Schatz am Silbersee

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

AUSSTELLUNG. Lang verschüttete Werke der Kunstprofessorin Irmin Kamp tauchten in einer alter Scheune wieder auf.

MOERS. Eine alte Scheune am Niederrhein. Drinnen alter Plunder. Dicke Staubschichten und Spinnweben überziehen alles. Die aufgetürmten Gerümpelmassen sind im schummrigen Licht kaum zu erkennen. Kameramann Luc Siassia schaltet ein paar grelle Scheinwerfer ein. Und schlagartig erkennt man, dass hier ein atemberaubender Schatz lagert. Riesige Zwiebeln, gigantische Palmen, noch andere, undefinierbare Formen entpuppen sich als Teile von Kunstwerken. Sie lagern hier seit vielen Jahrzehnten unbeachtet.

Aufwecken aus dem Dornröschenschlaf

Ein kleiner Trupp von Schatzsuchern ist angerückt, um die Werke aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Angeführt von der Frau, welche die Skulpturen in den 60er und 70er Jahren schuf: Professor Irmin Kamp, 1940 in Delmenhorst geboren, mit 33 Jahren Nachfolgerin des legendären Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie. Rund 160 Schüler durchliefen die Klasse der Bildhauerin. Man kennt viele von ihnen - das Werk ihrer Professorin dagegen ist fast vergessen.

Es ist eine ganz eigene Geschichte vom Kulturkampf der späten 60er, als Aufruhr herrschte an der Akademie. Beuys wurde gefeuert, Kamp wurde von den aufgebrachten Anhängern als "von oben eigesetzt" angefeindet. Sie hatte es nicht leicht, auch als sie von 1982 bis 1985 Rektorin der renommierten Akademie war. Ihre Kunst verschwand in der Scheune. Das Schlimme: im Laufe der Jahre wurden viele der Teile bei unsachgemäßen Umlagerungen teils schwer beschädigt, verrotteten mehr und mehr. Unrettbar?

Als vor einiger Zeit ihre letzte Klasse im Moerser "Seewerk" eine viel beachtete Ausstellung bestritt, lernte die Künstlerin das Ehepaar Angelika Petri und Frank Merks kennen. Die beiden hatten 1987 eine ehemalige Fabrikanlage der Firma Dujardin am Silbersee bei Niep gekauft und hier neben Gewerbeansiedlung auch das Seewerk auf die Beine gestellt. Schnell erkannte Irmin Kamp, dass der Bausachverständige Merks einen profunden Schatz an Materialkenntnis und kreative Ideen für die Werke ihrer Schüler an den Tag legte. Sie gewann Vertrauen dazu, dass es vielleicht möglich sein könnte, ihre gelagerten Werke zu restaurieren und neu zu präsentieren. Frank Merks stürzte sich mit Enthusiasmus auf die neue Aufgabe. Er besorgte den Transport, arbeitete wochenlang an den teilweise doch recht großen Stücken, musste sich viel einfallen lassen.

Erstmals ausgestellt

Die Ergebnisse sind spektakulär gelungen, und auch Irmin Kamp ist inzwischen sichtlich begeistert. Es wird sicherlich eine kleine Sensation, wenn die lange verschütteten Werke am 30. August erstmals in einer Vernissage gezeigt werden, verbunden übrigens mit der Präsentation weiterer Künstler.

Seewerk, Silberseeweg 1, Moers-Kapellen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben