebnis, das meine Liebe zu Westafrika weckte. Ich traf auf eine Hilfsorganisation mit erfolgreichen Projekten, da haben wir dann eine Backstube hochgezogen. Und viele junge Leute ausgebildet. Wir waren auch selbst zwei Mal im Jahr vor Ort. Wegen Corona aber ist die Zukunft ungewiss. Wir müssen sehen.“

Und die Erfahrungen hier mit den ehemaligen Flüchtlingen? „Bei uns arbeiten Menschen aus 30 Ländern. Das funktioniert. Meine Erfahrung zeigt mir: Wir sind uns alle so verdammt ähnlich. Die gleichen Sorgen, die gleiche Sehnsucht. Egal, woher man kommt. Es geht nur um Nuancen. Wichtiger ist etwas anderes. Gerade habe ich einen jungen Mann aus Eritrea als Azubi eingestellt. Er spricht nur verhalten Deutsch, aber sein Wille zur Integration ist enorm. Das zählt.“

Und Moria? Der Brand heute Nacht? „Ich bin im Winter ganz spontan mit, weil ich dachte: Du kannst dir die Scheiße nicht immer nur im Fernsehen ansehen, du musst was tun. Ungerechtigkeit stresst mich enorm. Wir haben vorhin telefoniert, die Helfer von damals. Wir müssen uns was einfallen lassen. Schnell.“

Na, wenn‘s einer gebacken kriegt…

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