Nikolaus

Studie: So übel ist der „Zwarte Piet“ gar nicht

Der Sinterklaas und der „Zwarte Piet“ besuchen Rembrandts Nachtwache im Rijksmuseum in Amsterdam.

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Der Sinterklaas und der „Zwarte Piet“ besuchen Rembrandts Nachtwache im Rijksmuseum in Amsterdam. Foto: dpa

Leiden.   Wissenschaftler widerlegen die Rassismus-Vorwürfe gegen die niederländische Figur. Kinder sehen demnach den Sinterklaas-Begleiter eher als Clown oder Fantasiefigur.

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Als am vergangenen Samstagabend der Sinterklaas in vielen niederländischen Haushalten die Geschenke brachte, hatte er selbstverständlich einen oder mehrere „Zwarte Piet“ dabei. Doch seit zwei Jahren sind die dunkelhäutigen Begleiter des Heiligen Nikolaus ins Gerede gekommen. Eine Arbeitsgruppe des UNHCR (siehe Kasten) hatte den Niederlanden Rassismus vorgeworfen und gefordert, diese Tradition, die es in dieser Form nur dort und in Flandern gibt, zu beenden.

Doch die dunkel geschminkten Gesellen scheinen von Kindern allerdings gar nicht so negativ wahrgenommen zu werden. „Piet durch die Augen von Kindern“ lautet der Titel einer Untersuchung der Universität Leiden. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder den „Zwarte Piet“ in erster Linie als einen netten und freundlichen Clown oder eine Fantasiefigur sehen.

Die Kinder wurden aufgefordert, Bilder von Clowns, Zwarte Pieten sowie weißen und dunkelhäutigen Menschen in zwei Gruppen zu sortieren. Dabei haben 35 Prozent die Clowns und die r Pieten einander zugeordnet. Eine Querverbindung zu Menschen mit dunkler Hautfarben sähen Kinder erst, wenn sie älter werden. Dem „Zwarte Piet“ werden vor allem positive Eigenschaften wie „schlau“, „lieb“ und „nett“ zugewiesen. 83 Prozent der befragten Kinder zwischen fünf und sieben Jahren sehen in der Figur in erster Linie einen Helfer.

Untersuchung mit ernstem Hintergrund

Durchgeführt wurde die - nicht repräsentative - Studie von Judi Mesman, die als Professorin für Diversität in Erziehung und Entwicklung auf die Erforschung von Stereotypenbildung bei Kindern spezialisiert ist. Befragt wurden 201 Kinder aus meist weißen, hochgebildeten Elternhäusern, die über Mundpropaganda oder Facebook rekrutiert wurden.

Wie ernst der Hintergrund ihrer Untersuchung ist, erklärte Mesman gegenüber der Zeitung de Volkskrant: „Diese Untersuchung hat einen durchaus witzigen Blickwinkel, aber die Frage ist ernst: Wie wachsen Kinder in den Niederlanden eigentlich auf, wenn es um Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe geht, ab welchem Alter unterscheiden sie? Darüber wissen wir bislang nichts!“

Dass die Figur des „Zwarte Piet“ die Meinung von Kindern über dunkelhäutige Menschen nicht negativ beeinflusst, bedeutet laut den Wissenschaftlern aber nicht, dass die Diskussionbeendet werden müsse. „Da spielen auch andere Argumente eine Rolle“, so Judi Mesman. Als Wissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit der Frage, auf welche Weise Kinder – beabsichtigt oder nicht – mit Vorurteilen belastet werden. Dass der „Piet“ auf ewig Kontroversen auslösen müsse, sei nicht gesagt. „Geben Sie ihm etwas Zeit“, sagte Mesman der Tageszeitung NRC.

Diskussionen um den „Zwarten Piet“

Der „Zwarte Piet“ (Schwarzer Peter) ist der Helfer des Sinter-klaas (Nikolaus). Er hatte ursprünglich eine ähnliche Funktion wie der Knecht Ruprecht in Deutschland: das Bestrafen ungehorsamer Kinder. Doch die Rute ist im Laufe der Zeit immer stärker in den Hintergrund getreten.


Seit seiner Einführung im 19. Jahrhundert ist der Helfer ein dunkelhäutiger Diener orientalischer Anmutung. Im 20. Jahrhundert wurde aus dem einzelnen Helfer eine Gruppe von Zwarte Pieten, die dem Sinterklaas zur Seite stehen. Die Gesichter der Darsteller sind braun oder schwarz geschminkt, getragen wird bunte festliche Kleidung.

I m Oktober 2013 kam es in den Niederlanden zu Protesten, als die jamaikanische Professorin für Sozialgeschichte Verene Shepherd forderte, die Niederlande müssten den „Zwarte Piet“ abschaffen. Sie gehört einer Arbeitsgruppe bei dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR) an, die auf Missstände auf dem Gebiet der Menschenrechte aufmerksam machen soll.

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