Diakoniewerk

Neuer Platz für junge Mütter mit Kind in Krisenphasen

Sara Kuhn (links) und Muriel Schlitter (r.), Mitarbeiterinnen der Scheifeshütte, kümmern sich um die kleine Sophia und Saliha (2.v.l.), die mit ihren Müttern auf Zeit im Haus des Diakoniewerks Duisburg in Kempen leben.

Foto: Fabian Strauch

Sara Kuhn (links) und Muriel Schlitter (r.), Mitarbeiterinnen der Scheifeshütte, kümmern sich um die kleine Sophia und Saliha (2.v.l.), die mit ihren Müttern auf Zeit im Haus des Diakoniewerks Duisburg in Kempen leben.

Duisburg.   Das Diakoniewerk Duisburg hat zwei Standorte für Suchtkliniken aufgegeben und kümmert sich jetzt um junge Mütter samt Nachwuchs in Lebenskrisen.

Als das Diakoniewerk Duisburg Ende 2016 beschloss, sich von seinen beiden Suchtkliniken für Frauen zu trennen, stand ein großes Fragezeichen hinter der Zukunft der Scheifeshütte in Kempen und dem Peterhof in Moers. Die Immobilie in der Nachbarstadt wurde an einen Investor verkauft, auf dem ehemaligen Bauernhof, idyllisch gelegen am Ortsrand des Dorfes St. Hubert, gibt es eine Zukunft unter dem Dach der Diakonie.

Ende Februar wurde das Haus in Kempen neu eröffnet mit 18 Plätzen für eine „begleitete Inobhutnahme“ von Kindern in Krisensituationen. Dabei können Eltern – zumeist Mütter – auch gemeinsam mit ihren Kindern für maximal sechs Monate gemeinsam betreut werden. Eine Trennung und die Unterbringung der Kinder in Pflegefamilien wird damit vermieden.

Empfehlung für eine Perspektive erarbeiten

„Unser Auftrag ist, die Situation zu klären, eine Empfehlung für eine Perspektive zu erarbeiten“, erklärt Martina Pietras. Die Leiterin des Hauses, war bereits langjährig in der Suchtklinik tätig. „So viel hat sich nicht geändert“, sagt die Psychologin. „Auch zuvor haben wir schon Frauen mit ihren Kindern aufgenommen.“

Seit dem Wechsel unter das Dach des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie stehen die insgesamt 18 Plätze für Kinder im Vordergrund, Vertragspartner ist das Duisburger Jugendamt, die Klienten kommen allerdings aus der gesamten Region.

Junge Mütter haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen

Die zumeist jungen Mütter, die hier einziehen, haben mit derart massiven Schwierigkeiten im eigenen Leben, der Familie oder Partnerschaft zu kämpfen, dass das Jugendamt eine Trennung von den Kindern erwägt. „Manchen fehlt schlicht das Basiswissen zu Ernährung, Ordnung und Hygiene“, berichtet Martina Pietras. „Manche haben noch nie im Leben eine Zwiebel geschält.“ Was die eigene Familie nicht vorlebte, versuchen die Betreuer in der Scheifeshütte nachzuholen. Das gilt besonders für die Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern, die Kommunikation mit ihnen. „Wir üben das so lange, bis es klappt.“

Die Begleitung erfolgt in der Gruppe für junge Kinder (0-6 Jahre, sechs Plätze) nach einem 2:1-Verhältnis zwischen Klienten und Personal. „Hier ist immer jemand wach“, betont Martina Pietras.

Trainings-WG für Jugendliche

In einer zweiten Wohngruppe mit neun Plätzen leben Kinder von 6 bis 14 Jahren ohne ihre Eltern – der regelmäßige Kontakt zu ihnen bleibt allerdings. „Hier haben wir die Möglichkeit, Geschwister gemeinsam unterzubringen. In der Bereitschaftspflege ist das nicht möglich“, erklärt die Psychologin. Vielleicht ist es deshalb das Modell der Zukunft.“

Drei weitere Plätze gibt es in der „Trainings-WG“ für Jugendliche ab 16. „Sie haben familiäre Probleme, die eine Trennung erfordern“, erklärt die Leiterin der Scheifeshütte. Distanz kann helfen bei der Entschärfung von Konflikten, ist ihre Erfahrung. „Bei dem ersten Mädchen, das jetzt hier lebt, ist der Kontakt zur Familie wieder gut.“

Zugang zu den jungen Frauen finden

Schwierig sei es mitunter für die Betreuer, den Zugang zu den jungen Frauen zu finden, die mit ihren Kindern kommen. „Natürlich sind sie selten freiwillig hier, sondern weil ihnen die Trennung von den Kindern droht. Unsere Angebote als Hilfe anzunehmen statt sie als Strafe zu empfinden, das ist manchmal nicht einfach.“ Klar sei auch, dass die Schleifeshütte nicht in wenigen Monaten die Defizite von Jahrzehnten aufholen kann. „Sie brauchen weiterhin die Unterstützung durch die ambulante Familienhilfe.“ Beeindruckt sei sie dennoch von der Haltung der jungen Frauen. „Ich erlebe alle als sehr bemüht, an ihren vielfältigen Problem zu arbeiten. Davor habe ich Hochachtung.“

Suchtkliniken fuhren hohe Defizite ein

- Das Diakoniewerk erwarb 1991 den Scheifeshof in St. Hubert bei Kempen, betrieb den Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Bauernhof in typischer U-Form nach umfangreichem Umbau ab 1994 als Suchtklinik für Frauen.

- Die Auslastung der Einrichtung blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück, der Träger schrieb fast von Beginn an rote Zahlen. Die jährlichen Verluste bezifferte Sieghard Schilling, bis Ende 2017 Geschäftsführer, auf jährlich rund 1,8 Mio. Euro. Das Defizit war nur durch Querfinanzierung im Diakoniewerk aufzufangen. Schließlich fiel 2016 die Entscheidung, die Scheifeshütte ebenso wie den Peterhof (Moers) aufzugeben. Die meisten Mitarbeiter fanden in der Diakonie eine andere Tätigkeit, betriebsbedingte Kündigungen konnten so vermieden werden

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