Pflegenden Angehörigen droht die Altersarmut

Knapp 9000 Sprechstunden hat der Sozialverband VdK in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve im vergangenen Jahr durchgeführt. Hauptthemen sind nach wie vor: Erwerbsminderungsrenten, Schwerbehinderung (20 % der Duisburger sind betroffen), Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie Fragen zur Pflegeversicherung. Letztere sei zwar durch die Reform „gerechter geworden“, sagt der VdK-Vorsitzende Horst Vöge mit Blick darauf, dass nun auch eine Demenzerkrankung anerkannt wird. Zugleich seien die Anträge aber komplizierter geworden. Nach wie vor führt der VdK viele Klageverfahren durch und erstritt in 2017 gut 1,45 Millionen Euro an Geldleistungen (Pflegegeld, Unfallrente, Krankengeld und Erwerbsminderungsrenten), die aber nicht zu 100 Prozent an die Leistungsempfänger ausgezahlt wurden.

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Knapp 9000 Sprechstunden hat der Sozialverband VdK in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve im vergangenen Jahr durchgeführt. Hauptthemen sind nach wie vor: Erwerbsminderungsrenten, Schwerbehinderung (20 % der Duisburger sind betroffen), Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie Fragen zur Pflegeversicherung. Letztere sei zwar durch die Reform „gerechter geworden“, sagt der VdK-Vorsitzende Horst Vöge mit Blick darauf, dass nun auch eine Demenzerkrankung anerkannt wird. Zugleich seien die Anträge aber komplizierter geworden. Nach wie vor führt der VdK viele Klageverfahren durch und erstritt in 2017 gut 1,45 Millionen Euro an Geldleistungen (Pflegegeld, Unfallrente, Krankengeld und Erwerbsminderungsrenten), die aber nicht zu 100 Prozent an die Leistungsempfänger ausgezahlt wurden.

Denn oft treten Kommunen oder andere Leistungsträger im Streitfall in Vorleistung. Und so flossen im Kreisgebiet knapp 190 000 Euro in kommunale Kassen zurück, davon rund 60 000 Euro nach Duisburg. „466 000 Euro sind unmittelbar bei unseren Mitgliedern angekommen, davon 153 000 Euro an Duisburger Mitglieder“, erklärt Robert Walter, VdK-Geschäftsführer am Niederrhein.

Laternen mitten auf dem Gehweg

Viel wichtiger aber noch als die Zahlen sind dem VdK die Erfolge, die sie für ihre Mitglieder erzielen. Manchmal nach jahrelangem Kampf. Ohne sozialpolitische Mandate setzen sich landesweit 8600 Ehrenamtler für eine soziale Gerechtigkeit ein. Im Fokus haben sie dabei derzeit besonders die Gruppe der pflegenden Angehörige und die Langzeitarbeitslosen.

Allein in Duisburg pflegen statistisch aufgeführt etwa 12.000 zumeist Frauen (80 %) einen Angehörigen zu Hause, im Kreis Wesel sind es 11.500 und im Kreis Kleve 6500. Nicht nur, dass es zu wenig Entlastungsangebote wie Tages,- oder Kurzzeitpflegeplätze gebe, weil Fachkräfte fehlten: „Pflegenden Angehörigen droht die Altersarmut“, sagt Horst Vöge. Denn sie sammeln weniger Rentenpunkte, als wenn sie Kinder erziehen würden. Und: „Wenn sie beispielsweise professionelle Hilfe annehmen, weil sie den zu Pflegenden beispielsweise nicht alleine waschen können, gibt das bis zu 30 Prozent Abzüge bei den Rentenpunkten“, sagt Hortst Vöge.

Das zweite große Thema bleibe der soziale Arbeitsmarkt. Vor allem langzeitarbeitslose Schwerbehinderte, von denen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve jeweils rund 2000 statistisch erfasst sind, hätten es sehr schwer, eine Arbeit zu finden. „Es gibt gewaltige Vorbehalte und Hemmnisse seitens der Arbeitgeber“, sagt Horst Vöge. Es sei bedenklich, dass geschätzt nur jeder Zehnte der Betroffenen Förderangebote für die berufliche Eingliederung bekomme.

„Wir appellieren an die Politik, diesen Bereich besonders zu unterstützen“, so Vöge. Es könne nicht sein, dass die Menschen, wenn sie denn mal eine Förderung haben, nach zwei Jahren wieder rausfliegen. Und es helfe auch nicht, wenn Milliarden-Überschüsse an Finanzmitteln von der Agentur für Arbeit wieder zurück an den Bund fließen. „Mit diesem Geld sollten die Förderprogramme verlängert werden.“

Manchmal müsse es aber auch nicht immer gleich die große Politik sein, die das Leben beispielsweise behinderter Menschen erleichtern würde. Vieles könne man vor Ort regeln. So sei es unverständlich, dass beispielsweise in öffentlichen Neubauten die Behindertentoiletten abgeschlossen sind und „der Chip dann an der Information erst einmal gesucht werden muss“, sagt Raimund Bohsmann, stellvertretender Vorsitzender des VdK-Niederrhein. Es gebe aber auch gute Beispiele, wie den Begleitservice der DVG. So werden mobil eingeschränkte Fahrgäste von zu Hause abgeholt und bei ihrer Fahrt bis zum Ziel begleitet. „Leider kennen diesen Service zu wenige“, sagt Raimund Bohsmann. Ein Unding sei es dagegen, „dass noch immer mitten auf dem Bürgersteig Laternen stehen würden, an denen Rollstuhlfahrer nicht vorbeikommen.“ Und dies komme gar nicht so selten in Duisburg vor.

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