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Tiefergelegte Gleise als Lärmschutz für Betuwe-Linie

Am Niederrhein.   Eine Ideenwerkstatt des Regionalverbands Ruhr (RVR) hat Vorschläge entwickelt, wie die Güterbahnstrecke Betuwe zwischen Emmerich und Oberhausen verträglich ausgebaut werden kann. Denn hohe Betonwände, die die Städte trennen, möchte niemand.

Eine Ideenwerkstatt des Regionalverbands Ruhr (RVR) hat Vorschläge entwickelt, wie die Güterbahnstrecke Betuwe zwischen Emmerich und Oberhausen verträglich ausgebaut werden kann. Denn hohe Betonwände, die die Städte trennen, möchte niemand.

Soviel steht fest: Lärmschutz beim dreigleisigen Ausbau der Betuwe-Linie muss sein. Doch vier bis fünf Meter hohe Betonwände, die die Städte trennen wie einst die Berliner Mauer, möchte niemand. Es geht aber auch anders. Eine Ideenwerkstatt des Regionalverbands Ruhr (RVR) hat gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich sowie den Ingenieurbüros Peter Moik aus Düsseldorf und Schüßler-Plan aus Köln Vorschläge entwickelt, wie die Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen verträglich ausgebaut werden kann.

Dass gute Ideen aber nicht immer teuer sein müssen, zeigt das Beispiel der Haltestelle Wesel-Feldmark. Dort haben die Planer gläserne Lärmschutzwände empfohlen, die sich zum Eingang hin öffnen und ein Foyer bilden. „Mehrkosten: rund 200.000 Euro“, betont Thomas Rommelspacher, Bereichsleiter Planung beim RVR.

Gleise tiefergelegt

Erheblich mehr Kosten verursacht der Vorschlag, den die Ingenieure für Hamminkeln-Mehrhoog entwickelt haben: Dort sollen die Gleise 2,80 Meter tief in die Erde gelegt werden. Vier Millionen Euro kostet das mehr, dafür könnten allerdings Lärmschutzwände von einem Meter Höhe ausreichen und Fußwege und Straßen über die Bahntrasse geführt werden. Eine solche Streckenführung würde die Ortschaft nicht so stark durchschneiden wie meterhohe Lärmschutzwände.

Auch für das Dinslakener Bahnhofsumfeld haben sich die Planer etwas einfallen lassen. So könnten zum Beispiel zusätzliche Bürogebäude oder Parkhäuser an die Gleise herangebaut werden, deren Rückwand als Schallschutz bzw. Lärmschutz dienen könnte. Doch häufig reichen Kleinigkeiten aus: „Oft hilft schon eine andere Beleuchtung oder breitere Unterführungen“, betont der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Dirk Vallée von der RWTH Aachen. „Durch solche einfachen Maßnahmen lassen sich Angsträume verhindern“, macht RVR-Referatsleiterin Maria Wagener deutlich.

Bunte Schaubilder

Damit es nicht nur bei bunten Schaubildern bleibt, will sich die Arbeitsgemeinschaft der Betuwe-Anrainerkommunen Anfang Mai treffen, um ein gemeinsames Vorgehen in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn abzustimmen. „Jetzt haben wir fachlich fundierte Vorschläge in der Hand, die nicht einfach vom Tisch gewischt werden können“, betont Holger Schlierf, Bürgermeister von Hamminkeln und Sprecher der Betuwe-Anrainerkommunen.

„Jetzt liegt der Ball im Spielfeld der Bezirksregierung“, macht Thomas Rommelspacher (RVR) deutlich. Dort wird das Planfeststellungsverfahren geführt. Dass die nicht machtlos ist, haben die Freiburger Kollegen unter Beweis gestellt und der Bahn die Plan-Unterlagen zum Ausbau der Bahnstrecke bei Offenburg mit dem Vermerk „unzureichend und fehlerhaft“ zurückgeschickt.

Modellregion in Europa

Felix Günther von der ETH Zürich, die zahlreiche Regionen entlang der Strecke Rotterdam-Genua berät, verbreitet Optimismus. „Sollten einige Vorschläge umgesetzt werden, wird der Niederrhein zur Modellregion in Europa.“

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