POLIZEI

Kreis Wesel: Polizei-Humor mit ernstem Hintergrund

Das Social Media-Team der Kreispolizei (v.li.): Kristin Heuken, Timm Wandel, Andrea Margraf und Daniel Freitag. Der Käfer steht oben auf der Facbookseite der Behörde und war auch schon in einem Video mit dem Weihnachtsmann zu sehen.

Das Social Media-Team der Kreispolizei (v.li.): Kristin Heuken, Timm Wandel, Andrea Margraf und Daniel Freitag. Der Käfer steht oben auf der Facbookseite der Behörde und war auch schon in einem Video mit dem Weihnachtsmann zu sehen.

Foto: Heiko Kempken

Kreis Wesel.   Die Blitzermeldungen auf der Facebookseite der Kreis Weseler Polizeibehörde sind so witzig, dass sie viele Fans haben. Das wichtig für Notfälle.

„Freitag, ein Wort, das Millionen von uns glücklich macht – guten Morgen, insbesondere nach Dinslaken-Hiesfeld und einen schönen Start ins Wochenende.“ So fröhlich begrüßte die Kreispolizei Wesel mitunter vor dem Wochenende ihre Facebookfreunde – begleitet vom Foto einer Radarfalle. Seit einem Vierteljahr postet die Pressestelle der Kreispolizei auch auf Social-Media-Kanälen – die 1001 Varianten der täglichen Blitzer-Ankündigung haben auf Facebook schon Kultstatus. Dabei haben die lustigen Posts einen sehr ernsten Hintergrund.

Wenn die „Immobilienmafia“ das Vogelhaus klaut

Der Polizei-Bachelor verlegt die „Nacht der Rosen zum Blitzlichtshooting nach Lohberg“ , die „Immobilienmafia hat eine mehrköpfige Familie zwangsenteignet“ und das „schmucke Einfamilienhaus der Luftsportfans auf einem Baumstumpf“ gestohlen – solche Posts finden schnell Fans und werden zigfach geteilt. Die Menschen, die daraufhin die Facebookseite der Polizei abonnieren, erreicht die Polizei auch im Ernstfall.

Der Amoklauf in München war der Auslöser

Der Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufszentrum im Sommer 2016 habe bei vielen Polizeibehörden zu einem Umdenken geführt, so Timm Wandel, Leiter der Pressestelle, zu der außerdem Daniel Freitag, Kristin Heuken und Andrea Margraf gehören. Damals warnte die Polizei über Social-Media-Kanäle die Bevölkerung in Windeseile, das Einkaufszentrum zu meiden und keine Fotos von der Schießerei zu posten sondern der Polizei zu schicken. Auf diese Weise sei es möglich, „Gefahrenlagen schnell zu kommunizieren“, erklärt Daniel Freitag. „Die Informationen erreichen die Leute in Realtime, wir bekommen Hinweise und können reagieren.“

Facebook als „einsatztaktisches Mittel“

Als im November in Wesel eine Gasleitung beschädigt war, habe die Polizei die Menschen über Facebook schnell mahnen können, den Platz zu meiden. „Deswegen hatten wir wenig Probleme mit Passanten, die in den Gefahrenbereich laufen“, erinnert sich Freitag. Facebook sei nicht nur eine moderne Form der Darstellung – sondern ein „einsatztaktisches Mittel“, sagt er. „Das funktioniert aber nur, wenn man vorher seine Community aufgebaut und gepflegt hat.“

Die Seite wird 24 Stunden im Auge behalten

Dazu gehört, dass die Seite 24 Stunden im Auge behalten wird – wenn das Presseteam nicht vor Ort ist, erledigt das die Kreisleitstelle. Auch die Kommentare der User werden beantwortet – meist mit einem Augenzwinkern. Allerdings, so mahnt Wandel, sei Facebook „kein rechtsfreier Raum“ – schon gar nicht die Polizeiseite. Die Kommentare der User werden auch auf strafrechtliche Relevanz geprüft.

„Ritt auf der Rasierklinge“

Für das Facebook-Team der Polizei selbst ist die Arbeit mit Sozialen Medien „ein Ritt auf der Rasierklinge“, so Kristin Heuken. Bei bestimmten Themen ist Schluss mit Lustig: „Bei allem, was mit Tod, schweren Verletzungen und Kindern zu tun hat.“ Wenn Zeugen gesucht werden, landen auch schwere Themen auf Facebook – dann aber mit dem gebotenen Ernst. Der Stoff für witzige Blitzermeldungen – „der geht uns aber nie aus“, verspricht Freitag.

>>HINTERGRUND

  • Die Kreispolizei Wesel ist auf Facebook und Twitter unter „Polizei NRW Wesel“ zu finden.

  • Für Notfälle ist die Facebookseite nicht gedacht sondern die Notrufnummer 110.

  • Der Leiter der Pressestelle, Timm Wandel (53) ist übrigens Dinslakener und hat vorher bei der Kripo gearbeitet.

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