Centro & Co

So wollen die Einkaufszentren in NRW neue Kunden gewinnen

Die Architektur der Coca-Cola-Oase war überholt, jetzt gibt es eine neue Optik im Oberhausener Centro.

Die Architektur der Coca-Cola-Oase war überholt, jetzt gibt es eine neue Optik im Oberhausener Centro.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Oberhausen/Essen(/Duisburg/Mülheim.  Das Centro hat die Gastro-Meile Oase für rund zehn Millionen Euro saniert. Veränderungen gibt es auch im Rhein-Ruhr-Zentrum und Limbecker Platz.

Zwei junge Frauen sitzen an einem Zweiertisch im Schatten einer Palme. Selbst für den Moment, in dem sie die Pommes aus der Schachtel nehmen und sie in den Mund schieben, schauen sie nicht von ihren Smartphones auf. Der Akku hält. Wenn nicht, ist man wohl selber Schuld. Denn in der sanierten Oase, der Gastromeile im Oberhausener Centro, gibt es an den Plätzen zahlreiche Steckdosen und USB-Anschlüsse. Gerade eben sind die Bauarbeiter abgerückt, Nur ein vergessener Arbeitshandschuh und ein paar Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht Stolpergefahr“ lassen noch erkennen, dass die Oase bis gerade eine große Baustelle war. Rund zehn Millionen Euro hat der Eigentümer Unibail Rodamco Westfield allein in den Umbau der Centro-Oase investiert, um alte Kunden zu halten und neue zu gewinnen.

Centro-Manager regelt Lautstärke per Smartphone

Centro-Manager Marcus Remark läuft zufrieden durch die obere Etage. „Super“ findet er das Ergebnis und bückt sich, um eine benutzte Serviette aufzuheben. Dann regelt er die Musiklautstärke auf dem Handy. Und ein paar Schritte weiter nimmt er ein Tablett vom Tisch und stellt es auf den dafür vorgesehen Platz ab. Er will, dass es hier sauber bleibt.

Auf die Reinigung während der Umbauphase hat das Centro Wert gelegt. Nachts wirbelten Bauarbeiter Staub auf, morgens um 5 Uhr machte ein Putztrupp, doppelt so stark wie sonst, den Dreck wieder weg. Der Umbau der Oase lief im Betrieb. In eineinhalb Jahren mussten die Gastronomie-Betreiber nur an zwei Tagen schließen, an einem Sonn- und einem Montag. Nur ein Wasserrohrbruch im Dezember durchkreuzte die Baupläne kurzzeitig.

„Die Baustelle war eine logistische Herausforderung“, sagt Remark und erinnert nur an die Nacht, in der die riesige neue Rolltreppe geliefert worden war. „Das war ganz schön knapp“, erinnert Remark an so manche Engstelle.

Die Rolltreppe führt in die neue zweite Etage, in der nun zusätzliche Plätze mit Blick aufs Imbiss-Rondell und eine Empore mit Sitzkissen entstanden sind - eingerahmt von vielen Palmen und Grünpflanzen.

Ein bisschen Grün war es im Centro zuvor zwar auch, aber jetzt gibt es sogar Tapeten in Dschungeloptik. Der Hausmeister braucht auf jeden Fall Muße, um alle Pflanzen zu bewässern.

Grundsätzlich müssen sich Einkaufszentren immer neu erfinden, erklärt Remark. Und: Es muss ein Ort sein, an dem man Zeit verbringen will. Um das zu erreichen, erfindet sich das Centro seit einiger Zeit neu. Familien rücken wieder vermehrt in den Mittelpunkt, es gibt mit dem Centrolino eine Kinderbetreuung, die Parkhäuser werden modernisiert, der einstige Centro-Park an der Promenade soll wiederbelebt werden.

Die neue Oase gefällt den Centro-Besuchern

Den Gästen scheint es zu gefallen. Ein Pärchen findet die Sitznischen, die einen Hauch Rückzug ermöglichen sollen, nett.

Ein älteres Frauen-Trio, das aus Walsum angeradelt kam, schmeckt die neue Optik ebenfalls. „Es ist schön, dass man nicht mehr direkt auf den Nachbartisch gucken kann“, sagt eine. Nur die Bühne in der Mitte des Rondells gefällt ihr nicht. Keine Sorge, die kommt ja weg. Sie ist nur für die Eröffnung vom 11. bis 13. Juli aufgebaut, anschließend stehen hier Sitzplätze zur Verfügung.

Eine Baustelle gibt es aber noch: Neben der Burger-Kette „Five Guys“ eröffnet im Laufe des Jahres das „Frittenwerk“ und im oberen Bereich wird es ein Café geben. Vor ein paar Monaten hat sich zudem „Wonder Waffel“ und „Pizzahut“ angesiedelt. Den Umbau der Oase nutzten einige Gastro-Ketten wie Subways, Mövenpick oder Dunkin Donuts, um ihre Ladenlokale zu erneuern. McDonalds hatte für seinen Umbau sogar zwei Monate die Türen geschlossen.

Das RRZ in Mülheim wird 2020 modernisiert

Das in die Jahre gekommene Mülheimer Einkaufszentrum wird ab Mitte nächsten Jahres für rund 200 Millionen Euro renoviert und modernisiert. Ein Joint Venture aus einem Immobilienfonds und der Redos-Gruppe hatte 2018 in drei Schritten das RRZ, die Karstadt-Arkaden und das benachbarte Stinnes-Hochhaus gekauft und verkündet, groß investieren zu wollen.

Das 45 Jahre alte Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ) soll bald speziell Familien ein besonderes Shopping-Erlebnis bieten. Künftig soll es zwei Mall-Ebenen ohne Sackgassen geben, vier räumlich organisierte Themengalerien werden entstehen: Mode, Gastronomie, Event und Sport. Vor allem sollen jüngere und moderne Marken, die zusätzlich mit Online-Angeboten aufwarten können, ins RRZ einziehen. Spätestens im Frühjahr 2023 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.

Das Forum bleibt „der große Wurf“ für Duisburg

Mit 80 Mietern ging das Forum in Duisburg 2008 an den Start, heute sind es 65, darunter Karstadt, Saturn, C&A, H&M (gerade erst renoviert) und seit 2017 Zara als neuer Ankermieter. Noch immer ist die Mall ein Gewinn für die Duisburger Innenstadt. Dies sagen selbst alt-eingesessene Einzelhändler wie Boris Roskothen, Vize-Präsident der IHK Niederrhein: „Duisburg hat einen großen Wurf getan.“ Während das Forum rund 8,5 Millionen Besucher pro Jahr zählt, hat es die Königsgalerie am Kuhtor schwer. Nach dem Weggang des Schuhhauses Schlatholt und dem Auszug von H&M, stimmten schon viele hinter vorgehaltener Hand den Abgesang auf die zweite Mall in der City an. Doch dann zog das Möbeloutlet Riegel Interior in der Galerie auf eine Fläche von 2500 Quadratmeter um – und die Skeptiker wurden still. Wie lange, wird man sehen.

Neue Geschäfte im Limbecker Platz Anfang 2020

Das Einkaufszentrum Limbecker Platz in der Essener Innenstadt besteht inzwischen seit zehn Jahren – Zeit für eine Art Schönheitskur. Zum Jahresende laufen viele Mietverträge aus, das Einkaufszentrum wird die Chance für eine Renovierung nutzen.

Im Fokus soll dabei vor allem eine bessere Orientierung für die Kunden stehen. Aber auch in den Gastro-Bereich wird aller Voraussicht nach Geld investiert, da die Nachfrage steigend sei, erklärt Alexandra Wagner vom Center-Management. Zwar werde Mode weiterhin den Schwerpunkt bilden, aber auch Dienstleistungen, Gesundheits- und Sportangebote sollten berücksichtigt werden. Wichtig dabei: Hochwertig sollen sie sein. Derzeit stehen laut Wagner rund zehn Ladenlokale leer. 50.000 Besucher kommen im Durchschnitt täglich in den Limbecker Platz, der über zirka 200 Shops verfügt.

Kommentar zum Thema: Auch Shopping-Center müssen sich neu aufstellen!

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