Kunst

Serie „Kunst lesen“: Dinslakener Künstlerin knüllt und klebt

Lesedauer: 5 Minuten
Die Künstlerin Regine Strehlow-Lorenz arbeitet in ihrem Atelier im Kulturzentrum Duisburg-Wehofen viel mit Zeitungspapier.

Die Künstlerin Regine Strehlow-Lorenz arbeitet in ihrem Atelier im Kulturzentrum Duisburg-Wehofen viel mit Zeitungspapier.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE/Fotoservices

Dinslaken.  Zweiter Teil der Serie „Kunst lesen“: Die Dinslakener Künstlerin Regine Strehlow-Lorenz knüllt und klebt. Kurz: Aus Zeitung wird bei ihr Kunst.

Irgendwo muss doch noch ein Stapel alter Zeitungen liegen. Ach ja, dort drüben! Künstlerin Regine Strehlow-Lorenz durchquert ihr Atelier, schnappt sich ein paar Seiten und knüllt sie zusammen. Geschickt formt sie aus dem Papier einen kleinen Kopf, dann zwei dünne Arme. „Man weiß vorher nie, was dabei rauskommt“, sagt sie. „Aber es macht irre Spaß.“ Mit Klebeband fixiert sie den Oberkörper der Zeitungsfigur, unter der weißen Schicht verschwinden die Buchstaben. Die Dinslakenerin legt den Kopf schief, schaut prüfend auf ihre Arbeit und sagt: „Das könnte ein Astronaut werden.“

Aus alltäglichen Gegenständen etwas Neues zu schaffen, genau das liebt Strehlow-Lorenz. „Alles ist in Bewegung, alles entwickelt sich; und nichts bleibt so, wie es einmal war.“ So steht es in einem ihrer Ausstellungskataloge und so arbeitet sie schon ihr ganzes Leben lang. Kein Wunder also, dass sie bei einem Besuch in ihrem Atelier selbst ständig in Bewegung ist. Immer wieder fällt ihr ein Kunstwerk ein, durch das ihre Arbeitsweise noch ein bisschen verständlicher wird. Da sind zum Beispiel die kleinen, rosafarbenen Muffins aus Putzschwämmen. Oder der Besen mit einem alten Kleid statt Borsten. „Wenn man Musik dazu hört, macht das Putzen richtig Spaß“, sagt die 67-Jährige und lacht.

Jeden Tag eine neue Zeitungsfigur

Langweilig wird es Strehlow-Lorenz aber sowieso nie. Ständig kommen ihr neue Ideen, wie sie sich auf immer neue Art und Weise künstlerisch entfalten kann. Das Thema Zeitung lässt sie dabei schon seit vielen Jahren nicht mehr los. Anfangs formte sie Figuren, auf denen die tagesaktuellen Schlagzeilen durch Klebeband und Wachs durchschimmerten. Im vergangenen Jahr schließlich startete sie eine einmonatige Aktion, bei der sie sich jeden Tag von der aktuellen NRZ inspirieren ließ und anschließend aus den zusammengeknüllten Seiten eine Figur formte. Sätze, Wörter oder auch nur einzelne Buchstaben sind darauf zwar nicht mehr zu sehen, dafür aber lassen Gesten oder Körperhaltung auf die Inhalte schließen.

„Der tägliche Wahnsinn“ hat Strehlow-Lorenz die Figurengruppe genannt. Weil, das sagt sie selbst, es im Alltag immer um neue Auseinandersetzungen geht. „Jeder kämpft für sich und doch sind alle voneinander abhängig“, erklärt sie. Zwei Figuren stehen am Boden ihres Ateliers etwas abseits, bilden eine eigene Einheit. In der Mitte fällt eine Figur mit dickem Bauch fast über den am Boden liegenden Partner. Von Dauer ist diese Konstellation aber nicht, denn die Künstlerin selbst schreitet ein und drapiert alles neu. Anfassen ist hierbei ausdrücklich erlaubt, wie sie betont: „Auch Kinder dürfen damit spielen.“

Kurse für kleine und große Künstler

Überhaupt ist ihre Kunst mit Zeitungspapier auch schon etwas für die ganz kleinen Künstlerinnen und Künstler. Regelmäßig veranstaltet die Dinslakenerin im City Atelier des Lehmbruck Museums Kurse, um Kindern und Erwachsenen die Kunst des Knüllens und Formens zu zeigen. Einen Tipp gibt sie dabei aber immer zu Beginn mit einem Augenzwinkern mit: „Bitte die Eltern erst einmal lesen lassen.“ Erst dann darf gebastelt werden. Nach dem täglichen Wahnsinn hat sie übrigens noch eine weitere Figurengruppe aus Zeitungspapier zum Leben erweckt. Die teils großformatigen „Biester“ sind in der Cubus-Kunsthalle ausgestellt und können aktuell zumindest von draußen bewundert werden.

Strehlow-Lorenz hofft darauf, dass die Museen bald endlich wieder öffnen dürfen. Bis es soweit ist, hat sie aber genug zu tun. Scheinbar im Sekundentakt ploppen neue Ideen auf. Und für die heutige NRZ-Ausgabe hat sie auch schon Pläne. Was genau, verrät sie aber noch nicht. Nur so viel: „Daraus mache ich etwas ganz Spezielles.“

>>> Zeitung – ein wahres Kunststück!

Wir haben Künstlerinnen und Künstler gebeten, aus und mit Zeitung Kunst zu machen. Die NRZ wird in diesem Jahr 75 Jahre alt – da kann man durchaus auch mal auf verrückte Ideen kommen. Zeitung ist so viel mehr als nur bedrucktes Papier.

In unserer Serie „Kunst lesen“ zeigen wir Ihnen in lockerer Folge, was alles so passieren kann, wenn Zeitung und Kreativität ungebremst aufeinander treffen. Im ersten Teil haben wir bereits die Künstlerin Dini Thomsen aus Bedburg-Hau vorgestellt. Was sie so alles mit Zeitungspapier anstellt, können Sie hier noch einmal nachlesen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben