Karneval

So feiert Venlo Karneval

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Venlo. 77 Karnevalswagen zogen durch die Stadt: Doch Venlo feiert nach Rosenmontag munter weiter - traditionell mit der Bauernhochzeit am Veilchendienstag.

Wer am Rosenmontagszug in Venlo mit umgedrehtem Schirm und aufgehaltenen Händen sehnsüchtig einen Kamelleregen erwartete, um dem Magen neben dem Hochprozentigen auch etwas Nahrhaftes zu gönnen, wurde eindeutig enttäuscht. Statt Bonbons und Schokolade regnete es an „Vastelaovend“ tonnenweise farbiges Konfetti. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch – die Venloer sind absolute Karnevalsmenschen auch ohne Süßigkeiten, manche sogar ohne Kostüm - und das nicht nur am Rosenmontag. Denn heute geht’s weiter.

Annelies Hulsman, die am Straßenrand in der frühlingswarmen Sonne stand und die 77 Karnevalswagen und Fußgruppen bejubelte, hatte sich aber auch ohne Kostümzwang in Schale geworfen. „Also, heute ist es auch schon toll, aber morgen muss man in Venlo sein, da ist es noch viel schöner“, verriet sie und lächelte unter ihrem mit Blumen beladenen Hut, der perfekt auf den ihres Gatten abgestimmt war.

Aber was kann für einen Jecken bitte an einem Veilchendienstag noch besser sein als Altweiber und der Rosenmontag? Ganz klar für den eingefleischten Venloer: Die sogenannte Boérebroélof, was übersetzt nichts anderes bedeutet als Bauernhochzeit.

„Ein Paar wird vor dem Rathaus symbolisch verheiratet und die ganze Stadt verkleidet sich am Dienstag schwarz und weiß. Die Männer kommen im Frack, die Frauen in langen Röcken. Das ist Tradition“, erklärte Annelies Hulsman.

Bier und ganz viel
Kräuterschnaps

Und bei einer Bauernhochzeit darf vor allem eines nicht fehlen: gutes Essen. Ganz Venlo labt sich dann an Blutwurst, dem traditionellen Balkenbrij, der dem niederrheinischen Panhas ähnelt und süßen „Krintenmik“. Und wer gut isst, muss natürlich auch gut trinken. „Aber nur Bier. In Deutschland trinken alle zu Karneval diese kleinen Fläschchen, das machen wir nicht.“ Gut, manch einer griff dafür direkt zur Halbliterflasche Kräuterschnaps, alles in allem ging es am frühen Mittag aber eher gesittet zu. Durch die engen Straßen der Venloer Innenstadt, die komplett in den Farben Blau, Rot und Gelb geschmückt waren, schlängelte sich der Umzug, organisiert vom Karnevalsverein VVG Jocus, vorbei an Närrinnen und Narren in farbenprächtigen Fantasiekostümen und mit großartiger Laune.

Kostümtrends zeichneten sich trotz Vielfalt in diesem Jahr nicht ab, Hauptsache, alles ist groß, bunt und möglichst verrückt. Franz und Sebastian Klein-Herenbrink hatten sich dann aber doch für ein minimalistisches Kostüm entschieden: einen gestreiften Hut. „Wir gehen als Joker, das sieht man doch!“, behaupten sie aber konsequent. Vater und Sohn hatten großen Spaß, obwohl es Franz Klein-Herenbrink noch besser gefallen hätte, wenn neben niederländischen Karnevalsliedern auch ein paar Songs von Tony Marshall gespielt worden wären. „Die Deutschen haben einfach eine Stimme für’s Ohr, die Lieder sind klasse“, kam der passionierte WDR 4-Hörer ins Schwärmen, der den Karneval in Venlo liebt. „Alle gehen zusammen raus auf die Straße und feiern, das ist sehr gemütlich. Und bei uns ist alles ein bisschen chaotisch, in Düsseldorf ist an Karneval es viel geordneter.“

„Einmal
am Rhein“

Tony Marshall gab es trotz allem nicht, dafür aber dem Rheinländer vertraute, kölsche Musik und den einen oder anderen deutschen Oldie. In der Innenstadt schunkelte man zu „Einmal am Rhein“ oder grölte fröhlich bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ mit, während andere zu „Superjeile Zick“ von der Gruppe Brings feierten.

Rheinmetropolen-Flair in der kleinen Stadt, die eine der wenigen niederländischen Orte ist, in denen Karneval überhaupt gefeiert wird. „Hauptsächlich gibt es Karneval in Limburg und Brabant und sonst nur in katholischen Orten“, erklären Paul Selen und Ger Helmes vom Karnevalskomitee Jocus die niederländischen Gepflogenheiten während der fünften Jahreszeit. „Die Katholiken feiern nämlich gern.“

Gefeiert wurde in Venlo noch bis in den späten Abend auf der Straße sowie in allen Straßen und Kneipen. Der Schlachtruf dabei lautete „Vastelaovend“, nur ganz Mutige trompeteten ein „Kölle Alaaf“ in die Menge.

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