Kommentar

Rauchverbot in Autos? Nein, bitte keinen reinen Aktionismus

Rosali Kurtzbach

Rosali Kurtzbach

Foto: FFS

Ein Rauchverbot in Autos zum Schutz von Kindern? Nein. Dieser Eingriff in die Privatsphäre mündiger Bürger ist reiner Aktionismus.

Eines vorweg: Ich bin Nichtraucherin, habe noch nie geraucht, aber selbst erlebt, wie es ist, den Familienabend als Kind in einem vollgequalmten Wohnzimmer verbringen zu müssen oder mit der rauchenenden Tante im Auto zu fahren. Die Kopfschmerzen waren vorprogrammiert. Und dennoch: Ein Rauchverbot in Autos? Ich sage: Nein.

Es ist gut, dass es ein Rauchverbot in Kneipen und Restaurants, an vielen öffentlichen Orten und auch in Büros gibt. Nur der Unterschied zum Auto ist: Es sind keine privaten Räume. Ja, der Gesundheitsschutz von Kindern und Ungeborenen ist ein hohes Gut und auch eine staatliche Aufgabe. Aber was würde denn passieren, wenn ein Rauchverbot im Auto verhängt wird? Der Autofahrer müsste eine Geldstrafe zahlen, wenn er erwischt wird. Einsicht, dürfte dies kaum bringen. Sonst würde er schon jetzt nicht rauchen, wenn der Nachwuchs an Bord ist. Schmerzen würde wahrscheinlich ein Führerschein-Entzug.

Ein Rauchverbot-Gesetz im Auto greift zu kurz

Aber dient das wirklich dem Kindeswohl? Verantwortungslose Leute, die Kinder der Gefahr des Passivrauchen aussetzen, werden bei derartigen Strafen ihre Wut nicht in sich reinfressen und an wem wohl auslassen? Zudem: Was ist mit dem Qualm zu Hause? Will der Staat auch hier in die Privatsphäre mündiger Bürger eingreifen? Es wäre konsequent. Aber das darf er nicht. Artikel 13 des Grundgesetzes gewährleistet die Unverletzlichkeit der Wohnung. Und das ist gut so. Die räumliche Privatsphäre muss vor Eingriffen von staatlicher Seite geschützt bleiben.

Und Schwangere, die in ein Auto steigen, in den gepafft wird, tragen selbst die Verantwortung für ihr ungeborenes Kind. Der Staat wird mit einem Rauchverbot im Auto nicht verhindern, dass Kinder der Gefahr von Passivrauchen ausgesetzt werden. Leider.

Zudem: Wie oft kommt das eigentlich vor? Ist das Gesetz nicht eher reiner Aktionismus? Und was ist eigentlich mit anderen gesundheitsgefährdeten Risiken, denen Kinder ausgesetzt sind? Beispiel gefällig? Dicke Kinder sind längst keine Ausnahme mehr, die Folgen bekannt: Diabetes, Gelenkschmerzen, Herz-Kreislaufprobleme. Wo ist hier der Staat? Wo die Süßigkeiten- oder Fastfood-Polizei? Ein Rauchverbot-Gesetz im Auto greift beim Gesundheitsschutz für Kinder viel zu kurz.

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