Coronavirus

Sorge um Coronavirus: Ist es nur Angst oder schon Rassismus?

Yen Souw Tain, Geschäftsführer eines Asia-Supermarktes in Köln, beklagt „Corona-Rassismus“.

Yen Souw Tain, Geschäftsführer eines Asia-Supermarktes in Köln, beklagt „Corona-Rassismus“.

Foto: Roberto Pfeil / dpa

An Rhein und Ruhr.  Komische Blicke, ausbleibende Kundschaft: Manche Chinesen an Rhein und Ruhr machen derzeit unangenehme Erfahrungen. Konsul rät zu Gelassenheit.

Arglos betritt der Student die U-Bahn an der Haltestelle bei der Essener Uni. Er sieht asiatisch aus. Vielleicht ist er einer der vielen Gaststudenten aus China. Kaum hat er sich hingesetzt, wird er vom Mann gegenüber harsch gefragt. „Kommst Du aus China?“, will der wissen. Er ist betrunken, redet laut. Andere Fahrgäste schauen verlegen zu Boden.

„Bis Du sicher, dass Du nicht dieses gefährlichen Virus hast ..?“ Der junge Mann schaut sein Gegenüber irritiert an. „Ich will das nicht haben“, lallt der Angetrunkene. „Da sterben bei euch doch so viele!“ Dem Studenten reicht es. Er steht auf, setzt sich woanders hin. Ein Fall von Diskriminierung, ausgelöst durch die Berichte über Corona. Ein Einzelfall? Die NRZ hat sich umgehört.

Es ist kurz nach 15 Uhr, der letzte Mittagspausengast verlässt das China-Restaurant in Düsseldorf. Bei der Journalistin winkt die Dame mit Tablett in der Hand hektisch ab: Nein, sie will nichts sagen. „Wir haben schon genug Ärger bekommen!“, ruft sie und verschwindet schnell in einem Hinterraum.

Trotz Messe in Düsseldorf: Reservierungen werden storniert

In einem anderen China-Restaurant ein paar Meter weiter hingegen spricht ein Mitarbeiter mit uns. Die Tische und Stühle sind leer, die Mittagszeit ist vorbei, bis zum Abend schließt das Restaurant. 90 Prozent der Kunden seien Chinesen, erläutert Letian Gao. In den vergangenen Tagen sei kein einziger da gewesen. Auch Kundschaft anderer Nationalitäten bliebe aus. „Die Menschen haben Angst“, sagt er. Dabei, so ist seine Meinung, müsse niemand Angst haben. Aber die Lage ernstnehmen, das müsse man schon.

Er selbst habe keine Erfahrungen gemacht, dass er gemieden werde, weil seine Mitmenschen Furcht haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Aber seine Kollegen hätten davon berichtet. „Die Menschen zeigen das deutlich durch ihren komischen Blick“, sagt Gao.

Trotzdem ist er zuversichtlich, dass die chinesische Regierung das Problem in den Griff bekommt, dass es nicht mehr so viele Infektionen gibt, dass die Medikamente wirken und dass bald wieder mehr Gäste ins Restaurant kommen. Im Moment sei es noch regulär geöffnet. Doch wenn die Gäste weiterhin ausbleiben, sei nicht klar, ob es so bleibe. Gerade findet die Messe „Euroshop“ statt, in den vergangenen Jahren habe es immer jede Menge Reservierungen gegeben. Dieses Mal seien sie alle storniert worden.

In asiatischen Geschäften in Düsseldorf zeigt sich ein anderes Bild

In zwei asiatischen Supermärkten und einem japanischen Deko-Geschäft in Düsseldorf zeigt sich hingegen ein anders Bild. Dass die Kunden spürbar weg bleiben, stellt hier kaum jemand fest. Vielleicht komme ein Prozent weniger Kunden, vermutet ein Ladeninhaber, viel mehr Einbußen gebe es aber nicht. Ein anderer bemerkt, dass die Anzahl der Kundschaft mit den Nachrichten variiere.

Gebe es eher negative Botschaften, kämen zwei, drei Tage lang etwas weniger Kundschaft, meint Supermarkt-Inhaber Lee Jinseok. Diskriminierungserfahrungen haben er oder seine Mitarbeiter bislang nicht gemacht. Vielleicht, so vermuten alle drei, sei Düsseldorf es gewohnt, mit internationalem Publikum umzugehen und dadurch offener im Umgang.

Weltweit nimmt die Angst vor dem Coronavirus problematische Auswüchse an. So wird in Malaysia in einer Online-Petition ein pauschales Einreiseverbot für Chinesen gefordert. In Berlin berichten Menschen auf Twitter, dass Patienten sich in der Notaufnahme der Behandlung einer Ärztin mit vietnamesischen Wurzeln verweigert hätten. Und auf Facebook beklagt ein Supermarkt-Händler aus Köln „Corona-Rassismus“.

Der Generalkonsul der Volksrepublik China in Düsseldorf, Haiyang Feng, weiß um diese Probleme. „Es wurden Vorfälle berichtet, in denen Menschen asiatischer Herkunft beleidigt oder gemieden worden sind. Natürlich sollen wir solchen Stimmungen entgegenwirken. Es mag auch Einzelfälle geben, wo Leute aus reiner Unkenntnis überzogen reagieren. Jeder Staat und jeder Mensch kann in Schwierigkeiten geraten. Bei solcher Situation sind das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Hilfe insbesondere wichtig und wertvoll. Meine chinesischen Landsleute in Nordrhein-Westfalen erfahren ebenfalls viel Zuspruch und Anerkennung für die Entschlossenheit Chinas bei der Bekämpfung der Krankheit. Außerdem leben viele Chinesen seit langem in Nordrhein-Westfalen. Sie fühlen sich hier zuhause und haben deutsche Freunde, die ihnen eng verbunden sind. Das ist immer gut gegen Vorurteile jeder Art.“

Er appelliert, keine Panik zu schüren. Seine Aufgabe bestehe nun darin, über die „vielfältigen Maßnahmen Chinas beim Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zu unterrichten. Diese Maßnahmen zeigen bereits Erfolge. Es gibt also allen Grund zu Optimismus und Gelassenheit.“

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben