Loveparade

Polizei soll Zugang zum Todestunnel nicht abgesperrt haben

Die Polizei riegelte den Tunnel nach dem Unglück ab, hier den Zugang über die Rampe, die vom Tunnel hoch auf das Loveparade-Gelände führte. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

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Duisburg.Die Polizei macht den Veranstalter Lopavent für die Katastrophe von Duisburg verantwortlich. Doch nach Augenzeugenberichten ließ die Polizei - anders als vorgesehen - kurz vor der Massenpanik Besucher in den Tunnel.

Offenbar ist die Polizei nicht völlig unbeteiligt an den Ursachen, die zu der schrecklichen Tragödie bei der Loveparade geführt haben. Jedenfalls nicht so unbeteiligt wie Landesinnenminister Ralf Jäger und der Inspekteur der Polizei in NRW, Dieter Wehe, es wahrhaben wollen.

Die Polizei hatte offensichtlich für längere Zeit am westlichen Eingang einen unkontrollierten Zugang zum Tunnel zugelassen (siehe Masterplan, Detailplan und Legende zu diesen beiden Einsatzplänen der Polizei als Download auf www.im.nrw.de). Das behaupten Augenzeugen und stützen damit Anschuldigungen, die Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller in den vergangenen Tagen erhob.

Der hatte der Einsatzleitung vorgeworfen, entgegen der Absprache alle Schleusen am Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße geöffnet zu haben. Dadurch sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt. Tom da Silva (19), ein Besucher aus Kerpen, sagt: „Um 16 Uhr hat die Polizei aus unersichtlichen Gründen die Sperre aufgelöst. Dadurch sind die Leute ungehindert in den Tunnel geströmt.“

Wehe gibt „Schwarzen Peter“ weiter

Die Tatsache, dass die besagte Sperre für einen bestimmten Zeitraum offen war, bestreitet auch die Polizei nicht. Allerdings ziehen Polizei-Inspekteur Dieter Wehe und Minister Ralf Jäger Schaller und seine Leute dafür zur Rechenschaft: „Der Veranstalter hat die Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, den Zugang zum Tunnel zu sperren. Wie wir heute wissen, wurde dieser Auftrag vom Veranstalter nicht umgesetzt“, erklärte Dieter Wehe und schob damit den „Schwarzen Peter“ weiter.

Aber: Beide Einlass-Stellen befanden sich außerhalb des Loveparade-Geländes - also im öffentlichen Raum. Dort ist die Polizei zuständig. Daran hatten die Beamten am Veranstaltungstag und auch danach keinen Zweifel gelassen. Mehrfach hatten sie behauptet, Zugangsstraßen zum Gelände gesperrt zu haben.

Aber wohl nicht die Düsseldorfer Straße: „Wir konnten gegen 16 Uhr ungehindert bis zur Kreuzung an der Karl-Lehr Straße vorlaufen“, berichtet Bernd Hildebrandt, der mit fünf Freunden dort unterwegs war. Zwei eingerichtete Vorsperren blieben faktisch funktionslos. „Da wurde einfach nur eine Seite blockiert und die Straße verengt“, so Hildebrandt.

Kurz vor der Katastrophe in den Tunnel gelassen

Statt den weiteren Zustrom der Besucher - wie vorgesehen - frühzeitig zu stoppen, ließ die Polizei offenbar zu, dass sich die Massen ungehindert auf den Tunnel zubewegen konnten, obwohl bereits am Mittag große Rückstaus an den Schleusen gemeldet wurden. Auf der Neudorfer Seite hatte die Zugangsbeschränkung dagegen funktioniert: „Wir wurden um 16.30 Uhr am Eingang Ost von Ordnern und Polizei aufgehalten, 10 bis 15 Minuten später dann in den Tunnel gelassen“, schildert eine Anwohnerin die Situation.

Das heißt: Etwa 15 Minuten vor der Katastrophe wurden aus Richtung Osten neue Besucher in den Tunnel geschickt. Unter den Augen der Polizei. „Da hatten die Menschen auf der Rampe schon den Container erklettert und wurden herausgezogen“, so die Zeugin.

Übrigens: Gegen 17.15 Uhr war der Zugang von Westen her wieder dicht. Doch da war die Katastrophe schon passiert.

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