Leserreise

So erlebten NRZ-Leser Thomas Plaßmann Live in Bredevoort

In der Bredevoorter Koppelkerk erzählte Plaßmann auf launige Art und Weise, wie er sich immer wieder neu auf die Suche nach der richtigen Darstellung macht.

In der Bredevoorter Koppelkerk erzählte Plaßmann auf launige Art und Weise, wie er sich immer wieder neu auf die Suche nach der richtigen Darstellung macht.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Bredevoort.  Rund 50 NRZ-Leser gewannen einen Ausflug in die niederländische Stadt der Bücher Bredevoort. Dort trafen sie den Karikaturisten Thomas Plaßmann.

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Was wäre wohl aus dem Schaffen des berühmten Malers Rembrandt geworden, wenn ihm nicht die bezaubernde Hendrickje Stoffels aus Bredevoort über den Weg gelaufen wäre? Fest steht, dass die junge Frau nicht nur seinen Haushalt führte, sondern mit ihm eine gemeinsame Tochter hatte und den Maler schließlich in einer Krisenzeit rettete.

Es war herrlich, wie charmant die Bredevoorterin Lidy Gysbers aus „ihrem“ Leben im 16. Jahrhundert erzählte. Gekleidet in der Mode ihrer Zeit machte sie den Lesern die Epoche in den damals spanischen Niederlanden sehr lebendig.

Dass die Niederländer die fremden Besatzer loswerden wollten, erklärte in einer anderen Führung Hans Pieck, der in die Tracht von Prinz Maurits schlüpfte. Der Feldherr eroberte die damalige Festungsstadt mit einer List. Selten hat man Geschichte so anschaulich erfahren.

Leser waren begeistert vom Reiz des Städtchens

Von diesen Erinnerungen an das „Goldene Zeitalter“ lebt das Städtchen Bredevoort noch heute. Und auch von den zahlreichen Antiquaren, die sich hier niederließen und dem Ort in den 90er Jahren den Beinamen „Stadt der Bücher“ gaben. Leider scheint diese Tradition aber nicht mehr zu wachsen. Einige Buchläden sind bereits geschlossen, dennoch lohnt das Stöbern in den verbliebenen Läden.

Und regelmäßig gibt es Büchertrödel, die ihren Reiz nicht verloren haben. Dreh- und Angelpunkt des kulturellen Lebens ist die Koppelkerk am Ortseingang, die Ausstellungen, Kunst und Vorträge bietet. Die NRZ-Leser waren angetan vom Reiz des Städtchens, dem man so viel Geschichte gar nicht zugetraut hätte.

Plaßmann begeisterte in der Bredevoorter Koppelkerk

Für wohl alle Leserinnen und Leser der NRZ zählt die Karikatur von Thomas Plaßmann zur täglichen Zeitungslektüre unbedingt dazu. Mit seinem Strich kommentiert er nicht nur die Politik, sondern auch die großen gesellschaftlichen Themen: Wie kann die alternde Gesellschaft ihre Würde behalten, welche Grenzen hat die moderne Medizin, welche Rolle spielt die Kirche oder wie hat sich der Alltag von Schülern, Eltern und Lehrern verändert?

In der Bredevoorter Koppelkerk erzählte Plaßmann auf launige Art und Weise, wie er sich immer wieder neu auf die Suche nach der richtigen Darstellung macht, wie er versucht, die „großen Themen“ darauf zu reduzieren, was sie eben für uns Ottonormalverbraucher bedeuten.

Wie wird man eigentlich Karikaturist?

Wenn es zum Beispiel darum geht, dass der Staat sparen muss, dann zeichnet er keinen Finanzminister, der einen großen Geldsack bewacht. Viel lieber bringt er uns Bundesbürger zu Papier, die unter den Sparzwängen zurecht kommen müssen. Sein Blick richtet sich also stets und liebevoll auf die Menschen, und nicht auf die Großkopferten. Überhaupt: „Als Karikaturist sollte man immer Macht hinterfragen“, sagt er. Ohne diese kritische Grundhaltung funktioniere unsere demokratische Gesellschaft nicht, sagt er.

Natürlich kommt es vor, dass eine Karikatur nicht jedem gefalle. Doch auch das ist gewollt; denn auch ein geschriebener Kommentar komme nicht überall gleichermaßen an. Letztlich ist er aber wichtig für die Diskussion und die Weiterentwicklung eines Themas.

Und wie wird man Karikaturist? Thomas Plaßmann (Jahrgang 1960) entdeckte schon als Kind an sich das Talent zum Zeichnen. Er studierte Geschichte und Germanistik, absolvierte dann noch eine Schreinerlehre. Seit 1987 ist er freischaffend für die NRZ und weitere bedeutende Titel tätig, etwa für die Frankfurter Rundschau. Plaßmann lebt in Essen, er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Die Redaktion, so sagte NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet, ist sehr dankbar, dass Thomas Plaßmann für sie zeichnet.