Loveparade

Polizist hatte kein Funkgerät

Vor der Katastrophe von Duisburg gab es offenbar Kommunikationspannen zwischen Polizei und Sicherheitsdiensten. Foto: Jakob Studnar / WAZ Fotopool

Vor der Katastrophe von Duisburg gab es offenbar Kommunikationspannen zwischen Polizei und Sicherheitsdiensten. Foto: Jakob Studnar / WAZ Fotopool

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Duisburg. Die Hinweise, dass eine Kommunikationspanne zwischen Polizei und Sicherheitsdiensten die Katastrophe auf der Loveparade mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten ausgelöst hat, verdichten sich immer mehr.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hatte ein Vertreter des Veranstalters, der aus dem Container an der Hauptrampe den Publikumszugang steuern sollte, nach eigenen Angaben bereits vor 15 Uhr Hilfe bei der Polizei angefordert. Allerdings sei ein Polizist, der ebenfalls im Container saß, nicht weisungsbefugt gewesen. Außerdem habe dieser Polizist kein Funkgerät gehabt.

Ein Späh-Ordner

Im Sicherheitskonzept, das der NRZ vorliegt, war allerdings vorgesehen, dass der sogenannte Späh-Ordner eine solche Meldung an die Einsatzleitung der Loveparade meldet, die im nahegelegenen Hoist-Hochhaus eingerichtet war. Das ist nicht geschehen.

Auch der Einsatzleiter der Duisburger Feuerwehr will die Polizei unmittelbar vor dem Unglück darauf hingewiesen haben, dass eine Sperrung der Zugangsrampe nur dann zugestimmt werden könne, wenn „der Nachlauf in den Karl-Lehr-Tunnel durch die Polizei verhindert wird“. Nach bisherigen Erkenntnissen ist auch das an der westlichen Seite des Tunnels (Düsseldorfer Straße) nicht passiert. Warum, weiß niemand.

Das NRW-Innenministerium beantwortete gestern zum Polizei-Einsatz auf der Loveparade keine Nachfragen mehr. Möglicherweise zeigt sich Minister Ralf Jäger (SPD), gleichzeitig auch Duisburger SPD-Chef, heute vor dem Innenausschuss des Landtags gesprächiger.

Schmallippig reagiert auch das Kölner Unternehmen SMS (Security Management Services GmbH). „Es wurden nach unserem Kenntnisstand im Eingangsbereich insgesamt 159 Ordnerkräfte eingesetzt. Davon gehörten lediglich 16 zu uns“, betont Peter Nasse, geschäftsführender Gesellschafter der Firma. „Keiner der 16 Ordner war Entscheidungsträger. In die Ausarbeitung des Sicherheitskonzeptes waren wir nicht eingebunden.“

Weitere Details zum Einsatz wollte Nasse nicht preisgeben. Die Essener Firma Challenge Security, die angeblich federführend mit dem Ordnerdienst an den Eingängen vor dem Tunnel betraut war, hat bisher weder auf schriftliche oder mündliche Anfragen reagiert.

Andere beteiligte Sicheheitsfirmen sind der Auffassung, dass nicht Mängel im Sicherheitskonzept, sondern die fehlerhafte Umsetzung für das Desaster von Duisburg verantwortlich sind. „Wenn alle Beteiligten ihre Aufgabe erfüllt hätten, wäre es nicht zu dieser Katastrophe gekommen“, betont Jan-Ole Dietrich Geschäftsführer von R.A.D.-Security. Vorwürfe, die Organisation sei in den Händen von unerfahrenen Sicherheitsdiensten gewesen, weist Dietrich entschieden zurück: „Wir arbeiten schon seit 14 Jahren bei der Love Parade und zahlreichen anderen Großveranstaltungen.“ (Christopher Street Day/Fan-Feste bei der WM 2006, die Red.).

„Mit Umzäunung versehen“

Die 400 R.A.D.-Kräfte waren unter anderem mit der Sicherung des Güterbahnhofs betraut. Dort wurde im Sicherheitskonzept das größte Problem gesehen: „Schwerpunkt der Sicherungsmaßnahmen...ist das ehemalige Güterbahnhofsgebäude, das zu keinem Zeitpunkt betreten werden darf.“ Für den Tunnelbereich an der Karl-Lehr-Straße wurden in erster Linie Gefahrensituationen durch Abstürze befürchtet. „Besonders tief liegende Flächen werden...deshalb mit Umzäunung versehen“, heißt es im Dokument.

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