Gesundheit

Operationen nur noch in Spezialkliniken

Ärzte bei einer Hüftoperation

Ärzte bei einer Hüftoperation

Foto: WR

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Düsseldorf. Die AOK Rheinland will bestimmte Leistungen wie zum Beispiel Knie- und Hüftgelenksoperationen künftig nur noch in spezialisierten Kliniken erstatten. Das Sozialgesetzbuch soll geändert werden.

s gehört zum Alltagsgeschäft in deutschen Kliniken: Allein in Nordrhein-Westfalen erhalten jährlich 35 000 Personen ein neues Hüftgelenk, rund 30 000 einen Kniegelenksersatz. Das hat nicht nur medizinische Gründe. So wurden 2007 25 768 künstliche Knie in NRW eingesetzt, 2008 waren es 28 175. Zehn Prozent mehr innerhalb eines Jahres!

Die Ursache dafür liegt im Abrechnungssystem. Seit 2008 werden Knie-Implantationen von den Kassen nur noch erstattet, wenn das behandelnde Krankenhaus mindestens 50 Operationen dieser Art pro Jahr durchführt. „Das hat zu einem sprunghaften Anstieg der Operationen geführt“, erklärt der AOK-Geschäftsbereichsleiter Krankenhäuser, Matthias Murmann.

Behandlungen systematisch untersucht

Die Qualität der Behandlungen ist dabei allerdings nicht gestiegen. Jetzt hat die AOK Rheinland/Hamburg die Behandlungen systematisch untersucht und die Kliniken miteinander verglichen. Bei der Kasse sind ein Drittel aller gesetzlich Versicherten in der Region Mitglied. Bis zu einem Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde nachgeprüft, ob sich Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Knochenbrüche, Thrombosen und Embolien eingestellt haben. Ausgewerter wurden nur Häuser, die mindestens 30 AOK-Patienten behandelt hatten, um Zufallsergebnisse zu verhindern.

„Das sind für uns wichtige Daten,“, erklärt Dietmar Kumm, Chefarzt in der Duisburger Bethesda-Klinik. „Wir wissen ja nicht, wie gut der Patient mit der neuen Hüfte oder dem Knie zurecht kommt.“ Warum das Duisburger Haus so gut abschneidet, kann Kumm kaum erklären. „Wir halten die Hygiene-Standards ein und versuchen, mit wenigen Fabrikaten zu arbeiten“, so der Orthopäde. „Das zahlt sich offensichtlich aus.“

Neues Hüftgelenk kostet 7200 Euro

Nicht nur für die Krankenversicherungen. Denn Komplikationen gehen richtig ins Geld. Die Kosten für eine Hüftgelenksoperation liegen im Durchschnitt bei 7200 Euro. Kommt es aber zu Problemen und zu einem Austausch des Implantats, werden 10 000 Euro zusätzlich fällig, in schwierigen Fällen sogar bis zu 50 000 Euro. Deshalb setzt die AOK darauf, dass künftig nicht mehr jede Klinik solche Operationen durchgeführt, sondern nur noch ausgewählte Häuser, die entsprechende Erfahrungen haben. „Wir werden einen Vorstoß machen, um eine entsprechende Änderung des Sozialgesetzbuchs auf den Weg zu bringen“, sagt Cornelia Prüfer-Storcks, Vorstandsmkitglied der AOK.

Und die Kasse wird es nicht bei den Hüften und Knien belassen. Als Nächstes sollen die Ergebnisse bei Gallenblasen-OPs auf den Prüfstand gestellt werden. Wenn da nicht manchem Chefarzt die Galle überläuft...

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