Eisproduktion

Schmecklecker: Geschwister stellen „Eis vom Niederrhein“ her

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Ann-Kathrin Hooger und Jan-Niklas Nytus haben „Schmecklecker“ gegründet, ihr Eislabor befindet sich auf dem elterlichen Hof in Kempen.

Ann-Kathrin Hooger und Jan-Niklas Nytus haben „Schmecklecker“ gegründet, ihr Eislabor befindet sich auf dem elterlichen Hof in Kempen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Kempen.  Ann-Kathrin Hoogen und Jan-Niklas Nytus haben in Kempen „Schmecklecker“ gegründet. Ihr Eis ist regional, saisonal – und außergewöhnlich.

Rübenkraut auf Pumpernickel kommt als rheinischer Klassiker auf den Frühstückstisch – und seit Neustem als niederrheinische Neuheit in den Eisautomaten. Und das schmeckt?! „Ja!“, können Ann-Kathrin Hoogen und Jan-Niklas Nytus voller Überzeugung sagen. Schließlich haben die Geschwister selbst die Idee dazu gehabt, haben das Rezept zig Mal ausprobiert und immer weiter perfektioniert. Nun gehört „Rübenkraut-Pumpernickel-Salz“ zum Sortiment von „Schmecklecker“ – dem „Eis vom Niederrhein“.

Das klingt so verrückt, dass ein Besuch hinter den Kulissen quasi unvermeidlich ist. Die beiden stimmen zu und laden direkt auf den elterlichen Hof in Kempen ein. Hier haben sie eine dunkle Rumpelkammer in ein kleines Eislabor verwandelt. Und das innerhalb kürzester Zeit. Denn eigentlich hatten sie nie geplant, ihr eigenes Eis zu herauszubringen. Erfahrungen in der Gastronomie haben sie zwar als gelernte Köche beide, aber eigentlich sollte Jan-Niklas nach seinem Küchenmeister erst einmal ins Catering-Unternehmen seiner Schwester einsteigen. „Und dann kam Corona“, sagt Ann-Kathrin.

Eislabor auf dem elterlichen Hof in Kempen

Da ist er wieder, dieser eine Satz, der zuletzt immer wieder zu hören war. Doch Jan-Niklas schiebt direkt hinterher: „Aber wir sind noch mit einem blauen Auge davon gekommen!“ Denn seine Schwester fiel aufgrund ihrer Schwangerschaft sowieso aus und er konnte einfach länger in seinem Ausbildungsbetrieb bleiben. Dann aber, im Frühjahr 2021, kribbelte es ihnen doch in den Fingern. Ein sonniger Sonntagmorgen, die Menschen gingen raus – zum Radfahren, Wandern, Schlendern. Wenn hier ein Eisautomat stünde, dachte sich Jan-Niklas beim Blick aus seinem Fenster, würde der sicher gut ankommen.

Nachmittags beim Kuchenessen mit der ganzen Familie erzählte der 28-Jährige von seiner Idee. Doch irgendwie reagierte niemand so richtig darauf. Dann halt nicht! Umso überraschter war er, als zwei Tage später seine große Schwester anrief. „Ich habe direkt mal recherchiert und meinen Lebensmittelkontrolleur angerufen“, erzählt Ann-Kathrin. Der war allerdings sehr skeptisch, denn die hygienischen Auflagen bei einer Eisproduktion sind hoch. „Also entweder machen wir es ganz oder gar nicht!“ Und ganz, das bedeutete: „Wir richten ein eigenes Eislabor ein.“

Biomilch aus Willich

Und wo? Na, beim Papa aufm Hof! Dort in der Küche hantiert Ann-Kathrin, und mittlerweile auch Jan-Niklas, sowieso schon regelmäßig, um Köstlichkeiten fürs Catering zu zaubern. Und die eine Ecke, direkt am Eingang, wurde sowieso nie richtig genutzt. Gut, der Papa selbst war erst nicht so begeistert. „Aber dann hat er gemerkt, dass dadurch seine Kinder täglich hier sind“, sagt die 32-Jährige. „Und außerdem liebt er Eis.“ So wie die ganze Familie, die gerade in der Experimentierphase vom neuen Job der Geschwister profitierte. Ein Kilo Eis? Kein Problem, am nächsten Morgen ist der Bottich ganz sicher leer.

Tatsächlich mussten die Geschwister viel ausprobieren, bis sie den perfekten Geschmack und die perfekte Konsistenz raus hatten. Denn eines stand für sie von Anfang an fest, wie Jan-Niklas betont: „Wir wollen nicht einfach nur mit Pulvern und Pasten arbeiten.“ Stattdessen verwenden sie regionale Produkte, darunter Milch von einem Biomilchbauer aus Willich. „Klar, Vanille und Schokolade gibt’s nicht am Niederrhein, dafür nehmen wir aber immer Fairtrade-Produkte“, sagt er. Doch neben den Klassikern wie Vanille oder Stracciatella möchten sie eben auch „Eis mal anders“ präsentieren.

Komplette Fruchtpalette des Niederrheins

Die Geschwister starteten ihr Unternehmen im Mai, mitten in der Rhabarbersaison, deshalb ging’s für sie erst einmal in den Garten von Tante Christa. Später, als Erdbeeren, Pflaumen oder Äpfel reif waren, arbeiteten sie auch mit regionalen Obstbauern zusammen. „Wir sind den Sommer die komplette Fruchtpalette des Niederrheins entlang gegangen“, sagt Jan-Niklas. Und dabei mussten sie feststellen: Dauert die Erntezeit acht Wochen, schmecken die Pflaumen jede Woche anders. Und damit auch das Pflaumeneis.

Nun ist der Sommer längst vorbei… „Aber Eis geht immer“, sagt Ann-Kathrin und lacht. Das beweisen die Geschwister mit ihren neusten Kreationen, das Kürbiskern- und Bratapfeleis fallen darunter oder das Birneneis mit Haselnusskrokant. Aber eben auch das Rübenkraut-Pumpernickel-Salz. Wie kommt man denn darauf? „Ein Freund von mir meinte: Macht doch mal was mit Rübenkraut“, antwortet Jan-Niklas. Das allein wäre aber zu langweilig, deshalb kommt Pumpernickel, frisch vom Bäcker Weidenfeld aus Kempen, noch hinzu. Und fertig ist die natürliche, andere, hiesige und ziemlich verrückte Sorte von Schmecklecker!

>>> Schmecklecker-Eis aus Kempen

Als „Schmecklecker“ bezeichnet man am Niederrhein einen Liebhaber oder eine Liebhaberin leckerer Speisen. Und alle Schmecklecker sollen beim Schmecklecker-Eis natürlich auf ihre Kosten kommen.

Ein kleiner Becher à 125 Milliliter kostet 2,90 Euro, ein großer Becher à 300 Milliliter 4,90 Euro. Im Angebot sind stets fünf klassische und drei saisonale Sorten sowie eine „andere“ Sorte.

Zu kaufen gibt’s das Eis am Spargelhof Nytus sowie am Köpershof Tölkes oder an Eisautomaten – die genauen Standorte sind auf folgender Internetseite vermerkt: www.schmecklecker-eis.de

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