Überlange Transporte

Tierschützer begrüßen Urteil zu verbotenen Tiertransporten

Auf langen Transporten in EU Drittstaaten leiden Kühe Qualen, sagt der Tierschutzbund. Referentin Frigga Wirths lobt auch das Vorgehen der Veterinäre im Rhein-Sieg-Kreis.

Auf langen Transporten in EU Drittstaaten leiden Kühe Qualen, sagt der Tierschutzbund. Referentin Frigga Wirths lobt auch das Vorgehen der Veterinäre im Rhein-Sieg-Kreis.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Im Rheinland.  132 Kühe dürfen nicht nach Marokko gebracht werden. Tierschützer: Amtsveterinäre sollen sich an Beschluss des Verwaltungsgericht orientieren.

Tierschützer begrüßen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Köln, der zufolge ein Transport von 132 trächtigen Kühen in den EU-Drittstaat Marokko verboten bleibt. „Der Beschluss muss anderen Veterinärämtern als Vorlage dienen, Transporte nicht abzufertigen, wenn Tierschutz-Vorgaben ganz offensichtlich nicht eingehalten werden können“, forderte Frigga Wirths, Landwirtschaftsexpertin beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn, an diesem Freitag (20. November 2020).

Die Kölner Richter hatten Mitte dieser Woche einen Eilantrag von zwei Speditionen aus dem Rhein-Sieg-Kreis zurückgewiesen, die einen Transport von 132 Rinder nach Marokko durchsetzen wollten. Kreisveterinäre hatten die Freigabe dafür verweigert, das NRW-Umweltministerium hat überlange Transporte von Kühen und jungen Kälber in EU-Drittstaaten einstweilen verboten.

„Schlachtpraktiken im Widerspruch zu den EU-Standards“

Das Verwaltungsgericht lehnte den Eilantrag der Spediteure ab, weil zu befürchten sei, dass der Transpoirt im Zielland in eine tierschutzwidrige Schlachtung münde. Das sieht auch Frigga Wirths so: „Die Schlachtpraktiken in Drittstaaten wie Marokko stehen m größtmöglichen Widerspruch zu den Mindeststandards der EU“, erklärte die Referentin vom Tierschutzbund. Die Schlachtung finde ohne Betäubung durch sägende Schnitte am Hals statt, der Todeskampf dauere bis zu 20 Minuten.

Der Bedarf nach Rindfleisch in Ländern wie Marokko, aber auch in der Türkei, im Libanon, Algerien und Ägypten steige massiv. Um die Nachfrage zu decken, müssten hunderttausende Rinder aus der EU und aus Südamerika dorthin gebracht werden. Die tagelangen Lebend-Transporte dorthin seien qualvoll. Nach Erkenntnissen des Tierschutzbundes kommt es immer wieder zu Verstößen.

Bayern hat die Regeln verschärft

Beispielsweise würden Ladedichten überschritten und Versorgungspausen nicht eingehalten. Nach Ansicht des Tierschutzbundes sprechen auch tierseuchenhygienische Überlegungen gegen solche Langstreckentransporte. Bayern hat die Regel für Tiertransporte ganz aktuell verschärft. Amtsveterinäre können Transporte ins EU-Ausland und innerhalb Deutschlands nun auch verbieten, wenn ein Weitertransport in ein „Risikoland“ nicht ausgeschlossen ist.

In einem konkreten Fall war im Sommer versucht worden, das geltende Transportverbot in Drittstaaten zu umgehen, indem 30 Kühe erst nach Ungarn und dann nach Usbekistan gebracht werden sollten. „Mit dem neuen Erlass sollen bewusste Umgehungen des europäischen Rechts verhindert werden.“, hatte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) erklärt.

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