Naturnaher Garten

Rettet die Welt – Besuch im Naturgarten von Lucenz/Bender

Besuch aus Österreich:  v.li. Landesrat NÖ Minister Martin Eichtinger, Bürgermeister Peter Driessen, Bedburg-Hau, Geschäftsführende Präsidentin ‚Natur im Garten International‘ Christa Ringkamp, Parlamentspräsident Österreich Wolfgang Sobotka, Klaus Bender & Manfred Lucenz, MDL NRW Dr. G. Bergmann, Präsident des niederösterr. Landtags Karl Wilfing.

Besuch aus Österreich: v.li. Landesrat NÖ Minister Martin Eichtinger, Bürgermeister Peter Driessen, Bedburg-Hau, Geschäftsführende Präsidentin ‚Natur im Garten International‘ Christa Ringkamp, Parlamentspräsident Österreich Wolfgang Sobotka, Klaus Bender & Manfred Lucenz, MDL NRW Dr. G. Bergmann, Präsident des niederösterr. Landtags Karl Wilfing.

Foto: Marion Nickig

Bedburg-Hau/Schneppenbaum.  Manfred Lucenz und Klaus Bender gärtnern seit 25 Jahren ohne Chemie. Ihr 4000 m² großer „Traum“ in Bedburg-Hau bekam jetzt ungewöhnlichen Besuch.

Die Entscheidung viel schon früh. Als Manfred Lucenz und Klaus Bender 1989 ihren ersten Gemüsesegarten anlegten, war den beiden schon klar, dass sie nur biologisch gezogenes Gemüse ernten wollten. Biologisch gärtnern, heute würde man sagen: naturnah – ohne Insektizide, Fungizide, Herbizide.

Wenige Jahre später haben die beiden Männer das Prinzip auf ihren gesamten Garten übertragen. „Auslöser waren Läuse an den Rosen“, erinnert sich Manfred Lucenz, „und uns wurde klar, dass eine Anwendung von Gift auch bedeutet, dass Meisen mit vergiftetem Futter ihre Jungen umbringen würden.“

Heute sind Lucenz und Bender über die Landesgrenzen hinweg geschätzte und vielgefragte Gartenexperten – ihr Traum von einem Garten ist 4000 m² groß, seit 25 Jahren ohne Pestizide und zieht von Frühjahr bis in den Winter hinein viele Hundert Besucher in seinen Bann.

https://lucenz-bender.de

Algenkalk hilft dem Buchsbaum

Und wenn die heute fragen, warum es keine Läuse an den Rosen gibt, lautet die Antwort: „Weil wir nicht spritzen!“ Es hat sich im Laufe der Jahre wohl eine Insektenwelt aufgebaut, die offensichtlich zu einem biologischen Gleichgewicht geführt hat. Dabei wird auch experimentiert – etwa mit dem Einsatz von Algenkalk gegen das Buchsbaumsterben. „Versuche mit Algenkalk haben dazu geführt, dass wir keine Kohlhernie mehr kennen. Erste Erfolge lassen sogar vermuten, dass die Krautfäule bei Kartoffeln (Phytophtera) damit bekämpft werden kann.“

Naturnah, so Klaus Bender, bedeute zudem Pflanzenvielfalt im Garten. „Es müssen nicht Wildblumen sein, die den Bienen und Insekten Nahrung bieten. Wenn der frühe Elfenkrokus Mitte Februar zu Tausenden im Garten blüht und ebenso viele Bienen und Hummeln davon ernten, wird klar, dass die jetzt vielbesprochenen Blühstreifen viel zu spät im Jahr ein Nahrungsangebot machen.“ Deshalb finden sich im Garten Lucenz/Bender Gehölze, die ab Januar/ Februar in Abfolge blühen (z.B. Winterblühender Schneeball) – Insekten bekommen Nahrungsangebote, das ganze Jahr hindurch.

Das naturnahe Gärtnern hat den beiden Männern nun wieder besondere Gäste beschert: eine Delegation aus Österreich, angeführt vom Parlamentspräsidenten Wolfgang Sobotka, dem Präsidenten des niederösterreichischen Landtages, Karl Wilfing und einem Minister der niederösterreichischen Landesregierung, Landesrat Martin Eichtinger.

Dazu noch führende Personen der österreichischen Gartenszene. Die Delegation war mehrere Tage in Niedersachsen und NRW, es gab u.a. Gespräche mit Ministerpräsident Laschet, Landtagspräsident Kuper und dem ehemaligen Bundesumweltminister Töpfer.

https://www.naturimgarten.at/

Die hochkarätige Delegation war als Vertreter der Aktion „Natur im Garten“ unterwegs, die von Wolfgang Sobotka 1999 ins Leben gerufen wurde. Die Aktion hat die Ökologisierung von Privatgärten und öffentlichen Anlagen zum Ziel.

Keine Pestizide, kein Torf

„In den vergangenen Jahren ist in Österreich ein Netzwerk von über 15.000 Gärten entstanden, in denen keine Pestizide, kein chemischer Dünger oder Torf verwendet werden“, so Lucenz. „In Zeiten des Bienen- und Insektensterbens ist das eine wichtige Initiative, um den möglichen Beitrag von Privatgärten und öffentlichen Anlagen bei der Erhaltung unserer Insektenwelt bewusst zu machen. Es ist nicht nur die industrielle Landwirtschaft, die durch den massiven Einsatz von Pestiziden den Lebensraum der Insektenwelt zerstört. Es werden auch in sehr vielen Privatgärten und öffentlichen Bereichen in großem Stil chemische Produkte eingesetzt.“

Unter dem Motto „gesund erhalten, was uns gesund hält“ hat „Natur im Garten“ in Österreich Beratungsstellen und eine Hot-Line eingerichtet, die Hilfestellungen bei der Anlage von naturnahen Gärten geben. Um diesen Gedanken nach Deutschland zu bringen, war die Delegation auf ihrer ‚Missionsreise‘ unterwegs.

Die Zahl von 17 Millionen Privatgärten in der Bundesrepublik mache deutlich, so die beiden Niederrheiner, welchen Beitrag Gärten zur Erhaltung der natürlichen Lebenswelt leisten können.

Zu einem veganen Mittagessen im Hause Lucenz/Bender, serviert vom Restaurant ‚Petersilchen‘ aus Xanten, waren auch der Landtagsabgeordnete, Dr. G. Bergmann und der Bürgermeister von Bedburg-Hau, Peter Driessen, eingeladen. In entspannter Atmosphäre fanden rege Gespräche statt, bei denen die Vernetzung naturnaher Gärten in Deutschland in den Blick genommen wurde.

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